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    HASSFURT

    Guten Morgen! Es ist angerichtet

    Stellen Sie sich mal vor, ein Grundschulrektor würde sich für einen Schulleiterposten am Gymnasium bewerben? Zum Totlachen. Das wäre ja fast so, als wollten Minister einfach das Ressort wechseln. Als ob man aus einem Bundesjustizminister einen Außenminister machte; oder aus einer Familienministerin die neue Justizministerin. Der Grundschullehrer könnte noch so inbrünstig mit seinem Führungstalent, Organisationsgeschick und Erfahrungen auf zumindest vergleichbarer Ebene argumentieren, es würde ihm nichts helfen.

    Hauptsache am Steuer

    Bei Ministern heißt es hingegen: Die Sach- und Fachkompetenz ist ziemlich wurscht, wofür hat man seine Experten! Es kommt auf die politische Führungsqualität an, es zählt die starke Hand am Steuerrad, die den Kurs vorgibt, auch wenn diese Schiff und Besatzung nicht richtig kennt. In Wirklichkeit geht es darum, dass die Alphatiere, die sich im Politikzirkus nach oben gekämpft haben, mit Posten versorgt sein wollen. Und da kann nicht jeder Außenminister werden.

    Freilich ist die Besetzung des Kabinetts auch in anderer Hinsicht schwierig. Was gibt es da nicht alles zu beachten: Beendet sind gottlob die Zeiten, da nur Männer die Geschicke des Landes lenkten. Bundeskanzlerin Angela Merkel holt sechs Frauen und neun Männer in ihr Kabinett – klingt schon ziemlich gleichberechtigt. Neben alten Füchsen hat es aber auch junge Hasen zu geben.

    Es lebe der Proporz

    Und es ist nicht gleichgültig, wer woher kommt: Auch fast 30 Jahre nach der Wiedervereinigung darf es nicht sein, dass nicht mindestens ein Minister Wurzeln in der ehemaligen DDR hat. Aber auch der Süden, der Westen und der Norden der Republik wollen am Regierungstisch vertreten sein.

    Da könnte man glatt befürchten: Zu viele Kompromisse verderben den Regierungsbrei. Aber freilich hat die neue Politspitze erst einmal 100 Tage Schonfrist verdient, sobald sie ihr Amt übernommen hat.

    Martin Sage

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