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    Hofheimer Wald: „Ohne Naturverjüngung klappt es nicht“

    Im September war ein Teil des Hofheimer Stadtrates im Wald unterwegs, um sich über die aktuelle Lage zu informieren. Im Waldausschuss lagen nun die dazugehörigen Zahlen vor.
    Im September war ein Teil des Hofheimer Stadtrates im Wald unterwegs, um sich über die aktuelle Lage zu informieren. Im Waldausschuss lagen nun die dazugehörigen Zahlen vor. Foto: Ulrich Kind

    Die Miene von Revierförster Bernhard Streck war in den Waldausschusssitzungen der Vorjahre schon heller, die Zahlen besser. Sturmwürfe, Trockenheit und die rasante Ausbreitung von Schädlingen, wie Borkenkäfer und Schwammspinner haben dem Stadtwald auch in diesem Jahr zugesetzt.

    Dennoch war Streck nicht völlig unzufrieden. „Wir sind noch gut davongekommen“, kommentierte er in der Waldausschusssitzung am Mittwoch im Bürgerzentrum die Zahlen der Waldwirtschaft.

    So überstiegen die Einnahmen mit über 242 000 Euro deutlich die Erwartung von 209 000 Euro. Obwohl die Ausgaben mit über 207 000 Euro ebenfalls deutlich höher ausfielen als prognostiziert, verbleibt unter dem Strich ein Überschuss von rund 35 000 Euro.

    Maßgeblichen Anteil an den höheren Einnahmen hatte der Brennholzverkauf, der um rund 12 000 Euro höher ausfiel als erwartet. Der größte Posten auf der Ausgabenseite sind mit rund 126 000 Euro die Kosten für Holzrücken und -aufarbeiten durch Dienstleistungsunternehmen, die rund 50 000 Euro höher ausfielen als erwartet.

    Der Käfer macht Probleme

    Diese seien jedoch nötig gewesen, um „dem Käfer Herr zu werden“, sagte Streck. Es sei eine logistische Herausforderung gewesen, da das Käferholz „zeitnah“ aus dem Wald geholt werden musste. 4416 Festmeter Holz wurden insgesamt eingeschlagen, fast 1400 mehr als im Vorjahr. Mit 1100 Festmetern Brennholz lang wurde fast doppelt so viel eingeschlagen und komplett verkauft, so Streck. 2381 Festmeter Stammholz, 16 Festmeter Wertholz, 369 Festmeter Brennholz und 550 Festmeter Hackschnitzel wurden geerntet.

    1,7 Hektar Wald wurden wiederaufgeforstet mit Laubhölzern, die dem Klimawandel standhalten sollen. Jugendpflege und Läuterung wurde auf 7,2 Hektar betrieben. Dabei fielen 52 Festmeter verwertbares Holz für Selbstwerber an. Auf 2,9 Hektar wurde Schlagpflege betrieben.

    Im Forstwirtschaftsjahr 2020 ist ein Gesamtholzeinschlag von nur noch 2175 Festmetern geplant. Darunter fallen 25 Festmeter auf Wertholz, 1400 Festmeter auf Stammholz, 350 Festmeter auf Industrieholz lang, 250 Festmeter auf Brennholz und 150 Festmeter auf Hackschnitzel.

    Bürgermeister Wolfgang Borst sagte, dass die Käferproblematik im kommenden Jahr geringer sei, da kaum noch von Käfer befallene Fichten im Wald stünden. Brennholz sei auch 2020 genug vorhanden.

    Für 2020 erwartet Streck ein negatives Betriebsergebnis von rund minus 29 000 Euro. Streck betonte, dass schon heute ein hoher Anteil an klimatoleranten Baumarten – wie zum Beispiel Eichen, Elsbeeren oder Ahorn – im Stadtwald vorhanden sei und keine großflächigen Ausfälle durch Käfer oder Windwurf mehr zu befürchten seien.

    Privatleute müssen oft büßen

    Borst sagte, dass viele private Waldbesitzer derzeit finanziell drauf legen und mit der Situation überfordert seien. Der Kauf dieser privaten Waldflächen durch die Stadt sei eine Investition zur Stabilisierung des gesamten Waldes und zum Erhalt dessen „Ökoleistung“.

    Ohne gleichzeitige Naturverjüngung könne der Wald jedoch nicht erhalten werden. Die Jäger müssten durch erhöhte Abschussquoten dafür sorgen, dass der Wildverbiss gemindert wird. Dies sei auch im Eigeninteresse der Jäger. Die Verbissquote im Stadtwald sei seit Jahren im dunkelroten Bereich. In Oberbayern oder in Staatswäldern sei die Verbissquote beispielsweise wesentlich niedriger.

    Forstoberrat Jürgen Hahn verwies darauf, dass es in den vergangenen Jahren eine starke „Eichelmast“ gegeben habe. Diese Jungbäume seien gerade am Aufwachsen und müssten zu einer tragenden Säule im Wald werden.

    Deshalb müssten die Jäger auch einmal im Wald jagen, auch wenn es unattraktiver sei, als auf dem freien Feld zu jagen.

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    Von Martin Schweiger

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