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    HASSFURT

    Großzügigkeit war vorsätzlicher Betrug

    Seine vermeintliche Großzügigkeit ist einem 20-jährigen Arbeiter aus dem Landkreis Bamberg zum Verhängnis geworden. Im November des vergangenen Jahres spendierte er zwei Freunden jeweils weit nach Mitternacht eine Tankfüllung an einer Tankstelle in Eltmann und bezahlte den Sprit im Wert von insgesamt 171,92 Euro mit seiner Bankkarte.

    Doch das Konto war – wie sich erst später herausstellen sollte – nicht gedeckt. Der Tankstelleninhaber blieb auf seinem Schaden sitzen und erstattete Anzeige wegen Betrugs. Am Montag verurteilte das Jugendgericht den 20-Jährigen zu einer Geldauflage in Höhe von 800 Euro, zahlbar an den Kreisjugendring Haßberge. Auf der Anklagebank sagte der Angeklagte, er habe damit gerechnet, dass sein Lohn schon auf seinem Konto eingegangen sei, was jedoch nicht der Fall war. Einer seiner Freunde, die in den Genuss einer kostenlosen Tankfüllung gekommen waren, sagte im Zeugenstand, dass der Angeklagte sein Auto zweimal für insgesamt 93,59 Euro betankt habe.

    Revanche für Kinobesuch

    Es habe sich um einen Freundschaftsdienst gehandelt, weil er den Angeklagten zuvor unter anderem ins Kino eingeladen habe. Der ermittelnde Polizeibeamte sagte vor Gericht, dass die Tankstelle nicht mit dem neuesten Kassensystem ausgestattet sei, sodass die Unterdeckung des Kontos erst im Nachhinein festgestellt werden konnte.

    Es handelt sich nicht um die erste Straftat des Angeklagten. Fahren ohne Fahrerlaubnis und versuchte Nötigung stehen bereits in seinem Strafregister. Beide Verfahren wurden jedoch eingestellt. Dass er wiederholt straffällig wurde, könnte auch in der Kindheit des Angeklagten begründet sein, wie der Jugendgerichtshelfer ausführte. Die Eltern des Angeklagten hätten nie zusammengelebt. Das Verhältnis zum Vater sei eingefroren. Als Kind sei bei dem Angeklagten zudem ein ADHS-Syndrom, eine Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung, diagnostiziert worden. Eine Lehre zum Kraftfahrzeugmechaniker wurde nach einem Jahr beendet.

    Der Staatsanwalt forderte nach Jugendstrafrecht eine Geldauflage von 1000 Euro an eine gemeinnützige Organisation. Richter Martin Kober verringerte die Strafe um 200 Euro. Es handele sich um einen vorsätzlichen Betrug, sagte Kober in der Urteilsbegründung. Denn der Angeklagte hätte spätestens nach Sichten seiner Kontoauszüge erkennen müssen, dass die Tankrechnung nicht abgebucht worden war, um sie dann zu bezahlen. Das habe er jedoch nicht getan. Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig.

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