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    Haßfurt

    Haßfurt: Auch bei einem kleinen Rempler ist es Fahrerflucht

    Das Amtsgericht erkennt bedingten Vorsatz: Nicht vorbestrafter Kfz-Meister muss nach einem "Spiegelklatscher" 300 Euro Geldstrafe zahlen.
    Spiegelklatscher gehören zu den klassischen Kleinunfällen im Straßenverkehr.  Foto: oliale72

    Wenn man nicht sicher ist, ob man mit dem eigenen Fahrzeug vielleicht ein anderes Auto angefahren hat, ist man gut beraten, anzuhalten, auszusteigen und auf Nummer sicher zu gehen, ob auch wirklich nichts passiert ist. Schließlich gelten auch kleinere Rempler verkehrsrechtlich gesehen als Unfall. Weil ein angeklagter Kfz-Meister (50) bei seiner Fahrt durch eine Ortschaft genau diese Sorgfaltspflicht ignorierte, sprach Amtsrichterin Ilona Conver von "bedingtem Vorsatz." Für dieses Vergehen wird der nicht vorbestrafte Mann mit einer geringen Geldstrafe von 300 Euro zur Kasse gebeten.

    Das Missgeschick passierte im nördlichen Teil des Haßbergkreises, wo der Fahrer mit seiner Familie lebt. Nach dessen eigenen Angaben befuhr er am 27. August 2018 kurz vor der Mittagszeit mit seinem Fiat-Transporter eine innerörtliche Straße mit etwa 40 km/h. Als er ein lautes Geräusch hörte, konnte er sich erst mal keinen Reim darauf machen. Zu diesem Zeitpunkt zog er sogar in Betracht, eventuell einen Hund angefahren zu haben. An einem Kreisel drehte er schließlich um und steuerte er seinen Wagen an die Stelle zurück, wo er den Knall gehört hatte.

    Als er wieder an die Stelle kam, sah er zwar einen parkenden Wagen am Straßenrand, ansonsten aber will ihm nichts weiter aufgefallen sein. Also fuhr er langsam vorbei, ohne anzuhalten. Er vermutete als Ursache des Knalls, dass in seinem fast 20 Jahre alten Kastenwagen einige Werkzeuge oder Metallrohre umgefallen wären. Später inspizierte er sein eigenes Fahrzeug genauer. Dabei bemerkte er die Kratzer am rechten Außenspiegel. Im Gerichtssaal behauptete er, dass diese Schäden  noch vom Vorbesitzer stammen würden.

    Zwei Passanten, die als Augenzeugen geladen waren, hatten ebenfalls den Schlag gehört. Schnell erkannten sie, dass es zu einem sogenannten "Spiegelklatscher" gekommen war. Dabei war der vorbeifahrende Kastenwagen mit seinem rechten Außenspiegel gegen den Spiegel auf der Fahrerseite des parkenden Autos geknallt. Dessen Besitzer war ein Handwerker, der vor Ort gerade einen Fußboden verlegte. Die Fußgänger berichteten ihm von ihren Beobachtungen.

    Da man in der Ortschaft das Fahrzeug des Unfallverursachers aufgrund der Werbeaufschriften kennt, versuchte der Geschädigte, den Angeklagten telefonisch zu erreichen. Als ihm das nicht gelang, informierte er die Polizei. Die Beamten erschienen zeitnah erst am Unfallort, und kurz darauf bei dem Beschuldigten und dokumentierten die Schäden.

    Noch am Unfalltag meldete sich der Angeschuldigte bei dem Fußbodenleger und bat ihn, das beschädigte Auto zu seiner Werkstatt zu bringen. Dass er - so schnell wie möglich – den Schaden reparieren und damit die ganze Sache aus der Welt schaffen wollte, spricht ebenfalls dafür, dass er nicht ausschloss, das Malheur verursacht zu haben. Im Zeugenstand bestätigte der Geschädigte, dass damals innerhalb von zwei Tagen sein Wagen fachmännisch repariert worden sei. Die letzten Zweifel am Unfallgeschehen beseitigte ein Sachverständiger aus Bayreuth. Der Ingenieur betonte in seinem Gutachten, dass die Schäden an beiden Fahrzeugen "kompatibel" seien, also zueinander passen. Den Sachschaden bezifferte er mit etwa 250 Euro.

    Für das unerlaubte Entfernen vom Unfallort, wie es im Juristendeutsch heißt, forderte Ilker Özalp namens der Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe von 600 Euro. Die Verteidigerin Brigitte Drews sprach von einem "Kleinstunfall" und plädierte auf Freispruch. Sein letztes Wort nutzte der Kfz-Meister, um nochmals zu versichern, dass er den Zusammenstoß wirklich nicht bemerkt habe.

    Die von der Strafrichterin verkündete Geldstrafe beträgt 15 Tagessätze á 20 Euro, also insgesamt die genannten 300 Euro. In ihrer Urteilsbegründung erläuterte sie, was man nach deutschem Recht unter einem "bedingten Vorsatz" versteht. Der Verurteilte, führte sie aus, habe es zumindest für möglich gehalten, dass ihm ein Fehler unterlaufen sei. Deshalb sei er ja auch zurückgefahren. Dort aber hätte er anhalten und sich vergewissern müssen – einfach weiterzufahren, sei gar keine gute Idee gewesen. Ob die Verteidigung den Richterspruch akzeptiert oder in Berufung geht, blieb offen.

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