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    Haßfurt

    Junge Mediziner mit dem Band der Sympathie an die Region fesseln

    Ein Hausarzt misst in seiner Praxis einer Patientin den Blutdruck (Symbolbild). Im Rahmen des Famulatur-Projektes "Main Sommer 2019" können auch Studenten bei teilnehmenden niedergelassenen Ärzten bei Patienten einmal "ran an den Speck". Foto: Bernd Weissbrod/dpa

    Der Landkreis Haßberge führt in diesem Jahr sein außergewöhnliches Famulatur-Projekt unter dem Titel "Main Sommer 2019" fort. Insgesamt 14 Medizinstudenten können im Rahmen dieses Projektes vier Wochen gemeinsam im Landkreis als "Gesundheitsregion plus" verbringen und haben so die Möglichkeit, den Beruf des Hausarztes und die Tätigkeiten eines Klinikarztes kennenzulernen. Für die Hausarztfamulatur stehen zehn, für die Klinikfamulatur vier Plätze von Donnerstag, 29. August, bis Freitag, 27. September, zur Verfügung. In den beiden letzten Jahren, in denen das Programm bereits mit jeweils zehn Studenten veranstaltet worden war, fand das Angebot großen Anklang bei den Studierenden, wie Stephan Kolck, Vorstandsvorsitzender der Haßberg-Kliniken, im Gespräch mit dieser Redaktion erzählt.

    Bestandteil des Medizinstudums

    Die Famulatur ist ein Praktikum und Bestandteil des Medizinstudiums. Dabei sollen die Studierenden im klinischen Teil des Studiums im Rahmen von insgesamt vier Famulaturen praktische Erfahrungen mit der ärztlichen Patientenversorgung sammeln. Die verschiedenen Famulaturen sind jeweils in Einrichtungen der ambulanten und stationären Krankenversorgung zu leisten, so die Beschreibung des Landratsamtes.

    Das Projekt "Main Sommer 2019" bietet über eine normale Famulatur hinaus den Studenten viele Möglichkeiten. Hauptaugenmerk liegt auf der hausärztlichen Famulatur. Das bedeutet, die angehenden Ärztinnen und Ärzte sammeln tagsüber praktische Erfahrungen in den Praxen der teilnehmenden niedergelassenen Ärzte. Dabei dürfen sie - natürlich unter Anleitung und Aufsicht durch den Arzt - auch einmal "ran an den Speck" der Patienten. Zusätzlich wird ein Rahmenprogramm geboten, in dem Ärzte und Studenten auch mal abseits des Praxisalltags ins Gespräch kommen. Das ermöglicht den Medizinstudenten, sich ein verbessertes und realistischeres Bild vom Beruf des Hausarztes zu verschaffen.

    Studenten urteilen positiv

    Der Bayerische Hausärzteverband berichtet auf seiner Homepage auch über das Famulatur-Projekt des Landkreises Haßberge. Hier wird Annika Goy, eine Studentin der Humanmedizin in Würzburg, zitiert, die im Vorjahr an dem Projekt teilgenommen hatte. "Die Ärzte haben uns viele Dinge sehr gut erklärt. Ich nehme sehr viel praktische Erfahrungen mit. Und später möchte ich mich auf dem Land niederlassen." Damit wäre dann ein Ziel erreicht, das der Landkreis mit dem ganzen Aufwand verfolgt: die spätere Niederlassung von so manchem Teilnehmer am Famulatur-Projekt als Facharzt für Allgemeinmedizin im Kreis Haßberge.

    "Die Studierenden waren alle sehr begeistert", wird Dr. Christian Pfeiffer, Facharzt für Allgemeinmedizin und Bezirksvorsitzender Unterfranken des Bayerischen Hausärzteverbandes, auf dessen Homepage zitiert,"insbesondere von der Vielfalt, die die Allgemeinmedizin bietet. Die Studierenden haben auch mitgenommen", so Pfeiffer, "dass sich gerade als Hausärztin oder Hausarzt Familie und Beruf gut vereinbaren lassen." Gerade in diesem Rahmenprogramm können Themen besprochen werden, die in "normalen" Famulaturen nicht behandelt werden.

