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    Hofheim

    Hofheim: Wie der Zufall bei der Mitarbeitersuche hilft

    Lagebesprechung bei der Firma Haga in Hofheim: Montageleiter Guido Laubender, Werkstattmeister Michael Ebner und Geschäftsführer Mario Häpp (von links) bereitet der Fachkräftemangel Sorgen. Foto: Jochen Reitwiesner

    Eigentlich hat Mario Häpp, Technischer Geschäftsführer der Firma Haga Metallbau aus Hofheim, keinen Grund zur Klage. Die Auftragsbücher sind voll. Und doch hat er bisweilen ein Problem. Er hat nicht genug Leute, obwohl knapp 300 Menschen für das Unternehmen arbeiten.

    Das Schlagwort „Fachkräftemangel“ trifft nicht alleine seine Branche, sondern ist allgegenwärtig. Bei Haga ist es „in der Montage ganz extrem“, berichtet Häpp. Aufgefangen wird das durch Subunternehmen, die bei Bedarf einspringen. Deren Anteil ist in der letzten Zeit massiv gestiegen. Vor ein paar Jahren waren es 30 bis 40 Prozent der Montagearbeiten, die von externen Firmen ausgeführt wurden. Heute, sagt Häpp, könnte er die doppelte Anzahl an Monteuren beschäftigen, die fest in seinem Unternehmen angestellt sind. Und das sind aktuell immerhin rund 70.

    Hochkonjunktur im Baugewerbe hält an

    Es sei wahnsinnig schwer, neue Mitarbeiter zu finden. „Wir haben absolute Hochkonjunktur im Baugewerbe“, sagt Häpp. Die Konkurrenz sei groß, und „die Kapazitäten am Markt sind abgegriffen“. Besonders im Bereich der Montage. „Früher wollten die jungen Leute möglichst weit weg“, erinnert er sich. Bei Haga sei das möglich gewesen, das Unternehmen ist nicht nur deutschlandweit tätig, sondern auch im europäischen Ausland. „Aber heute zieht es keinen mehr in die Ferne“, hat er beobachtet.

    Das Personalproblem trifft aber nicht nur auf die auswärtigen Arbeitsorte zu, sondern auch die Produktion vor Ort. Da stehe ein Unternehmen wie das in Hofheim in großer Konkurrenz, vor allem mit den großen Industriebetrieben in der Nähe. Er gibt zu, dass es für viele Arbeitnehmer aus finanzieller Sicht lukrativer ist, beispielsweise im Drei-Schicht-Betrieb in der Schweinfurter Großindustrie seinen Lebensunterhalt zu verdienen: „Wir sind zu vielem bereit, aber da können wir einfach nicht mithalten.“  Die Löhne in der hart umkämpften Baubranche seien einfach auf einem anderen Niveau, allerdings lasse sich das - beispielsweise in der Montage durch Auslöse oder andere Zuschläge – teilweise ausgleichen.

    Auf den zweiten Blick lohne sich aber ein Blick hinter die Kulissen des Unternehmens. „In der Industrie ist die Karriereleiter oft schnell zu Ende“, sagt Häpp. Und wirbt gleichzeitig für die Möglichkeiten, die es beispielsweise in seinem Unternehmen gebe: „Unser größtes Pfund sind die Entwicklungsmöglichkeiten. Wir versuchen, die Leute zu motivieren, auf Weiterbildung zu gehen“.  Und sie dann natürlich auch möglichst lange zu halten, auch wenn es vielleicht um die Auftragslage mal nicht so ideal bestellt ist. Das Stichwort Wertschätzung spiele bei kleineren Firmen eine größere Rolle. „Wir haben erkannt, dass die Mitarbeiter das Wichtigste sind.“

    Verstärkung wird überall gebraucht

    Aber die zu finden,  gestalte sich mitunter schwierig, Haga beispielsweis könne in nahezu jeder Abteilung Verstärkung brauchen. Auch und gerade mittel- und langfristig, denkt Häpp an die Altersstruktur seiner Belegschaft.  Möglichkeiten gebe es mehr als genug. So seien beispielsweise schon Arbeiter von Subunternehmen fest nach Hofheim gewandert, vielversprechende Quereinsteiger „bekommen jederzeit eine Chance“.

    Manchmal helfen auch Mund-zu-Mund-Propaganda oder - seltener - der pure Zufall. Das könne sich aber auch zum Glücksfall entwickeln, weiß der Geschäftsführer. Er hat gleich ein aktuelles Beispiel parat. Vor wenigen Tagen sprach sich in der Branche herum, dass ein mittelständisches Unternehmen aus der Region mit mehreren Dutzend Mitarbeitern alsbald seine Pforten für immer schließen wird.  Betroffen von der Schließung werde auch eine junge Frau aus dem Landkreis Haßberge sein, die wenige Monate vor dem Abschluss ihrer Ausbildung ohne Job dastehen würde. Doch ihr Problem hat sich innerhalb kürzester Zeit gelöst. Auf privaten Umwegen kam der Kontakt zu Haga zustande, und dann ging es ganz schnell, erzählt Häpp. Ein Telefonat, ein Vorstellungsgespräch, schnell war Einigung erzielt. Die junge Frau wechselt den Betrieb, fängt in wenigen Tagen in Hofheim an und schließt dort ihre Ausbildung ab – mit der Aussicht, auch darüber hinaus bei Haga  arbeiten zu können. „Das war natürlich eine Win-Win-Situation für beide“, freut sich Mario Häpp, der aus seiner Sicht nichts dagegen hätte, wenn ihm solche Zufälle auch in Zukunft den einen oder anderen neuen Mitarbeiter bescheren: „Wenn jemand um die Ecke kommt, der in unsere Unternehmensstruktur passt, schlagen wir sofort zu“.

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