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    Kreis Haßberge

    Kampf ums Landratsamt Haßberge: Die Bewerber im Interview

    Landrat Wilhelm Schneider und sein Herausforderer Wolfgang Brühl sprechen unter anderem über Umweltschutz, öffentliche Verkehrsmittel und den Zusammenhalt im Landkreis.
    Die Landratskandidaten Wilhelm Schneider (CSU) und Wolfgang Brühl (SPD) im Gespräch mit den Redakteuren Martin Sage, Wolfgang Sandler und Peter Schmieder.
    Die Landratskandidaten Wilhelm Schneider (CSU) und Wolfgang Brühl (SPD) im Gespräch mit den Redakteuren Martin Sage, Wolfgang Sandler und Peter Schmieder. Foto: Jochen Reitwiesner

    Am 15. März entscheidet sich, wer für die nächsten sechs Jahre Landrat des Landkreises Haßberge sein wird. Amtsinhaber Wilhelm Schneider (CSU) stellt sich zur Wiederwahl, sein Herausforderer ist Wolfgang Brühl (SPD). Den Umgang miteinander beschreiben die Kandidaten als fair, immerhin hätten sie auch in den letzten Jahren im Kreistag konstruktiv zusammengearbeitet. Mit den Redakteuren Martin Sage, Wolfgang Sandler und Peter Schmieder trafen sie sich zum Interview.

    Frage: Was würden Sie als den größten Fehler ihrer bisherigen politischen Karriere bezeichnen und was als den größten Erfolg?
    Landrat Wilhelm Schneider (CSU) kandidiert zur Wiederwahl.
    Landrat Wilhelm Schneider (CSU) kandidiert zur Wiederwahl. Foto: Jochen Reitwiesner

    Wilhelm Schneider: Fangen wir mit dem Erfolg an, weil ich mir da leichter tue. Ich war 1984 zum ersten Mal in einem Gemeindegremium, bin dann Kreisrat geworden, dritter Bürgermeister, erster Bürgermeister und dann Landrat. Diese Herausforderung ist schon was Besonderes, das kann man als Erfolg bezeichnen. Aber das ist ja nicht aus heiterem Himmel gekommen, sondern man hat sich nach und nach entwickelt. Zum größten Fehler: Es waren bestimmt welche da, aber es ist schwer, da was zu sagen.

    Wolfgang Brühl: Mein größter Fehler war, dass ich nicht frühzeitiger angefangen habe, mich in der Politik einzumischen, insbesondere mit Blick auf die Entwicklung am rechten Rand. Wir haben zwar einen AfD-freien Landkreis, aber man hätte noch mehr tun können, um klare Kante zu zeigen. Und zu den Erfolgen: Ich war jetzt 13 Jahre lang Kreisvorsitzender; die Halbwertszeit der SPD-Vorsitzenden ist normalerweise nicht besonders lang, also habe ich das schon sehr lange ausgehalten. Es gab auch einige kommunalpolitische Erfolge. Die muss man nicht einzeln aufzählen. Entscheidend ist, dass einem die Menschen bestätigen, dass man sich durch Einmischen durchaus einen Namen machen kann.

    Herr Brühl, hat es für den Landkreis nicht auch Vorteile, einen Landrat von der Regierungspartei zu haben, wenn es beispielsweise darum geht, Fördertöpfe anzuzapfen?

    Brühl: Es wäre mir neu, dass nur Landräte von der Regierungspartei Förderung bekommen. Dieses Gerücht stimmt nicht. Da ist die Landesregierung in München auch professionell und verteilt Gelder gerecht.

    Herr Schneider, Sie haben in Ihrem Wahlkampf auch den Internetausbau angesprochen. Aber ist es nicht gerade Ihre Partei, der beim Ausbau ein Versagen vorgeworfen wird?