    Nähen an der Schweinekeule

    Die Ergänzung erfolgt am Haus Haßfurt der Haßberg-Kliniken. Vorträge, interaktive Fallbesprechungen anhand von Leitsymptomen, praktische Workshops zum Beispiel in Sonographie oder EKG. Praktisch wird's hingegen beim Nahtkurs. Aufgrund einer gewissen "Verwandtschaft" zum menschlichen Gewebe üben die Studenten das Nähen an einer Schweinekeule. Die Studierenden sind während der vier Wochen zentral in einer gemeinsamen Unterkunft untergebracht. So kann in den vier Wochen des Projektes ein Gemeinschaftsgefüge entstehen und jeder Einzelne von den Erfahrungen des anderen profitieren. Möglich ist auch ein Schnuppertag beim Kinder- und Jugendarzt. Als sinnvolles Beiwerk können die Studenten eine Art Vernetzung mit anderen Studierenden und ansässigen Medizinern aus Praxen und in der Klinik knüpfen.

    Landrat Wilhelm Schneider hat aber noch einen über dieses Famulatur-Projekt hinausgehenden Traum. Er hätte gerne, dass junge Mediziner auch ihr praktisches Jahr im Landkreis Haßberge absolvieren können, wie er im Rahmen eines Pressegespräches mitteilte: "Von dem Erfolg dieses Projektes motiviert, haben wir gemeinsam in der Arbeitsgruppe Gesundheitsversorgung ein Konzept entwickelt, wie wir künftig die medizinische Versorgung in unserem Landkreis fördern beziehungsweise sichern wollen. Daraufhin wurden entsprechend Kooperationen mit unseren beiden Gymnasien entwickelt, eine regelmäßig stattfindende Fortbildungsreihe für alle Ärzte unseres Landkreises initiiert und der Kontakt zu den Medizinstudenten aus unserem Landkreis intensiviert."

    "Ein besonderes Anliegen ist es, mit einer Akkreditierung der Haßberg-Kliniken auch das Praktische Jahr in der Region anbieten zu können."
    Wilhelm Schneider, Landrat

    "Ein besonderes Anliegen ist es dabei", so der Landrat weiter, "ein möglichst großes Netz an akademischen Lehrpraxen zu schaffen." Davon gebe es derzeit vier bis fünf im Landkreis.  Ein besonderes Anliegen ist es dem Landrat, dass der Kreis "mit einer Akkreditierung der Haßberg-Kliniken auch das Praktische Jahr  in der Region anbieten" könne. Damit soll es den aus der Region stammenden, aber auch allen anderen Medizinstudenten ermöglicht werden, zu jeder Zeit und für jeden Pflichtabschnitt ihres Studiums zurück in die Haßberge zu kommen. "Durch die intensive Zusammenarbeit mit den Netzwerkpartnern und unserer kommunalen Klinik konnten die angestrebten Ziele bereits zu einem guten Stück erreicht werden", so der Landrat.

    Nur geringe Chancen auf akademisches Lehrkrankenhaus

    Allerdings gestehen sowohl Landrat Schneider als auch Stephan Kolck ein, dass die Chancen, ein vollwertiges "akademisches Lehrkrankenhaus" zu werden, nur gering sind. "Dafür sind wir zu klein", so Vorstandsvorsitzender Kolck, der das Leopoldina-Krankenhaus Schweinfurt als typisches Beispiel für eine solche Einrichtung nennt. Allerdings könnte es möglich werden, zum Teil als Lehrkrankenhaus in einzelnen Disziplinen wie zum Beispiel der Akutgeriatrie anerkannt zu werden.

    Main Sommer 2019 - Famulatur in der Gesundheitsregion plus
    Zeitraum: Donnerstag, 29. August, bis Freitag, 27. September;
    Vorträge, interaktive Fallbesprechungen anhand von Leitsymptomen, praktische Workshops (zum Beispiel Sonographie, EKG- und Nahtkurs);
    Schnuppertag beim Kinder- und Jugendarzt;
    Attraktive Freizeitangebote (zum Beispiel Kletterwald, Wanderungen durch die Weinberge und vieles mehr;
    Vernetzung mit anderen Studierenden und ansässigen Medizinern aus Praxis und Klinik;
    Freiwillige Teilnahme am Notarzt-, Rettungs- und Bereitschaftsdienst;
    Kostenlose gemeinsame Unterkunft.

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