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    HAßFURT

    Guten Morgen: Der Frühling kann kommen

    Juhu, es wird Frühling! Draußen scheint die Sonne, es wird immer wärmer und wir können die Winterklamotten endlich wieder einpacken. Diesen Eindruck muss man zumindest bekommen, wenn man momentan einkaufen geht. Denn auch wenn gerade in allen Medien vom riesigen Schneechaos die Rede ist (das offenbar nur in Unterfranken nicht angekommen ist), finden sich schon wieder die ersten Osterartikel in den Läden. Ja, tatsächlich, in Haßfurt gibt es Discounter, in denen schon wieder Schokoladenhasen, Schokoladeneier und anderes Ostergedöns stehen.

    Symbolik der Auferstehung

    Klar, für Christen ist Ostern das Fest der Auferstehung Jesu und hat daher nicht direkt etwas mit dem Frühlingsanfang zu tun. Dennoch: Der Feiertag liegt genau in dem Zeitraum, in dem es nach dem Winter wieder wärmer wird und auch die ganze Symbolik, mit der das Fest üblicherweise gefeiert wird, schreit geradezu nach dem Frühlingsbeginn: Ein fröhlich hoppelnder Hase und die bunten Eier, die die Kinder im Garten suchen dürfen, taugen schon sehr gut als Zeichen dafür, dass die Natur nach der Kältestarre wieder zum Leben erwacht. Und letztlich passt das Bild von einer Welt, die nach dem kalten Winter langsam wieder auftaut, ja auch recht gut als Symbol für die Auferstehung eines Verstorbenen – und so schließt sich dann auch wieder der Kreis zwischen christlichem und vorchristlichem Brauchtum.

    Umso komischer wirkt es, wenn gleich nach dem Jahreswechsel, also mitten im tiefsten Winter, schon wieder die ersten Ostersachen in den Läden stehen. Und so ist es auch durchaus nachvollziehbar, dass viele Kunden beim Gang durch den Laden irritierte Blicke austauschen und sich gegenseitig zuraunen: „Es wird ja immer früher“ oder „Jetzt übertreiben sie aber wirklich.“ Das gleiche Phänomen ist dann sicher auch wieder im Herbst zu beobachten, wenn rund vier Monate vor Weihnachten schon die ersten Schokonikoläuse in den Regalen stehen. Und jeder Kunde, der durch den Laden geht, fragt sich: „Wer kauft so was denn um die Zeit schon?“

    Eine Sache von Angebot und Nachfrage

    Aber – und jetzt kommt die traurige Wahrheit – irgendjemand muss die Sachen ja kaufen, denn die Gesetze von Angebot und Nachfrage verraten uns: Kein Supermarkt würde die Sachen in die Auslage stellen, wenn man wüsste, dass sie sowieso nicht weggehen. Und so ist es mit den Schokoosterhasen genauso wie mit der Bildzeitung oder dem Dschungelcamp: Keiner würde zugeben, diese Dinge zu konsumieren. Aber wenn man sich ihren Erfolg anschaut, verkaufen sie sich offensichtlich doch. Es ist und bleibt ein Rätsel, wie so etwas möglich sein soll.

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