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    EBERN

    Kein Radio in der Biberburg

    Biber sehen putzig aus, können aber auch Schaden anrichten. Dass man das im Landkreis Haßberge ganz gut im Griff hat, bestätigte der Biber-Berater am Landratsamt, Wolfgang Lappe. Bei einer Exkursion auf Einladung der Freien Wähler Ebern zeigte der Experte am Sonntag rund um Ebern einige Plätze, an denen sich der Biber niedergelassen hat.

    Der Biber lebt im Familienverbund in seinem Revier, das er im Normalfall nicht wechselt. Statistisch gesehen gehören einer Familie 3,3 Biber an. Bei 106 katalogisierten Revieren im Landkreis Haßberge heißt das, dass rund 350 Biber hier beheimatet sind. Bis zu 15 Jahre kann das Tier alt werden, jedoch lassen viele Biber wesentlich früher ihr Leben im Straßenverkehr, wenn sie ihren Bau in der Nähe von stark befahrenen Verkehrswegen haben. Wolfgang Lappe nannte als neuralgische Punkte etwa die Bereiche rund um Pfarrweisach und Burgpreppach, da hier Bundesstraßen verlaufen.

    Mit über 20 interessierten Teilnehmern ging die Exkursion von der Oberen Au in Ebern über die Pöppelsmühle bei Unterpreppach und die Weiher bei Gemünd bis zum Albersdorfer Mühlbach. Überall haben hier Biber-Familien ihr Zuhause.

    An der Preppach nahe dem Wasserwerk Ebern zeigte Lappe, wie Einlaufschächte richtig mit einem Gitter gegen das Eindringen des Bibers gesichert werden. Eine Nachbargemeinde hatte in der Vergangenheit noch kein Gitter angebracht, erklärte der Fachmann, und so drang hier das Nagetier in das Wasserwerk ein. Mit einfachen Mitteln gelang es aber, den Biber wieder zu vertreiben. Laute Radiomusik und blitzendes Licht hatten ihren Erfolg. Das nun angebrachte Gitter verhindert eine Wiederholung des Besuchs.

    Strenge Schutzvorschriften

    Auf der Grundlage der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU und des deutschen Artenschutzrechts unterliegt der Biber strengen Schutzvorschriften. Daher ist es grundsätzlich verboten, ihn zu fangen, zu verletzen, zu töten oder seine Wohn- und Zufluchtsstätten zu zerstören. Biber sollen als Bestandteil der Kulturlandschaft überleben können, gleichzeitig sollen mögliche Schäden in Konfliktbereichen verringert oder vermieden werden. Für die Lösung von Konflikten stehen verschiedene Fördermöglichkeiten zur Verfügung. Verursachen Biber erhebliche Schäden und sind Abhilfemaßnahmen nicht möglich, so kann in Einzelfällen das Wegfangen der Biber in Betracht gezogen werden, schreibt die Regierung von Unterfranken auf ihrer Homepage. Treten trotz präventiver Maßnahmen Schäden durch den Biber auf, können diese unter bestimmten Voraussetzungen durch freiwillige finanzielle Leistungen des Freistaates Bayern bis zu 100 Prozent des anerkannten Schadens ausgeglichen werden. Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz (STMUV) stellt für Schäden bis einschließlich 2020 jährlich 450 000 Euro zur Verfügung.

    An den Weihern von Gemünd, die der Stadt Ebern gehören und an den Anglerverein verpachtet sind, wurden schon in der Vergangenheit durch die involvierten Behörden beratschlagt, wie man Biber-Schäden vermeiden kann. Seit langer Zeit liegen dort auch schon Wasserbausteine, die den Uferbereich schützen sollen. „Nur es geht irgendwie nichts voran“, erzählte der Biber-Berater, der im Konflikt zwischen Mensch und Tier immer vermittelnd auftritt oder aber gleich durch Prävention Schäden verhindern will.

    Nahe Jesserndorf hätte ein Biber beinahe auch schon mal an einem Silvesterabend einen größeren Stromausfall verursacht. Der Nager war im Begriff, einen Baum zu fällen, der die überirdischen Stromleitungen getroffen hätte. Durch den Einsatz der Feuerwehr konnte dies aber noch in letzter Minute verhindert werden.

    Einfache Hilfsmittel

    Thomas Limpert, der Vorsitzende der Freien Wähler Ebern, zeigte sich beeindruckt von dem Nachmittag im Lebensraum des kleinen Tieres. Er rief dazu auf, sich stets zuerst an den Biber-Beauftragten Wolfgang Lappe im Landratsamt zu wenden, wenn sich Probleme mit den Nagetieren ergeben. Hier sei fachmännische Hilfe garantiert, die manchmal sogar mit sehr einfachen Mitteln vollzogen werden kann. Limpert erinnerte an eine bei der Exkursion gesehene Kanisterkette, mehrere an einer Schnur aufgereihte Plastikkanister, die man über einen Damm hängen kann. Das verhindere mit einfachen Mitteln, dass der Biber hier seine Baumaßnahmen fortführt.

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