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    HOFHEIM

    Hofheim: Stefanie Christoffel liest schon seit 101 Jahren ohne Brille

    Landrat Wilhelm Schneider (links) und Hofheims Zweiter Bürgermeister Reinhold Giebfried (rechts) gratulierten am Sonntag Stefanie Christoffel zum 101. Geburtstag. Foto: Martin Schweiger

    Ein nicht alltägliches Jubiläum konnte Stefanie Christoffel am Sonntag im Altenservicezentrum in Hofheim begehen, wo sie ihren 101. Geburtstag feierte. Geboren wurde die Jubilarin 1918 in Würzburg. Dort ging sie auch zur Volksschule und zur Berufsschule, bis sie in der Essig- und Likörfabrik Stein in der Neubaustraße einen kaufmännischen Beruf erlernte. Im Anschluss daran besuchte sie bei der Firma König & Bauer einen Zeichenkurs und arbeitete dort drei Jahre lang.

    Da Mutter Liesel am alten Bahnhof in Würzburg einen Zeitungskiosk betrieb, half sie hier mit. Vater Eduard verkaufte Zeitungen im Würzburger Krankenhaus. Im März 1945 veränderte sich die Welt der Familie Christoffel schlagartig, als sie bei dem Bombenangriff auf Würzburg ihr gesamtes Hab und Gut verlor. Bei Landwirten in Randersacker fand die Familie für einige Zeit Unterschlupf, musste zu fünft in zwei Betten schlafen. Außerdem verlor sie auf der Flucht ihre Tasche mit ihrem ganzen Vermögen.

    Da die Familie mütterlicherseits ihre Wurzeln in Königsberg hatte, zog es Familie Christoffel nach dem Krieg dorthin und wagte den Neuanfang mit einem Zeitungs- und Schreibwarengeschäft, das zuerst am Marktplatz angesiedelt war. Nach einigen Umzügen fand man die endgültige Bleibe in der Eduard-Lingel-Straße, wo der Schreibwarenladen Christoffel zu einer Königsberger Institution wurde. Wenn in dieser Hinsicht etwas benötigt wurde, hieß es: „Dann gehen wir halt zur Stefanie.“ 40 Jahre lang, bis 1986, betrieb das Geburtstagskind seinen Laden, bevor er an einen Nachfolger übergeben wurde. Stefanie verkaufte aber nicht nur Büroartikel und Zeitungen. Sie turnte in ihrer Freizeit im Turnverein und war auch Mitglied im Königsberger Gesangsverein und in der Theatergruppe. Sie versorgte ihre Eltern, die beide ein hohes Alter erreichten. Ihre Mutter wurde 88 Jahre alt, der Vater verstarb ein halbes Jahr vor seinem 100. Geburtstag.

    Von ihrer Mutter hat Stefanie das Hobby übernommen, Gedichte zu verfassen. Bis zu ihrem 95. Lebensjahr lebte die Jubilarin in ihrem Haus in Königsberg, bevor sie in das Altenservicezentrum nach Hofheim übersiedelte. Auch heute noch liest sie ohne Brille und ist geistig rege. Sie hatte drei Schwestern, die bereits alle gestorben sind. Die Jubilarin war in ihrem Leben niemals verheiratet und hat keine leiblichen Nachkommen. Ihre Cousine Dorothea Freese überbrachte ihre Glückwünsche, wie auch Landrat Wilhelm Schneider und Hofheimes Zweiter Bürgermeister Reinhold Giebfried.

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