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    HAßFURT

    „Ich erschlag dich, du blöder Hund“

    Dass es zwischen Vater und Sohn Ärger und Verdruss gibt, ist gar nicht so selten. Aber dass ein solcher Familienzwist zu einem strafrechtlichen Nachspiel führt, fällt doch etwas aus dem Rahmen. Ein 51-Jähriger saß auf der Anklagebank des Haßfurter Amtsgerichts, weil sein 74-jähriger Vater sich von ihm bedroht und beleidigt fühlte und ihn deshalb angezeigt hatte. Der arbeitslose und alkoholkranke Angeklagte kassierte eine rechtskräftige Geldstrafe von 250 Euro.

    Die Tat ereignete sich bereits am 11. Juni 2015 gegen halb neun Uhr vormittags. Der Beschuldigte war damals völlig abgebrannt, schlief des Öfteren wie ein Obdachloser im Freien und wollte sich frische Kleidung aus seinem Elternhaus holen. Als er daheim aufkreuzte, war er wieder mal völlig blau. In diesem Zustand, bestätigte seine als Zeugin geladene Mutter, kommt es regelmäßig zu üblen Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn.

    Der Arbeitslose bestritt nicht, dass er damals verbal ausrastete. Aber der rüde Umgangston mit seinem Senior, meinte er, sei an der Tagesordnung, eigentlich „ganz normal“. Bei Delikten wie Bedrohung, Beleidigung oder Verleumdung sprechen die Juristen von sogenannten Antragsdelikten. Darunter versteht man eine Straftat, der grundsätzlich nur auf Antrag des Verletzten oder Betroffenen von den Strafverfolgungsbehörden nachgegangen wird.

    Dass die beiden erwachsenen Männer alles andere als vernünftig oder gar rücksichtsvoll miteinander umgehen, war im Gerichtssaal unschwer zu erkennen. Immer wieder giftete einer den andern an, ganz offensichtlich ist hier aus gegenseitigem Wut und Zorn schon ein richtiger Hass erwachsen. Pflichtverteidiger Alexander Wessel erklärte, dass sein Mandant erst am Vortag aus der Haft entlassen worden sei. Im Zuge einer „Ersatzfreiheitsstrafe“ musste er 16 Tage in der Justizvollzugsanstalt in Nürnberg absitzen, weil er eine Geldstrafe wegen Schwarzfahrens im Zug nicht bezahlt hatte. „Er saß in meiner Kanzlei wie ein Häufchen Elend“, beschrieb der Rechtsanwalt die Verfassung des Hartz-IV-Empfängers.

    Immerhin beteuerte der vom langjährigen Alkoholmissbrauch auch äußerlich gekennzeichnete Mann, dass er baldmöglichst eine Langzeittherapie absolvieren wolle. Er legte eine Bescheinigung der Caritas vor, aus der hervorgeht, dass er in der Drogenberatung war und eine Selbsthilfegruppe besucht. „Ich warte nur noch auf die Kostenzusage und auf einen Therapieplatz“, betonte der Alkoholkranke. Ein zweiter Anklagepunkt wegen Körperverletzung an den Vater wurde fallengelassen, weil die Beweisaufnahme ergab, dass der Rentner praktisch nichts abgekriegt hatte.

    Übrig blieb die zugegebene Beleidigung in Strafeinheit mit Bedrohung. Während Ilker Özalp als Vertreter der Anklage auf 30 Tagessätze á zehn Euro plädierte, hielt der Verteidiger 20 Tagessätze für ausreichend. Die Vorsitzende Ilona Conver entschied sich für die goldene Mitte. Um zu vermeiden, dass der Verurteilte als „Ersatz“ doch wieder hinter Gitter muss, billigte sie ihm eine großzügige Abzahlung der Geldstrafe in Form von monatlichen Raten von je 25 Euro zu.

    Aus dem Amtsgericht Haßfurt von Manfred WAGNER

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