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    Haßfurt

    Haßberg-Kliniken wollen neuen Chefarzt in der Gynäkologie

    Dr. Raphael Kupietz würde gerne weiterarbeiten. Das ist nicht im Sinne der Klinikleitung, die mit der Nachfolge ein starkes Zeichen für die Geburtenstation setzen will.
    Dr. Raphael Kupietz, Chefarzt der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe, hier in einem Kreißsaal des Hauses Haßfurt der Haßbergkliniken.  Foto: Beate Dahinten

    Noch in diesem Jahr soll ein neuer Chefarzt oder - nach Informationen dieser Redaktion - vielmehr eine neue Chefärztin den Dienst in der Gynäkologie der Haßberg-Kliniken antreten. Das schaut zunächst nach einem normalen Personalwechsel aus. Denn der bisherige Chefarzt Dr. Raphael Kupietz hat mit 66 Jahren ein Alter erreicht, in dem der Übertritt in den Ruhestand völlig normal wäre.  Kupietz würde aber noch gerne weiterarbeiten, was bei Chefärzten bis zum 72. Lebensjahr möglich ist. Sein Vertrag war Ende letzten Jahres ausgelaufen, aber um ein halbes Jahr verlängert worden.

    Kupietz, der seit 2009 an den Haßberg-Kliniken arbeitet,  wollte selbst über seine berufliche Situation mit dieser Redaktion nicht sprechen. Aus seinem Umfeld heißt es aber, der Arzt sei noch leistungsfähig genug, seinen Job am Krankenhaus Haßfurt fortzuführen. Und wolle das auch unbedingt tun. An seiner fachlichen Qualifikation zweifele ohnehin niemand. Dass die Klinikleitung das Beschäftigungsverhältnis beenden wolle, sei auch ein "Politikum". 

    Das Wegrationalisieren der "Gyn" vereitelt

    Denn Kupietz habe maßgeblichen Anteil daran, dass die Pläne der Haßberg-Kliniken, die Geburtenabteilung zu schließen, vereitelt wurden. 2015 hatte das Kommunalunternehmen angekündigt, aufgrund seiner finanziellen Schieflage die defizitäre "Gyn" schließen zu wollen. Dies scheiterte damals aber am massiven Widerstand des Personals und der Bevölkerung. Kupietz habe damals teilweise eigenmächtig gehandelt und etwa im Alleingang das Gespräch mit Gesundheitsministerin Melanie Huml gesucht. Das nehme ihm die Klinikführung bis heute übel - auch wenn die Kliniken den Erhalt der Geburtshilfe als positiv bewerte.

    Aktuell nämlich ist eine Schließung kein Thema, da Haßfurt Nutznießer einer Sonderförderung des Freistaats für die Geburtshilfestationen an kleinen Krankenhäusern mit weniger als 600 Geburten im Jahr ist. Erst im Dezember hatten die Haßberg-Kliniken den Förderbescheid über eine Million Euro aus den Händen von Gesundheitsministerin Melanie Huml in Empfang nehmen dürfen, die den Fortbestand für die nächsten zwei Jahre sichert. Landrat Wilhelm Schneider, der Vorsitzender des Verwaltungsrates des Haßberg-Kliniken ist, geht davon aus, dass das Programm auch in den kommenden Jahren fortgesetzt wird - es macht zur Bedingung, dass mehr als die Hälfte aller Babys mit Eltern aus dem Landkreis Haßberge im Krankenhaus Haßfurt zu Welt kommen. Weil die Initiative für die kleinen Häuser von Haßfurt ausging - maßgeblichen Anteil hatten die Hebammen und der Stimmkreisabgeordnete Steffen Vogel - ist in einschlägigen Kreisen vom "Haßfurter Modell" die Rede. 

    "Wir wollten eine Neubesetzung erst, wenn die Defizitfinanzierung gesichert ist"
    Wilhelm Schneider, Verwaltungsratsvorsitzender

    Schneider machte nun im Gespräch mit dieser Redaktion deutlich, dass Aussagen über Kupietz wie "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan -der Mohr kann gehen" absolut unsinnig seien. "Wir wollten ihn nicht loshaben", erklärte der Verwaltungsratsvorsitzende. Es vollziehe sich hier ein ganz normaler Chefarztwechsel. Schneider und der scheidende Vorstandsvorsitzende Stephan Kolck sehen in dem Nachfolger oder der Nachfolgerin vielmehr "ein starkes Signal an die Bevölkerung, an alle werdende Eltern und die Mitarbeiter, dass es mit der Geburtshilfe in Haßfurt weitergeht". Er danke Dr. Kupietz dafür, dass er nach Ende des Vertrags weitergearbeitet habe, "denn wir wollten eine Neubesetzung erst, wenn die Defizitfinanzierung gesichert ist", sagte Schneider.  "Anders hätten wir doch überhaupt keinen Bewerber finden können", betonte Kolck. Offenbar sind die Haßberg-Kliniken grundsätzlich bereit, Kupietz in irgendeiner Form in die Gynäkologie einzubinden, aber eben nicht mehr als Chefarzt.

    Der Verwaltungsrat entscheidet am 12. Februar

    Die Personalentscheidung trifft allerdings der Verwaltungsrat, der das nächste Mal am 12. Februar tagt. Dann präsentieren die Klinikchefs ihren Wunschkandidaten respektive ihre Wunschkandidatin. Einen Gynäkologen oder eine Gynäkologin, die nicht nur entsprechende Erfahrung in Geburtshilfe und der Sonographie, das Beherrschen der einschlägigen Operationstechniken und Kompetenzen in der Weiterbildung der Kollegen verfügt, sondern die sich auch nicht scheut, Bereitschaftsdienst mitzumachen - ein Muss an kleinen Krankenhäusern. Und die letzten Endes den Vertrag in Haßfurt auch unterschreibt.

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