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    Bischofsheim

    Hirse in Bischofsheim: Landwirte gehen neue Wege

    Christoph (links) und Klaus Schneider begutachten ihre Hirsepflanzen. Erstmals experimentieren die beiden Landwirte aus Bischofsheim in diesem Jahr mit einer Kultur, die in der Region bisher kaum verbreitet ist. Foto: Peter Schmieder

    Es ist ein ungewohnter Anblick. Zu Beginn sahen die Pflanzen aus wie Mais, doch als die Blätter begannen, sich zu öffnen, wurde deutlich, dass da etwas anderes wächst. Oft wurde Klaus Schneider aus Bischofsheim auf die Pflanzen angesprochen, die da auf seinen Feldern wachsen. "Was ist das denn?" oder "Was habt ihr denn da für einen komischen Mais", haben ihn Leute gefragt. Nicht nur Fachfremde mit wenig Ahnung von den Pflanzen, die auf unterfränkischen Äckern stehen, sondern auch andere Landwirte. Denn in diesem Jahr experimentierten er und seine Familie erstmals mit Hirse. Damit sind sie die ersten im Landkreis Haßberge.

    Ein Saatgutvertreter hatte die Familie Schneider im November auf die Idee gebracht, es einmal mit der Hirse zu probieren. "Und wir haben gleich gesagt: Der Versuch wird gemacht", erzählt Klaus Schneiders Sohn Christoph. Klaus Schneider selbst hatte schon etwas früher von der Möglichkeit gehört, der Vertreter war schließlich der Auslöser, es zu versuchen. In Österreich gebe es bereits mehr Hirseanbau. Dass nun langsam auch deutsche Bauern auf die Pflanze aufmerksam werden, ist auch den Folgen des Klimawandels geschuldet. Dabei handelt es sich um eine Art "Wiederentdeckung", denn bevor sie durch die Einfuhr von Mais und Kartoffeln verdrängt wurde, war Hirse auch in Europa durchaus verbreitet.

    Eine Alternative zum Mais

    "Wir waren auf der Suche nach einer Alternative zum Mais als Futterpflanze", sagt Klaus Schneider. Dabei betonen Klaus und Christoph Schneider einige Vorteile, die die Hirse bietet. Unter anderem wäre da, dass sie besser mit Trockenheit klarkommt. Dass ein Klimawandel stattfindet, sei spürbar, berichtet Christoph Schneider. "Also müssen wir Kulturen finden, die da mitgehen." Gerade der Mangel an Wasser sei in den immer heißeren und trockeneren Sommern ein Problem. Hirse kommt aus Trockenregionen und kommt mit weniger Wasser als andere Pflanzen.

    Doch das ist nicht der einzige Vorteil: Bisher gibt es kaum Schädlinge, die die Hirse angreifen, so dass der Aufwand für den Pflanzenschutz recht gering ist. Lediglich ein paar Blattläuse haben die Schneiders bisher an den Pflanzen gefunden, doch auch die halten sich in Grenzen. Weiter berichtet Klaus Schneider: "Wir haben jetzt bei schönem Wetter festgestellt, dass die Hirse ein hervorragender Pollenspender ist. Die Bienen sind sehr aktiv." Damit werde auch etwas für die Insekten getan, in einer Zeit des Jahres, in der andere landwirtschaftliche Flächen bereits weitgehend abgeerntet sind.

    Am besten nach den Eisheiligen

    Die Hirse wird im Mai ausgesät, "am besten nach den Eisheiligen, denn sie verträgt keinen Frost", berichtet Christoph Schneider. Die Ernte ist dann im September oder Oktober - die Insekten werden also noch einige Zeit etwas davon haben. "Nachdem in Bayern 1,7 Millionen Menschen wissen, was gut für die Landwirtschaft ist, haben wir etwas gesucht, das gut für die Bienen ist", kommentiert Christoph Schneider etwas sarkastisch das Volksbegehren Artenvielfalt. "Wir versuchen, das mit Leben zu erfüllen, auch ohne Volksbegehren."

