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    Bamberg

    Gottesdienst zum Auftakt „1000 Jahre Stephanskirche Bamberg“

    Sie eröffneten das Jubiläumsjahr „1000 Jahre Stephanskirche Bamberg“ (von links): Dekan Hans-Martin Lechner, Regionalbischöfin Dorothea Greiner und Pfarrer Walter Neunhoeffer. Foto: Marion Krüger-Hundrup

    Georg Kestel schaute recht grüblerisch drein. Nicht etwa, weil dem Generalvikar des Erzbistums Bamberg der Gottesdienst zur Eröffnung des Jubiläumsjahres „1000 Jahre Stephanskirche Bamberg“ gegen den katholischen Strich gegangen wäre. Im Gegenteil! „Würdig war es“, sagte er am Schluss. Doch nachdenklich stimme ihn die Frage, wie es wohl vor 1000 Jahren war, als Papst Benedikt VIII. die Kirche St. Stephan geweiht hat. „Wie sah die Kirche damals aus? Gab’s nur Holzhütten ringsherum? Und wie war die Bewirtung der Festgäste? Catering kannte man ja noch nicht, “ konstatierte Kestel.

    Friedensdienst der Religionen

    Dafür kennt der Generalvikar, der in Vertretung von Erzbischof Ludwig Schick gekommen war, Regionalbischöfin Dorothea Greiner gut. So gab es eine herzliche Begegnung in der Stephanskirche.  Ökumene in Reinkultur. Denn „ganz bewusst von Anfang an soll das Jubiläumsjahr ökumenisch gefeiert werden“, hatte schließlich auch Dekan Hans-Martin Lechner zu Beginn der Feier als konfessionsverbindende Losung ausgegeben. Und nicht nur Protestanten und Katholiken seien eingeladen, sondern auch die anderen Religionsgemeinschaften, die „einen wichtigen Friedensdienst in der Stadt Bamberg leisten“, erklärte Lechner. So waren jetzt schon beim Auftakt Rabbinerin Antje Yael Deusel von der Liberalen jüdischen Gemeinde und Mehmet Cetindere, Vorsitzender des Türkisch-islamischen Kulturvereins, dabei.

    Ein ökumenisches Symbol

    Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) nannte denn auch in seinem Grußwort die Stephanskirche ein „ökumenisches Symbol“, in dem das Trennende eine untergeordnete Rolle spiele, und das 1000. Jubiläumsjahr „einen Auftrag für den interreligiösen Dialog und interkulturelle Veranstaltungen“. Die evangelische Kirche spiele darin eine segensreiche Rolle, insbesondere auch im notwendigen „Bündnis gegen rechts“, sagte Starke. Dann wurde er ganz poetisch, indem er die Legende vom Pfennigwunder, die sich um Kaiserin Kunigunde als Stifterin der Stephanskirche gewoben hat, erzählte. Und das wundersame Geschehen durch die Heilige als hilfreich „bei Preisexplosionen in manchen öffentlichen Bauprojekten“ anführte.

    Explosiv im besten Sinne war die Kirchenmusik zum Lob und zur Ehre Gottes, die die Hunderten Gottesdienstbesucher in den Bann zog. Die Mauern der ehrwürdigen Stephanskirche müssen gebebt haben durch die Schallwellen, die das Bläserensemble „Blech g’habt“, der Gospelchor St. Stephan und die Mitglieder der Kantorei St. Stephan erzeugten. Unter dem Dirigat von Kirchenmusikdirektorin Ingrid Kasper erklang auch erstmals das „Stephanslied“ zum Jubiläum, das Christian Schmidt getextet und Rüdiger Glufke vertont haben. 

    Herzliche ökumenische und interreligiöse Begegnung von Bischöfin Greiner, Rabbinerin Antje Yael Deusel, Mehmet Cetindere und Generalvikar Georg Kestel. Foto: Marion Krüger-Hundrup

    Um diesen biblischen Stephanus drehte sich auch die Predigt von Bischöfin Greiner. Um diesen bewährten Diakon, der sich um Witwen, Waisenkinder und die Fremden gekümmert hat. Der verleumdet und gesteinigt wurde und seinen Mördern im Sterben verzieh. Der die „Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen sah“, wie die Bischöfin das Bild von Jakob Scheubel aus dem Jahr 1730 im Hochaltar der Stephanskirche beschrieb.

    Exquisites Jahresprogramm

    Dorothea Greiner gratulierte der Kirchengemeinde und der ganzen Stadt Bamberg zu 1000 Jahre St. Stephan und zu dem „exquisiten Jahresprogramm“: „Es ist so sinnvoll angelegt mit seinen geistlichen, ökumenischen, bildenden, kirchenmusikalischen und kulturellen Dimensionen“, würdigte die Bischöfin das dafür verantwortliche Team um Walter Neunhoeffer, geschäftsführender Pfarrer von St. Stephan.

    Er gab einen Überblick über die rund 70 Veranstaltungen „nicht nur in St. Stephan, wir haben viele Kooperationspartner“. Das Jubiläum sei nämlich auch ein „Fest der Stadt und des Dekanates“, so der Pfarrer und führte als ein Beispiel das Dekanatsfest am 5. Juli an, das Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Erzbischof Ludwig Schick mitfeiern.

    „Bamberger Apokalypse“ zu sehen

    Einen ersten kulturellen Höhepunkt setzte die Ausstellungseröffnung nach dem sonntäglichen Festgottesdienst: Bis zum 16. Februar ist in der Stephanskirche das originalgetreue Faksimilie der „Bamberger Apokalypse“ zu sehen, eine Prachthandschrift aus dem Kloster Reichenau, die Heinrich II. und Kunigunde einst dem Stiftskolleg St. Stephan schenkten und die nun in der Staatsbibliothek Bamberg aufbewahrt wird. Des Weiteren verteilt sich in der Kirche und im Stephanshof der zeitgenössische Bilderzyklus „Apokalypse“, den die fränkische Künstlerin Anne Olbrich geschaffen hat. Diese Bilder sind bis zum 22. März ausgestellt.

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