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    HOFHEIM

    Hofheim: Warum der Wald wie ein Hund leidet

    Im gesamten Stadtwald entstehen durch Käferbefall kleinere und größere Kahlstellen, die zeitnah durch Ergänzungspflanzungen in Wuchsschutzhüllen ausgefüllt werden müssen. Foto: Ulrich Kind

    Zusammen mit Forstoberrat Jürgen Hahn vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AfELF) in Schweinfurt führte Revierförster Bernhard Streck am Mittwoch die Mitglieder des Waldausschusses und des Hofheimer Stadtrates mit Bürgermeister Wolfgang Borst und den Vertretern der Forstbetriebsgemeinschaft sowie den Jagdpächtern durch den Wald.

    An zwei ausgesuchten Besichtigungspunkten im Wald informierten die Forstleute über den derzeitigen Zustand des Stadtwaldes, wie schon im Vorjahr unter der Überschrift „Die Trockenheit und ihre Folgen“.

    In der Goßmannsdorfer Waldabteilung „Vockengraben“ soll in einem 32 Hektar großen, bis zu 200 Jahre alten Eichenbestand eine Altdurchforstung mit einem Holzanfall von rund 600 Festmetern erfolgen. Vom Einschlag entfallen voraussichtlich 50 Prozent auf Stammholz (Eiche, Linde und Kiefer). Der 40-Prozent-Anteil von Brennholz lang (Eiche, Hainbuche) und das Selbstwerberbrennholz (zehn Prozent) wird über die VG Hofheim verkauft. Das Stammholz wird über die Forstbetriebsgemeinschaft vermarktet. Im Zuge des Holzeinschlages „Vockengraben“ soll gleichzeitig zum geplanten Waldwegeausbau ein Ringschluss zwischen dem Hochbehälterweg und dem Schimmelkreuzweg mit einer Länge von 120 Metern hergestellt werden. Mit der Sanierung des Schimmelkreuzweges sowie eines teilausgebauten Wegabschnittes von Manau kommend und der neuen Verbindungsstraße wird mit Kosten in Höhe bis zu 15 000 Euro gerechnet.

    Es gibt Fördergelder

    Über das 2019 angelaufene Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) für den Vockengraben sind über 200 Biotopbäume (sechs Bäume pro Hektar) und rund 20 stehende und liegende Tothölzer (0,6 pro Hektar) mit insgesamt 20 000 Euro Fördergeld angemeldet. Für das Jahr 2020 wird ein weiterer VNP-Förderantrag gestellt. Für den Naturschutz in dieser Waldabteilung werden insgesamt 30 000 Euro vom Freistaat gezahlt. Ein Teil davon könne so für den Wegebau investiert werden.

    Ein Sorgenkind der beiden Forstleute seien die in den vergangenen beiden Jahren zunehmenden massiven witterungsbedingten Trockenschäden und der Borkenkäferbefall. Davon konnten sich die Ausschussmitglieder vor Ort überzeugen. Selbst die bisher als robust bekannten stärkeren Eichen, Rotbuchen, Linden, Hainbuchen und Kiefern haben bei ungünstigen Standorten bei der Wasserversorgung – wie am Steilhang – bei der Hitze und anhaltender Trockenheit ihre Treffer abbekommen und werden längerfristig ausfallen, stellte Jürgen Hahn fest.

    Die Wurzeln haben Schwierigkeiten, den dichten Keuperlehmboden zu durchdringen. Genügend Naturverjüngung bei den Laubbaumarten sei vorhanden, die wird allerdings stark vom Reh verbissen. Wie Streck und Hahn erklärten, entstehen so im gesamten Stadtwald kleinere und größere Kahlstellen, die zeitnah durch Ergänzungspflanzungen ausgefüllt werden müssen.

    Ziel müsse es längerfristig sein, klimatolerantere Mischbestände zu schaffen. Wildschutzzäune sind unwirtschaftlich, stellten die Forstfachleute fest. Wuchsschutzhüllen seien zielführender, die Kleinflächen auch mit Edellaubhölzern (Elsbeere, Kirsche, Nussbaum, Speierling, Esskastanie) aufzuforsten, bevor Brombeere, Holunder und andere Straucharten sich ansiedeln. Hier seien auch die Jagdpächter gefordert, um nicht nur mit Schwerpunktbejagung, sondern flächenübergreifend im ganzen Stadtwald tätig zu werden.

    Schwammspinner ist ein Problem

    Der Schwammspinner war in der Waldabteilung „Struet“ bei Rügheim Thema. Nach einem massiven Befall von Eichen 2017 wurde 2018 auf zehn Hektar mit dem Hubschrauber mit Chemie bekämpft. Künftig könne dies nur, so die gesetzlichen Vorgaben, durch Monitoring-Nachweis einer Pheromonprognose erfolgen, klärte Hahn auf. In der dort aufgestellten Pheromonfalle fanden sich im Juli und August 2019 über 7200 männliche Falter des Schwammspinners. Die Warnschwelle liegt bei 2000 Faltern, deshalb muss man für das kommende Jahr wieder mit starken Raupenfraß in dieser Waldabteilung rechnen, so die Befürchtung der Forstleute. Letztlich können in den kommenden Monaten genaue Informationen nur bei der Stichprobe nach Eigelegen ergeben.

    Bei der jüngsten Hitze und anhaltender Trockenheit hat die Natur ihre Treffer abbekommen. Foto: Ulrich Kind

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