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    HASSFURT

    Haßfurt: Gericht brummt Katzenliebhaberin Geldstrafe auf

    Ihre übermäßige Tierliebe brachte eine Katzenliebhaberin aus dem Steigerwald auf die Anklagebank des Amtsgerichts. Am Dienstag verurteilte das Gericht die Hartz-IV-Empfängerin am zweiten Verhandlungstag wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu 15 Euro (600 Euro). Außerdem darf die Verurteilte fünf Jahre lang keine Tiere mehr in geschlossenen Räumen halten.

    Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Bamberg hielt die Frau auf einem ehemaligen Bauernhof im südlichen Landkreis zwischen Oktober und Dezember 2017 mehr als 20 Katzen, die sie drei Tage lang ohne Futter und Freigang im Haus alleine gelassen haben soll. Unter den Katzen befanden sich zwei Problemkatzen, die angeblich einem extrem hohen sozialen Stress ausgesetzt waren.

    Völlig verdreckte Wohnung

    Bei einer Wohnungsdurchsuchung am 28. Dezember 2017 fanden Polizeibeamte und Mitarbeiter des Veterinäramts die Wohnung völlig verdreckt vor. Die Katzen hatten neben die aufgestellten Katzenklos uriniert und Kot abgesetzt. Sieben der Tiere waren erkrankt. Drei von ihnen konnte nicht mehr geholfen werden. Sie verstarben wenige Wochen später in zwei Tierheimen, in die sie verlegt wurden.

    Obwohl der Katzenhalterin am 7. März 2018 mit richterlichem Beschluss untersagt wurde, Katzen zu halten, hielt sie sich nicht daran. Nachbarn der Frau beobachteten Tiere, die sich nach diesem Datum in ihrem Haus aufhielten. Bei einer weiteren Hausdurchsuchung im Dezember 2018 wurden alle im Haus befindlichen Katzen beschlagnahmt. Vor Gericht gab die Angeklagte an, dass sie niemals über 20 Katzen gehalten habe. Im Oktober 2017 habe sie zwölf Katzen von der Tierhilfe Würzburg übernommen, die dann bei ihr über einen Zeitraum sechs Wochen blieben. Dazu habe sie damals bereits vier eigene Katzen gehabt, darunter einen „üblen Kater“, den sie von einem Tierheim in Münnerstadt „aufgedrückt“ bekam und der sie selbst angegriffen habe. Eine weitere Katze habe einen Unfall erlitten und regelmäßig ihre Streicheleinheiten gebraucht.

    Den Katzen sei es gut gegangen. Sie habe sie „dick und fett gefüttert“. Zudem hätten sie auf dem großen Hof mit drei Scheunen genug Auslauf gehabt. Dass der Zustand in ihrem Haus im Dezember 2017 „furchtbar“ war, räumte sie selbst ein. Futter, Katzenklos und Einstreumaterial seien Mangelware gewesen. Mindestens vier Tiere, die sie von Würzburg bekommen hatte, seien krank gewesen. Für eine Impfung habe das Geld gefehlt. Unterstützung sei dann durch Freunde im Internet gekommen.

    Verwildert und mit Flohbefall

    Nach Aussage von Amtstierärztin Simone Nowak waren bei einer Hausdurchsuchung am 20. Dezember 2017 sechs Katzen im Dachboden und Bad im Obergeschoss eingeschlossen gewesen. Die Angeklagte sei nicht anwesend gewesen. Die Wohnung sei ungeheizt gewesen. Die Tiere hätten unter der ansteckenden Parvovirose gelitten und hätten geimpft werden müssen. Die Katzen hätten Flöhe gehabt und seien verwildert gewesen. Im Haus habe sich ein stechender Ammoniak-Geruch durch das Urin ausgebreitet. Die Tiere hätten sich gegenseitig in ihre Betten uriniert, was für Katzen untypisch sei. Nach Aussage des Staatsanwalts sei die Angeklagte mehrfach ermahnt worden, die Katzen abzugeben. Die alleinstehende Frau habe das Beste für die Tiere gewollt, sei aber überfordert gewesen. Der Anklagevertreter forderte eine Geldstrafe in Höhe von 750 Euro; die Verteidigung setzte auf einen teilweisen Freispruch und eine Verwarnung mit Strafvorbehalt. was bedeutet, dass sich das Gericht die Verhängung einer vorher festgesetzten Strafe für den Fall einer erneuten Straffälligkeit der Angeklagten vorbehalten hätte. (msch)

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