    Schneider: Das kann ich so nicht stehenlassen. Man muss mal die Summen sehen, die in Bayern investiert worden sind, damit können sich die anderen Bundesländer nicht vergleichen. Die Bayerische Staatsregierung hat zwar ein bisschen gebraucht, aber die Förderprogramme, die jetzt aufgebaut worden sind, sind schon sehr gut. Man kann natürlich noch mehr machen. Wir werden uns auch dahin entwickeln, dass in jedes Haus Glasfaser kommt. Ich bin auch der Bundesregierung sehr dankbar, denn da hat es ein Förderprogramm gegeben, auf das uns Dorothee Bär aufmerksam gemacht hat.

    Oliver Kunkel spricht davon, dass er den Landkreis "transformieren" möchte. Brauchen wir ihn und seinen Verein, um den Landkreis in Sachen Klimawandel auf den richtigen Weg zu bringen?

    Schneider: Es ist immer hilfreich, wenn man Unterstützer hat. Ich habe mich auch mit ihm ausgetauscht. Ich finde manche Ideen gut, bei anderen sind wir nicht auf einer Linie. Insgesamt ist es vollkommen richtig, etwas gegen den Klimawandel zu tun. Und wenn man die verschiedenen Gruppierungen zusammenbringen kann, dann ist das noch besser. Aber ich habe auch schon zu ihm persönlich gesagt: Wenn man Begriffe wie "radikal" in den Mund nimmt, ist das negativ besetzt. Man kann das auch anders ausdrücken. Aber insgesamt sehe ich es positiv.

    Wolfgang Brühl (SPD) will Landrat werden.
    Wolfgang Brühl (SPD) will Landrat werden. Foto: Jochen Reitwiesner

    Brühl: Pluralität ist wichtig. Die Politik macht einiges, aber es ist auch interessant, wenn man eine außerparlamentarische Initiative hat, die mitwirkt. Insofern sehe ich das auch als positiv an. Ich hab mich auch mit Oliver Kunkel unterhalten. Die Ziele sind manchmal sehr hochgesteckt und auf nationaler Ebene angesetzt. Das werden wir hier nicht lösen können. Wenn man das runterbricht auf das, was wir kommunal machen können, dann sind es durchaus ehrenwerte Ziele und einiges ist auch im Bereich des Möglichen.

    Bei der Initiative sind ja auch viele Politiker quer durch alle Parteien dabei. Sind Sie beide auch Mitglieder?

    Schneider: Nein. Ich war Schirmherr bei der letzten Veranstaltung, bin aber nicht direkt in der Initiative dabei. Ich bin begleitend dabei, werde aber kein Mitglied werden, denn als Landrat will ich weniger Partei sein.

    Brühl: Ich bin auch kein Mitglied, weil ich nicht einfach inflationär irgendwelchen Organisationen beitreten möchte. Aber ich unterstütze die Initiative und habe das auch signalisiert.

    Kommen wir zum Thema Haßberg-Kliniken. Mit einer Sonderförderung wurde die Geburtshilfe gerettet. Aber wird das reichen, um das Kommunalunternehmen dauerhaft zu erhalten?
    Wenig Platz: Die Kandidaten sollten ihre wichtigsten politischen Ziele auf einen Bierdeckel schreiben. So antwortet Wolfgang Brühl.
    Wenig Platz: Die Kandidaten sollten ihre wichtigsten politischen Ziele auf einen Bierdeckel schreiben. So antwortet Wolfgang Brühl. Foto: Peter Schmieder

    Brühl: Ob die Geburtshilfe dadurch gerettet ist, ist noch nicht entschieden. Die Förderung ist hoch und gleicht das Defizit zu einem Großteil aus, aber sie gleicht nicht alles aus. Und wir wissen nicht, wie die Entwicklung ist. Ob es ausreichen wird, hängt auch von der Bundespolitik ab und ob es irgendwann mal einen Sicherstellungsauftrag für solche kleinen Häuser gibt. Wenn die Bundesebene nicht reagiert, müssen wir kommunalpolitisch gegensteuern, was teilweise passiert ist, beispielsweise durch die Akutgeriatrie. Es braucht einen ständigen Verbesserungsprozess.