    Gut für Insekten: Diese Biene ist voll bepackt mit Pollen, die sie an der Hirse auf dem Feld der Familie Schneider gesammelt hat. Foto: Christoph Schneider

    Das Volksbegehren, das auch unter dem Namen "Rettet die Bienen" bekannt geworden ist, stieß bei einigen Landwirten auf Unbehagen. So äußert sich auch Klaus Merkel, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, sehr kritisch dazu. "Es ging gegen eine Minderheit. Und dabei wurde mit falschen Behauptungen argumentiert", sagt der Landwirt, der mit seiner Familie auf dem Gut Mariaburghausen einen reinen Ackerbaubetrieb bewirtschaftet. So berichtet Merkel, der Bestand der Honigbiene sei nicht ab, sondern zunehmend. So sei hier gegen eine Berufsgruppe Stimmung gemacht worden. "Das ist die hässliche Seite der Demokratie, wenn man gezielt die Schuld bei einer Minderheit sucht", sagt er.

    Dass Bauern nun neben Gewässern einen Fünf-Meter-Streifen stehen lassen müssen, den sie nicht bewirtschaften können, sieht Merkel als eine "entschädigungslose Enteignung", die einige Bauern einen erheblichen Teil ihrer Fläche kostet. Für ein Problem sorgt dabei aus seiner Sicht auch das EU-Recht. Denn dieses verbietet Ausgleichszahlungen für Dinge, die ohnehin verboten sind. Die Folge: So lange Landwirte selbst entscheiden konnten, ob sie Blühstreifen stehen lassen oder nicht, konnte die Politik Anreize schaffen und denen, die sich für Blühstreifen entschieden, einen Ausgleich zahlen. Da es durch das Volksbegehren nun aber Gesetz ist, dass Bauern diese Streifen stehenlassen müssen, darf der Staat sie dafür nicht mehr entschädigen. "Das EU-Recht hindert die Bayerische Staatsregierung daran, einen Ausgleich zu zahlen", sagt Merkel. Das bezeichnet er als "für die Landwirte sehr frustrierend".

    Neue Lebensräume für Tiere

    Trotz oder gerade wegen ihrer Unzufriedenheit über das Volksbegehren wollen einige Bauern ein Zeichen setzen, dass sie sich sehr wohl dafür einsetzen, Lebensraum für Insekten und andere Tiere zu schaffen. "Es ist auch ein positiver Beitrag zur Biodiversität", sagt Klaus Schneider über seinen Hirseanbau. "Es ist eine neue Frucht, die einen neuen Lebensraum mit sich bringt." Nicht nur Insekten gehören zu den Tieren, die davon profitieren: "Im Herbst ist es eine Futterquelle für Vögel", sagt Christoph Schneider.

    Wer mit Hirse als Futter dagegen nicht viel anfangen kann, sind Wildschweine. Deren starkes Vorkommen in der Gegend ist auch ein Grund, warum der Anbau von Mais schwierig wäre, wogegen sie die Hirse weitgehend in Ruhe lassen. Auch für die Böden leiste die Hirse einen guten Beitrag. Einen weiteren Vorteil beschreibt Klaus Schneider: "Sie ist ein Süßgras, aber mit keiner unserer Kulturen verwandt." Daher gebe sie keine Krankheiten weiter, was auch gut sei, wenn später wieder Getreide angebaut wird.

    Kleine Versuchsfläche

    Soweit zumindest die Theorie, denn alles, was die Schneiders berichten, basiert auf Erfahrungen aus anderen Regionen. Nun wollen sie testen, ob sie auch in Franken mit der Hirse gute Erfolge erzielen können. Das probieren sie erst einmal auf einer kleinen Versuchsfläche aus. Nächstes Jahr könnte dann die Fläche, auf der sie Hirse anbauen, schon um einiges größer sein, wenn sich ein Erfolg zeigen sollte.

    Damit gehört die Familie Schneider zu den Vorreitern. Im Landkreis sind sie die ersten, die die Hirse für sich entdeckt haben, der nächste Landwirt, der damit experimentiert, hat seinen Hof in Wetzhausen im Landkreis Schweinfurt. Dabei betonen Vater und Sohn allerdings auch, dass es in Deutschland für die Hirse keinen großen Markt gibt. Diese Pflanze sei eher etwas für Viehhalter, die auf diese Art ihr eigenes Futter produzieren wollen, als für reine Ackerbauern, die ihre Produkte verkaufen möchten. Für Biogasanlagen sei die Pflanze ungeeignet. So ist es auch bei Familie Schneider: Ihr Bauernhof ist auf die Ferkelerzeugung spezialisiert, und auch wenn die Wildschweine mit der Hirse nichts anfangen können, ist sie als Nahrung für Hausschweine recht gut geeignet.

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