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    BAMBERG

    Kleinkind schluckte Crystal Meth - Vater vor Gericht

    Der Leichtsinn seines drogenabhängigen Vaters hat einen eineinhalbjährigen Jungen aus dem Landkreis Bamberg im September vergangenen Jahres fast das Leben gekostet. Sein Vater steht deshalb in Bamberg vor Gericht.

    In einem unbeaufsichtigten Augenblick steckte sich das Kleinkind ein Tütchen mit fünf Gramm der Droge Metamphetamin, auch bekannt als Crystal Meth, in den Mund und kaute darauf herum. Das Tütchen hatte auf dem Wohnzimmertisch gelegen. Die Plastiktüte platzte auf, und ein Teil des Rauschgifts gelangte in den Mund des Kindes, das etwa 0,2 Gramm davon verschluckte. Als der Vater wenig später das aufgerissene Tütchen erblickte, versuchte er nach eigener Aussage zunächst, den Mund seines Sohnes mit Wasser auszuspülen. Er gab ihm eine Milchschnitte und Limonade.

    Erst eine Stunde später fuhr er zusammen mit seiner Lebensgefährtin und Mutter des Kindes in die Klinik in Ebern, wo er gegenüber den behandelnden Ärzten den Unfall mit dem Drogenpäckchen verschwieg und stattdessen angab, das Kind habe Spülmittel zu sich genommen. Erst infolge der ärztlichen Untersuchung soll der Angeklagte nach Aufkommen eines entsprechenden Verdachts weitere 15 Minuten später eine mögliche Aufnahme des Rauschgifts durch das Kind eingeräumt haben. Während der Fahrt mit dem Notarztwagen in die Kinderklinik Coburg erlitt das Kind einen cerebralen Krampfanfall, wodurch eine Ruhigstellung durch Medikamente, eine Sedierung, notwendig wurde.

    Angeklagter schiebt den Vorfall einem Kunden in die Schuhe

    Dem Kind geht es mittlerweile wieder gut. Es lebt bei seiner leiblichen Mutter. Bei einer Wohnungsdurchsuchung am 6. Dezember vergangenen Jahres hoben Beamte der Kriminalpolizei Schweinfurt zusammen mit Spezialisten des Landeskriminalamts aus München ein Drogenlabor im Keller des Wohnhauses des 29-Jährigen aus. Neben 3000 Euro in bar und einer Waffe, die die Ermittler in der Wohnung fanden, entdeckten sie im Keller verschiedene Chemikalien und Gegenstände zur Herstellung von Drogen.

    Beim Öffnen der Kellertür stieg den Kripo-Beamten beißender Geruch in die Nase, weshalb sie den Chemikern des LKA aus Eigenschutz den Vortritt ließen. Die bauten das Labor ab und werteten die Beweismittel in München aus. Seit Donnerstag vergangener Woche muss sich der 29-Jährige aus dem nordöstlichen Landkreis am Landgericht unter anderem wegen bewaffneten Handeltreibens mit Rauschgift sowie fahrlässiger Körperverletzung an seinem Sohn verantworten.

    Auf der Anklagebank schob er den Vorfall mit seinem Sohn einem Kunden in die Schuhe, der an diesem Tag bei ihm Drogen kaufen wollte. Der Kunde habe auf das Kind aufpassen sollen, sei aber alleine auf die Toilette gegangen. In dieser Zeit habe der Sohn das Rauschgift geschluckt. Dieser Version widersprach der Rauschgiftkunde im Zeugenstand und schob wiederum dem Angeklagten den Schwarzen Peter zu. Der habe nicht auf sein Kind aufgepasst und habe ihn gebeten, die Schuld auf sich zu nehmen, da er selbst unter laufender Bewährung stehen würde.

    Denn ein Neuling in der Szene ist der Angeklagte nicht. Er saß bereits fünf Jahre hinter Gittern wegen seiner Rauschgiftgeschäfte. In seiner oberfränkischen Heimat ist er als „dicker Fisch“ in der Szene bekannt. Zum ersten Mal nahm er als 14-Jähriger Drogen. Nach Auskunft eines Beamten der Kriminalpolizei flüchtete er bei der Hausdurchsuchung im Dezember mit seinem Laptop durch die Hintertür und lief dabei den Beamten in die Hände.

    Anleitungen zur Herstellung von Drogen auf dem Laptop

    Laut einem Nachbarn sei des öfteren nachts um drei Uhr ein unbeschrifteter Lieferwagen vorgefahren. Pakete seien ausgeladen worden. Bei der Auswertung des Laptops des Angeklagten fanden die Ermittler über 200 000 „relevante Datensätze“, unter anderem Anleitungen zur Herstellung von Drogen. Die Überprüfung der Bankkonten des Angeklagten ergab, dass er 30 000 Euro Bargeld an verschiedenen Bankautomaten eingezahlt habe – wohl Drogengeld, so ein Beamter im Zeugenstand.

    Insgesamt legt die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten die Herstellung von mindestens 26,4 Gramm Crystal Meth im Zeitraum September bis Dezember 2018 zur Last. Diese Menge erscheint niedrig. Die Herstellung ist jedoch mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden. So habe er für die Herstellung von etwa 2,5 Gramm der Droge rund 20 Stunden gebraucht, sagte der Angeklagte, was ihm ein Experte des LKA München bestätigte.

    Die Hauptverhandlung wird am 24. Oktober fortgesetzt. Dann wird auch ein Urteil erwartet.

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