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    SAND

    Im Champagnergalopp in die Nacht hinein

    Perfekter geht's kaum: Sommerwetter vom Feinsten, leckere Häppchen, tolle Weine und Musik, wie sie mitreißender nicht hätte sein können. Es war ein absolut gelungener Auftakt, mit dem das Blasorchester Sand am Main (BOS) das neue Konzertformat „KlangART“ startete.

    Der lauschige Dorfplatz und die zu später Stunde festlich illuminierte Pfarrkirche St. Nikolaus im Hintergrund der Bühne boten dem Ereignis eine stimmungsvolle Kulisse. Gitarrenklänge und Gesang von Lina Schramm aus Knetzgau, dazu ein Glas spritziger Begrüßungssekt, stimmten die Gäste auf das Konzert ein. Unter großem Applaus eröffneten die Nachwuchsmusiker des Jugendblasorchesters Sand den Abend auf der Bühne. Mit flotten Polkas bewiesen sie unter Leitung von Thomas Nees, dass sie ihre bronzenen Leistungsabzeichen verdient haben. Die folgenden Darbietungen der „Großen“ waren sicherlich für manch einen jungen Musikanten Anreiz, möglichst bald auch das silberne Abzeichen, und damit die Eintrittskarte zum BOS, zu erringen.

    Nicht Blasmusik in Tracht, sondern symphonische Blasmusik in schwarz-weißem Outfit und roten Fliegen präsentierte das rund 50-köpfige BOS mit seinem Dirigenten Thomas Nees. Der hatte mit bekannten Klassikern ein abwechslungsreiches und anspruchsvolles Programm zusammengestellt. Zu den einzelnen Stücken und ihren Komponisten gab es von Ann-Christin Wicht und Tobias Krines Wissenswertes zu hören. Galant und humorvoll führten die beiden Moderatoren durch den Abend. So ermunterten sie beim ersten Stück das Publikum, das BOS tänzerisch zu begleiten.

    Zum flotten „Höllen-Cancan“, dem Gassenhauer aus Jacques Offenbachs Operette „Orpheus in der Unterwelt“, traute sich allerdings niemand, die Beine in die Höhe zu werfen. Nicht weniger temperamentvoll der „Ungarische Tanz Nr. 5“ von Johannes Brahms, von Siegfried Rundel für symphonische Blasorchester bearbeitet. Die fantastische Klangfülle des großen Orchester bannte die Zuhörer und riss sie zu begeistertem Applaus hin.

    Vom Publikum umjubelt wurde auch Gaststar Sara Magenta Schneyer. Übersprudelnd verlieh sie als Rosina in der brillanten Arie „Una voce poco fa“ aus Rossinis Oper „Der Barbier von Sevilla“ ihrer Liebe zu Lindoro Ausdruck. Charmant und mit schauspielerischem Talent sang sich die aus Zeil stammende Sopranistin in die Herzen des Publikums. Mit schauspielerischem Talent amüsierte sie mit der „Annen Polka“, dem sogenannten „Schwipslied“. Natürlich trug in erster Linie ihre schöne, zugleich kraftvolle und sanfte Sopranstimme zur Begeisterung bei. Berührend sang Schneyer „Ich gehör nur mir“ aus dem Musical „Elisabeth“ und „Gabriellas Sang“ aus dem Film „Wie im Himmel“, zwei Lieder über Selbstbestimmung und Lebensglück.

    Dass sie auch in romantischen Tönen schwelgen können, bewiesen die Sander Musiker mit der „Elisabeth Serenade“. Schwungvoll ging es im Walzertakt an die schöne, blaue Donau. Und mit dem schmissigen „Radetzky-Marsch“ erklang eine weitere beliebte österreichische Volkshymne. Zum Glück sorgten nur die Schlagwerker mit einem weiteren Werk von Johann Strauß (Sohn) für Donner und Blitz auf der Bühne, bevor zum Champagner-Galopp des Dänen Hans Christian Lumbye der Sektkorken knallte – oder eher verhalten ploppte.

    Wem zur vorgerückten Stunde bei der leichten Frühlingsbrise fröstelte, wurde von den umsichtigen Organisatoren mit Decken versorgt. Die Musiker heizten derweil kräftig mit Khachaturians „Säbeltanz“ ein, bevor sie mit dem zwingenden Trommelrhythmus Ravels „Bolero“ fesselten.

    Zum Mitsingen lud das BOS schließlich bei der „Hymne an die Freundschaft“ ein. Das von Kurt Gäble komponierte Werk sei allen Freunden der Musik zur Bereicherung von Herz, Seele und Gemüt gewidmet. Mit diesem Abschlussstück ließ das begeisterte Publikum die Musikanten nicht von der Bühne gehen. Mit Standing Ovations und lauten Bravorufen forderten sie eine Zugabe. Mit dem Lied von Paul Lincke „Das ist die Berliner Luft“ dankte das BOS und wünschte gleichzeitig Sängerin Sara Magenta Schneyer, die in Berlin lebt, gute Heimreise.

    Die Premiere für das neue Konzertformat ist dem Sander Blasorchester bestens gelungen. Man darf gespannt sein, was darauf in Zukunft noch werden wird. Denn an einer Fortsetzung dürften nach solch einem Start keine Zweifel bestehen.

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