    Schneider: Wir müssen ständig dran arbeiten, das ist wirklich eine große Baustelle. Die Rahmenbedingungen sind halt nicht optimal. Wenn in Bayern mittlerweile 60 bis 65 Prozent der Häuser rote Zahlen schreiben, dann ist klar, dass das ein strukturelles Problem ist. Wir sind alle sehr dankbar, dass wir die Geburtenabteilung halten konnten. Aber wir werden ständig dran arbeiten müssen. Qualität ist das entscheidende. Die Eltern stimmen mit den Füßen ab und dann sehen auch die Verantwortlichen wie Gesundheitsministerin Melanie Huml, dass es sich rentiert hat, das Geld zu investieren.

    Bei der Wahl 2014 haben die Kandidaten vor allem in der Umgebung ihrer jeweiligen Heimatorte gepunktet. Das lässt vermuten, dass es den Wählern weniger um die Partei ging, sondern vor allem darum, aus welchem Teil des Landkreises jemand kommt...
    Die wichtigsten Ziele auf einem Bierdeckel: So antwortet Wilhelm Schneider.
    Die wichtigsten Ziele auf einem Bierdeckel: So antwortet Wilhelm Schneider. Foto: Peter Schmieder

    Schneider: Nein, das glaube ich nicht. Es geht nach dem Bekanntheitsgrad. Man wählt den, den man kennt. Ich war im Norden bekannt, Bernhard Ruß im Süden. Da ist doch klar, dass die im Norden ihren Bekannten im Norden wählen und die im Süden ihren Bekannten im Süden. Ich finde das hervorragend. Es zeigt, dass Kommunalwahlen Persönlichkeitswahlen sind. Nicht die Partei ist entscheidend, sondern die Person.

    Trotzdem kann man sich fragen: Ist der Landkreis seit der Gebietsreform zusammengewachsen oder spielen alte Grenzen immer noch eine größere Rolle als sie sollten?

    Schneider: Das Zusammenwachsen zwischen Hofheim und Haßfurt ist recht gut erfolgt. Wo ich Nachholbedarf sehe, ist zwischen Ebern und Haßfurt. Das ist aber wahrscheinlich auch der großen Entfernung geschuldet. Von Haßfurt nach Hofheim sind es zwölf Kilometer, nach Ebern ist es doppelt so weit. Eigentlich wäre mal ein Schüleraustausch zwischen Ebern und Haßfurt nötig, dass der Landkreis sich näherkommt. Wir können noch dran arbeiten, aber ich sehe keine große Kluft. Es gibt halt immer noch die Rivalität und die Eberner trauern dem Status als Kreisstadt nach. Das machen die Hofheimer nicht mehr so sehr. Aber der Bayerische Staat hat damals auch die falschen Zeichen gesetzt, indem alles zentralisiert wurde. Gott sei Dank ändert sich das jetzt wieder und das ist auch eine Grundlage dafür, dass man enger zusammenwächst.

    Brühl: Was zur Förderung innerhalb des Landkreises beiträgt, ist der öffentliche Verkehr. Wir haben zwar Linien von Ebern nach Bamberg und von Ebern nach Coburg, außerdem gibt es die Mainachsenverbindung von Bamberg nach Schweinfurt. Was aber fehlt, sind die Verbindungen dazwischen nach dem "Ameisenprinzip". Dafür bräuchten wir im Landkreis eine zentrale Koordinierungsstelle. Studien belegen auch, dass viele Jugendliche nicht mehr auf das Statussymbol Auto setzen. Sinnvoll wäre unabhängige Mobilität, also öffentlicher Personennahverkehr, ergänzt mit Modellen wie Rufbus, Sammeltaxi oder Carsharing.

    Schneider: Das mit den Rufbussen läuft ja schon, es gibt auch einen Antrag der Jungen Liste, der gerade in Bearbeitung ist. Und ich pflichte bei: Wir können uns nicht nur auf Linien verlassen, dazwischen müssen schnellere, flexiblere Verbindungen her. Aber die, die einen besseren ÖPNV fordern, müssen ihn dann auch annehmen.

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