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    HASSFURT

    Haßfurt: 20-Jähriger heuer zum dritten Mal vor Amtsgericht

    Den Gerichtssaal des Amtsgerichts in Haßfurt kennt ein 20-jähriger Arbeitsloser aus dem Maintal mittlerweile nur allzu gut: Zum dritten Mal in diesem Jahr musste er dort am Montag auf der Anklagebank Platz nehmen. Nach Fahren ohne Fahrerlaubnis und unerlaubtem Waffenbesitz lautete die Anklage diesmal auf Sozialbetrug. Von 1. bis 22. Februar dieses Jahres arbeitete er und bezog zeitgleich Arbeitslosengeld in Höhe von 219 Euro, weil er die neue Arbeitsstelle dem Arbeitsamt nicht gemeldet hatte. Dafür verurteilte ihn das Jugendgericht zu 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

    Auf die Schliche kam ihm die Behörde durch einen Datenabgleich mit der Krankenkasse, bei der er bei seinem Arbeitsbeginn angemeldet wurde. Den Kontakt mit dem Arbeitsamt meidet der Angeklagte nach Auskunft eines Arge-Mitarbeiters wie der Teufel das Weihwasser. Dreimal sei er zu Vorladungen unentschuldigt nicht erschienen, sagte der Zeuge vor Gericht.

    Schon sechs Vorstrafen

    Daraufhin habe das Amt die Zahlungen am 16. März eingestellt. Das zu Unrecht erhaltene Arbeitslosengeld habe der Angeklagte inzwischen zurückgezahlt. Dies rechnete ihm das Gericht zwar strafmildernd an. Schwer ins Gewicht fallen jedoch die insgesamt sechs Vorstrafen des 20-Jährigen, der nach eigener Auskunft derzeit kein Einkommen hat. Im Alter von 15 Jahren startete er seine kriminelle Karriere mit einem Verstoß gegen das Versicherungsgesetz. Es folgten Urkundenfälschung, Diebstahl, Sachbeschädigung sowie die bereits genannten Verstöße in diesem Jahr.

    „Es ist alles dabei“, stellte der Staatsanwalt folgerichtig fest. Der Angeklagte kümmere sich um „gar nix“ und habe kein berufliches Ziel. Eine Elektriker-Lehre habe er nach einem Jahr ebenso aufgegeben wie eine Anstellung als Kellner, sagte Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich, der sich eine Einstellung mit Auflagen vorstellen konnte. Der 20-Jährige habe es schlicht „verpeilt“, sich mit der Arge in Verbindung zu setzen.

    Mit Arbeitsstunden „gut bedient“

    Doch eine Einstellung machte das Gericht nach den Voreintragungen nicht mit. Der Anklagevertreter fordert in seinem Plädoyer 80 Arbeitsstunden, was der Angeklagte nicht kommentierte. „Es ist alles gesagt“ lautete sein letztes Wort. „Doppelt kassieren ist zwar schön, aber Betrug“ belehrte Richter Martin Kober den jungen Mann. Mit Arbeitsstunden sei er für die siebte Eintragung im Sündenregister gut bedient. „In einem halben Jahr werden Sie 21. Wenn Sie dann straffällig werden, sitzen Sie vor dem Erwachsenenrichter und dann möglicherweise in der JVA Würzburg in der Abteilung für Erwachsene. Dann bleibt es nicht bei einem Wochenendarrest. Wenn Sie so weiter machen, dann gut Nacht“, redete der Vorsitzende dem Verurteilten ins Gewissen.

    Der nahm das Urteil nicht an. „Das lasse ich offen“ sagte er abschließend. (msch)

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