• aktualisiert:

    HAßFURT

    Haßfurt: Sechs Jahrzehnte im Weinberg des Herrn

    Oberkirchenrat i. R. Gotthart Preiser aus Haßfurt feierte vergangenen Sonntag 60 Jahre Ordination. Er ist nicht nur ein Arbeiter im Weinberg des Herrn, er kümmert sich auch gerne um die Weinstöcke in seinem Garten. Foto: Ulrike Langer

    Beim Gottesdienst am vergangenen Sonntag in der Christuskirche überraschte Oberkirchenrat i. R. Gotthart Preiser die Gemeinde mit dem Hinweis, dass er an diesem 5. Sonntag nach Trinitatis vor genau 60 Jahren auf seiner ersten Stelle in Tröstau/Oberfranken ordiniert worden sei. So wurde es auch für ihn selbst ein Festgottesdienst, bei dem erstmals der kleine Singkreis unter Leitung von Ute Pillhöfer auftrat. Außerdem wurde er von der Tochter Gotthart Preisers, Elke Haagen, sowie deren Tochter Lena und deren Ehemann Björn Pahl mit Solo- und Instrumentalmusik und von Hans Schott an der Orgel gestaltet.

    Der Predigt von Gotthart Preiser lag ein Text des Evangelisten Matthäus zugrunde, den besonders beeindruckt habe, wie der mit göttlicher Vollmacht ausgestattete Jesus mit seinen Freunden ganz bescheiden durch die kleinen Dörfern Galiläas zog und zwischen Teppich- und Olivenhändlern vom gegenwärtigen Reich Gottes gepredigt habe und dabei jeden Einzelnen mit seinem von Freude und Leid geprägten Schicksal liebevoll persönlich angesehen habe.

    Landesweite Feier in Ansbach

    „Es war eine Kirche, die ganz bescheiden mit zwölf Personen anfing und die sich in gottloser Umwelt mutig zu ihrem Glauben bekannte. Dies ermutigt in der gegenwärtigen Situation einer sich verkleinernden Kirche jeden Christen dazu, ohne Minderwertigkeitskomplexe sich zu Jesus Christus zu bekennen und etwas von seinem liebevollen Handeln auf das eigene Leben abfärben zu lassen“, sagte der Prediger. Am Tag darauf wurde das Jubiläum in einer landesweiten Feier in Ansbach festlich begangen, wobei Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm jedem Jubilar ein Ordinationskreuz überreichte.

    „Dass ich den Beruf des Pfarrers gewählt habe, liegt mit daran, dass mein Vater Pfarrer war und ich frühzeitig eingebunden war“, erzählte der Jubilar. „Ich war in der Kirche daheim, denn es war selbstverständlich, sonntags den Gottesdienst zu besuchen.“ Das Schönste an seinem Beruf sei gewesen, dass er immer gespürt habe, dass jüngere Pfarrer und Lektoren seine Ratschläge gerne angenommen hätten und dafür auch dankbar gewesen seien. „Natürlich kann man nicht immer allen Erwartungen und Möglichkeiten gerecht werden und nicht alle Wünsche – auch wenn sie berechtigt sind – erfüllen“, so Preiser weiter. Das Amt des Pfarrers war für ihn eine Hilfe, selbst Christ zu sein. Außerdem konnte er dadurch ein weites Netz an Kontakten zu Menschen knüpfen, darunter auch Politiker, Verantwortliche in vielen Bereichen und die Presse. „Der Glaube gibt mir die Lebensgrundlage und das Lebensziel. Denn es gibt Wichtigeres, als gut dazustehen und anerkannt zu sein. Vielmehr gibt es über den Tod hinaus das Ziel, bei Gott anzukommen, den ich verkündet habe“, sagte Preiser. Er habe stets gepredigt, dass der Glaube für das Leben gut ist, auch wenn man die erwartete Hilfe Gottes nicht immer sieht.

    „Trotzdem hat jeder mit all seiner Unvollkommenheit seinen Wert und ist von der Liebe und Barmherzigkeit Gottes getragen“, sagte Preiser. Noch heute übernimmt er ehrenamtliche Predigtdienste in ganz Bayern, erstellt Arbeitshilfen und verfasst Lesepredigten.

    Gotthart Preiser war nicht nur als Pfarrer tätig, er war schon von Kind an auch der Musik verbunden, lernte Klavier und hat auch immer wieder die Orgel in Eschenau gespielt. Mit dem Lehrer Hofmann gründete er den Posaunenchor Westheim-Eschenau, den er mehrere Jahre geleitet hat. Früher gestaltete er auch Gottesdienste mit der „Preiserband“, in der viele Familienmitglieder spielten und sangen – teils auch zusammen mit den Nürnberger Bäckerposaunen.

    1994 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz für seine Verdienste um die Jugendarbeit verliehen. In seiner Freizeit kümmert sich Gotthart Preiser, der seit 61 Jahren glücklich mit seiner Frau Gertrud verheiratet ist, um seinen Garten, in dem er die Obstbäume, Beerensträucher und Weinstöcke pflegt. Das Ehepaar hat drei Kinder, sieben Enkel und drei Urenkel.

    Lebenslauf von Gotthart Preiser

    Gotthart Preiser wurde am 22. August 1931 in Görlitz/Schlesien geboren und kam 1945 auf der Flucht nach Eschenau. Nach dem Abitur 1952 am Regiomontanus-Gymnasium Haßfurt studierte er Theologie in Neuendettelsau, Tübingen und Erlangen, wobei er ab 1953 im Pfarrhaus in Haßfurt wohnte. 1957 besuchte er für ein Jahr das Predigerseminar in Nürnberg und leistete von 1958 bis 1971 als Vikar und Pfarrer seinen Dienst in Tröstau. Dort gab er den Anstoß zur Gründung eines Posaunenchores und wurde Bezirksobmann für den Bezirk Wunsiedel-Selb. Von 1972 bis 1981 war er Leiter des Amtes für Gemeindedienst in Nürnberg und nach dem Nürnberger Kirchentag 1979 auch Mitglied des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Von 1981 bis 1988 arbeitete er als Rektor im Predigerseminar Neuendettelsau und von 1988 bis zu seinem Ruhestand 1996 war er Oberkirchenrat und Kreisdekan in Regensburg, also ein evangelischer Regionalbischof für die Oberpfalz, Niederbayern und Teile Oberbayerns.

    Von 1997 bis 2003 war Gotthart Preiser Präsident/Landesobmann des Verbandes der evangelischen Posaunenchöre in Bayern. Er setzte sich besonders für die Aufnahme des neuen Liedgutes in die Posaunenliteratur ein und hat etliche Programme von Regional- und Landesposaunentagen mit Ideen angereichert. Bis 2010 war er Vorsitzender des Kuratoriums der Musikakademie Hammelburg, zudem war er Präsidiumsmitglied des Landesverbandes Singen und Musizieren in Bayern.

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!