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    STRULLENDORF

    Herbergsirrtum auf der Leinwand

    Es war die Weihnachtsgeschichte 2015: Ein hungriges Touristenpaar kehrte statt im Lokal in einem Flüchtlingsheim in Zapfendorf (Lkr. Bamberg) ein. Nun gibt's das Ganze als Film.
    Szene aus dem Kurzfilm „Schäuferla & Ayran“ mit den Kabarettisten Annette Grabinger und Mäc Härder als Wandererpaar. Foto: Produktionsfirma

    Es war eine Herbergssuche, es war herzergreifend, es war komisch – es war die Weihnachtsgeschichte des Jahres 2015: Ein vom Kanufahren erschöpftes Paar strandet beim Frankenurlaub in der Asylbewerberunterkunft Zapfendorf (Oberfranken), hält diese für ein Wirtshaus und wird von gastfreundlichen Flüchtlingen zuvorkommend bewirtet. Statt fränkischem Schäuferla gibt's syrisches Brot, Salat und Marmelade. Als die schwäbischen Kanuwanderer bezahlen wollen, fliegt der Irrtum auf.

    Zwei Kurzfilme sind entstanden, einer feiert am Sonntag Kino-Premiere.

    Nachdem die Geschichte im Dezember 2015 veröffentlicht wurde, machte das Thema bundesweit Schlagzeilen und wurde sogar in Österreich und Italien aufgegriffen. Heute gibt es zwei Filme darüber. Einen vollendete ein Münchner Filmteam rund um Regisseurin Ysabel Fantou und Kamerafrau Sanne Kurz vor einem Jahr: „Die Herberge“ war bereits auf Kurzfilmfestivals von Südkorea über Indien bis in die USA zu sehen und wird kommende Woche erstmals in der Kurzfilmnacht des Bayerischen Fernsehens im Free-TV gezeigt.

    Der regional produzierte Kurzfilm „Schäuferla & Ayran“ ist gerade fertig geworden und hat am Sonntag Kino-Premiere. Im Bamberger „Lichtspiel“ wird das Projekt von Ronja Hemm aus Strullendorf (Kreis Bamberg) gezeigt. Die 25-Jährige dreht seit Jahren amateurmäßig Filme und studiert in Mainz Zeitbasierte Medien. Sie hatte 2015 im „Fränkischen Tag“ gelesen, wie der junge Syrer Kawa Suliman und seine Freunde Bassam Elshia, Mohammad Ali und Ahmed Abdallal den verirrten Wanderern auftischten, was sie in der Flüchtlingsunterkunft zusammentragen konnten. „Die Geschichte ist zu schön, um nicht verfilmt zu werden“, fand sie damals.

    Im Film wird Farsi und Fränkisch gesprochen.

    Die Vorbereitung des Projektes nahm einige Zeit in Anspruch, aber sie schaffte es, die Kabarettisten Annette Grabinger und Mäc Härder für ihre Idee zu gewinnen. Die beiden spielen das Wandererpaar.

    „Der Film entstand ohne Budget. Alle Beteiligten haben ehrenamtlich mitgemacht“, erklärt Hemm. Auch der Wirt des Roßdorfer Felsenkellers überließ den Filmemachern die Räumlichkeiten für den Dreh kostenlos. Und weil ihre Eltern sich seit Jahren im Helferkreis für Flüchtlinge in Strullendorf engagieren, waren auch die Rollen der Asylbewerber schnell besetzt: „Zu den afghanischen Flüchtlingen Shafi Baragazi, Hayatullah Dalletzai und Ali Resa Ibrahimi besteht seit Jahren enger Kontakt“, erklärt Michael Hemm, Vater der Filmemacherin. Im Film wird Farsi und Fränkisch gesprochen.

    „Die schönsten Geschichten schreibt das Leben.“

    Ronja Hemm, Produzentin „Schäuferla & Ayran“

    Alle haben sich spontan bereit erklärt, mitzuwirken. Auch der Strullendorfer Bürgermeister Wolfgang Desel und seine Partnerin Uli John haben einen kleinen Auftritt.

    Ronja Hemm, aber auch den Unterstützern geht es um das Thema Gastfreundschaft. „Das Thema hat viel mehr als reine Komik zu bieten, wenn man sich fragt, was Gastfreundschaft bedeutet“, sagt Hemm. Die schönsten Geschichten schreibt eben das Leben, findet sie. Deshalb sei von allem ein bisschen dabei: „Der Film ist lustig, skurril und macht nachdenklich. Jeder nimmt etwas anderes mit.“

    Was aus Kawa Suliman wurde, dem jungen Syrer, der in der wahren Geschichte der Kellner war? Er lebt inzwischen als anerkannter Flüchtling in Hamburg.

     

    Von unserer Mitarbeiterin Natalie Schalk

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