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    HASSFURT

    „Ein Grab im Weinberg, in Würzburg am Stein“

    Heidi Friedrich (rechts) und Birgit Süß (links) gastierten mit ihrem Programm „Inventur 2017 – Blabla Land“ in Haßfurt u... Foto: Ulrike Langer

    Im Schweinsgalopp durch das Jahr 2017: für die beiden singenden und tanzenden Kabarettistinnen Birgit Süß und Heidi Friedrich kein Problem. Sie sorgten in der Haßfurter Rathaushalle mit ihrem Programms „Inventur 2017 – Blabla Land“ für große Heiterkeit bei ihren Zuhörern. Denn Heidi Friedrich aus Bamberg und Birgit Süß aus Würzburg verpackten ihren Jahresrückblick mit viel Humor, teils auch mit schwarzem Humor und fränkisch-derber Liebenswürdigkeit. Nett sind die beiden anzusehen, die sich für jede Nummer passend kleiden.

    Aber nett sind sie nur zum Schein. Tief drinnen kocht es und so haben sie ihre Messer gewetzt, respektive Zungen gespitzt, um das Jahr 2017 Revue passieren zu lassen. Mit süffisanten Dialogen, bei denen sie sich ihre „Argumente“ wie Pingpong-Bälle zuwarfen, mit unschuldiger Miene und einem Lächeln im Gesicht, widmeten sich die beiden Kabarettistinnen unzähligen Anstoß-Themen aus dem vergangenen Jahr. Dabei vervollkommneten sie ihre energische Performance mit ausdrucksvoller Mimik, Gestik und Körpersprache, Tanz und Gesang, so dass das Publikum hingerissen war. Herzlich begrüßten sie ihre „4000“ Zuschauer und scherzten: „Das sind genau so viele, wie bei Donald Trumps Amtseinführung dabei waren.

    “ Sie wandeten sich in Kimonos und sprachen „japanisch“, „damit sich die AfD-Wähler fremd im eigenen Land fühlen“. Denn diese Gruppe hatte es ihnen besonders angetan. „Wir dürfen zwar nicht über die AfD-Wähler schimpfen, weil die es ja nicht so meinen“, verkündeten sie sanft, um dann loszupoltern: „Ich werdet aber zu Recht in die rechte Ecke gestellt, weil Ihr dort hingehört!“

    Ob sie nun die Weinstein-Affäre mit dem Lied „Er ist der Boss“ besangen, die Wahl in Österreich mit den Worten „Am braunen Rössl am Wolfgangsee, da steht der Mob vor der Tür“ karikierten, angesichts des von vorneherein aussichtslosen SPD-Wahlkampfs den Song „YMCA“ zu „Why SPD?“ umtitelten oder die EU-Verordnung, dass man mit Milch nur ein Eutersekret bezeichnen darf, mit dem Lied „Ein Schnitzel muss ein Schnitzel sein“ ins Lächerliche zogen – stets kam Heidi Friedrich und Birgit Süß die Kritik leicht und dennoch messerscharf über die Lippen.

    Birgit Süß glänzte mit ihrer Solonummer über die Schwierigkeiten als Radfahrer in Würzburg und ihrem Lied: „Du wirst einfach übersehn!“, während das Duo endlich doch im „süßen“ Dirndl erschien und zur Melodie des Liedes „Ein Bett im Kornfeld“ für die Urnenbestattung im fränkischen Weinberg warben: „Ein Grab im Weinberg, in Würzburg am Stein, die Sterne leuchten, schöner kann es nicht sein.“

    Dass man als Verstorbener in einer biologisch abbaubaren Urne unter den Reben liegt, bedeutet laut Heidi Friedrich und Birgit Süß ja schließlich auch, dass man im späteren „Leben“ einmal ein Bocksbeutel wird. Nach dem Motto: „Von der Asche in die Flasche.“ Nach dem Schlussapplaus gab es als Zugabe eine Gesangs- und Tanzdarbietung in Vollverkleidung zu „Under the boardwalk“ unter dem Motto: „Unter der Burka“.

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