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    OBERSCHLEICHACH

    Heimweh war immer dabei: 95. Geburtstag in der neuen Heimat

    Ihren 95. Geburtstag feierte am Samstag in Oberschleichach Hildegard Bergmann. Dazu gratulierten unter anderem Bürgermeister Thomas Sechser und Pastoralreferentin Barbara Heinrich. Foto: Sabine Weinbeer

    Bei guter Gesundheit und im Kreise einer großen Familie feierte am Samstag in Oberschleichach Hildegard Bergmann ihren 95. Geburtstag. In die Schar der Gratulanten reihten sich auch Bürgermeister Thomas Sechser und Pastoralreferentin Barbara Heinrich ein.

    Hildegard Bergmann wurde in der Steiermark in Österreich geboren, wo sie als zweites von sechs Kindern aufwuchs. Schon jung hatte sie manches zu ertragen, etwa als das Elternhaus niederbrannte – allerdings erfuhr sie auch den großen Zusammenhalt im Ort, denn die Kinder wurden auf verschiedenen Bauernhöfen untergebracht, bis ihr Vater, ein Wagner, der Feuerwehrautos baute, das Haus wieder errichtet hatte.

    Die Frage, wie sie denn ihren Mann Arnold Bergmann aus Oberschleichach kennengelernt habe, zeigt einmal mehr, dass das Leben die spannendsten Geschichten schreibt. Der war nämlich 1941 als Soldat auf dem Weg nach Jugoslawien und ein Zufall führte sie zusammen. Die Hochzeit war zwei Jahre später in Österreich und auch die erste Tochter erblickte das Licht der Welt in Graz. Aus Angst und Sorge vor einem Einmarsch der Sowjets nach Österreich siedelte die junge Familie um nach Deutschland, nach Oberschleichach in Arnold Bergmanns Heimatort.

    Urlaub in der alten Heimat

    Eigentlich sollte das nur vorübergehend sein, doch der Steigerwald wurde ihre neue Heimat – auch wenn „ich immer Heimweh hatte“. So führten alle Urlaubsreisen natürlich nach Österreich, wo sie noch heute die Kontakte zu ihren vier verbliebenen Geschwistern und ihren Kindern pflegt. Hilde selbst schenkte noch zwei Töchtern und einem Sohn das Leben.

    Die Nachkriegszeit war schwer und vier Kinder wollten ernährt werden. So kaufte sich Hilde damals eine Strickmaschine, fertigte und verkaufte Pullover, Westen und Röcke, gerne auch im Österreichischen Trachtenstil, die sie auch selbst bestickte.

    Ein Blumenstrauß am Arbeitsplatz

    Ab 1969 arbeitete sie bei der Firma Milewski in der Küchenherstellung. Sie erinnert sich noch heute an die Begrüßung dort, denn als 500. Mitarbeiterin bekam sie einen Blumenstrauß. Diesem Arbeitsplatz blieb sie bis zur Rente treu.

    Nach dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 1985 widmete sie sich ganz ihren Kindern und sieben Enkelkindern, die ihr inzwischen auch vier Urenkel beschert habe. Sie alle haben Oma Hilde sehr ins Herz geschlossen und kommen regelmäßig vorbei oder laden die Großmutter ein.

    Viel Spaß am Singen

    Große Freude hatte Hilde Bergmann schon von Jugend an am Singen, deshalb gehörte sie lange Jahre als aktive Sängerin dem Armin-Knab-Chor Neuschleichach an, später sang sie noch viele Jahre beim Gesangverein „Frohsinn“ in Haßfurt.

    Die Jubilarin liest täglich ihre Zeitung und ist am Zeitgeschehen sehr interessiert. Sie lebt eingebunden in ihre Familie, sagt aber, sie vermisse ein bisschen das offene Miteinander, das im Dorf früher geherrscht habe. „Da hat man sich abends mit den Nachbarn zusammengesetzt, hat die Nachbarin spontan auf einen Kaffee eingeladen“, erinnert sie sich gerne. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist immer noch das Canasta-Spielen, von dem sie nicht genug bekommen kann.

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