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    HAßFURT

    Kommentar: Demonstranten im Urlaub

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    Ist es nicht schön, wenn sich alle einig sind? „Eigentlich müssten wir selber bei Fridays for Future mitmachen“, sagt Bauernverbandskreisobmann Klaus Merkel, denn der Klimawandel stellt mittlerweile auch für die Landwirtschaft ein großes Problem dar. Die Pflanzen vertrocknen, die Ernten sind schlecht und die Freude – oder besser gesagt die Erleichterung – ist schon groß, wenn die Erträge mal zumindest durchschnittlich sind.

    Zu dumm nur, dass er in Haßfurt da im Moment wenig Gelegenheit hätte, an den Demonstrationen teilzunehmen, denn die machen erst mal Pause. Noch vor einigen Wochen wurde angekündigt, dass jeden Freitag von 8 bis 11 auf dem Haßfurter Marktplatz demonstriert wird, doch wer in den letzten Wochen dort vorbeigeschaut hat, wo bis vor kurzem noch Kinder und Jugendliche standen, die Schilder hochhielten und Parolen riefen, steht nun wieder wie üblich der Marktstand mit den Hühnern.

    Ja, man hört schon die Stimmen, die rufen: „Da seht ihr's! Alles Schulschwänzer! Sobald die Schule wieder losgeht, geht denen der Klimaschutz sonst wo vorbei!“ Doch Kilian Klug, einer der Schüler, die an vielen Demos teilgenommen haben, erklärt, dass die Demonstranten schon während der Schulzeit ihre Aktivitäten ein bisschen heruntergefahren haben, da sonst einfach zu viel Unterricht ausgefallen wäre. Ein ganzer Schultag pro Woche – bei einer Woche mit sieben Tagen, von denen zwei Tage Wochenende sind, wären das 20 Prozent des Unterrichts. Und auch um das ausrechnen zu können, muss man gelegentlich in der Schule gewesen sein. Bei allem Einsatz für die Zukunft der Welt muss man eben doch auch an die eigene Zukunft denken. Also wird in Haßfurt nun nur noch einmal im Monat der Schulbesuch verweigert. Im Moment ist erst einmal Pause. Wann es weitergeht, steht noch nicht fest, zumal in den Ferien eben auch viele Familien im Urlaub sind. „Es bringt ja auch nichts, wenn wir dann zu zweit da stehen“, meint Kilian Klug.

    Klar, die Kritiker der Schülerstreiks werden auch das wieder zum Anlass zum Meckern nehmen. „Ach, wenn man die Schule schwänzen kann, ist die Umwelt wichtiger, aber Urlaub können die machen?“ Dabei wird gerne übersehen, dass jeder Mensch das Bedürfnis nach Erholung hat, und die besteht für manche eben auch mal darin, etwas anderes zu sehen als die eigene Heimat. Jedem Klima-Aktivisten sämtlichen Freizeitspaß zu verbieten, wäre absolut utopisch.

    Traurigerweise führt genau diese Haltung nach dem Motto „Wer selbst kein absoluter Heiliger ist, hat mir gar nichts sagen“ dazu, dass Fridays-for-Future-Initiatorin Greta Thunberg sich mittlerweile für jede Kleinigkeit rechtfertigen muss, wenn beispielsweise eines ihrer veganen Bio-Lebensmittel mal in Plastik verpackt war.

    Was diese junge Frau geschafft hat, verdient mit Sicherheit größten Respekt. Dennoch sei zum Schluss ein bisschen Kritik erlaubt: In letzter Zeit hat die Klimaheldin dann doch ein paar Fehler gemacht – vor allem ihre Weigerung, konkrete Forderungen zu stellen. Klar, zu hart und zu unrealistisch dürfen die Forderungen auch nicht sein, wenn man will, dass Politiker sie mittragen. Aber ein einfaches „Hört auf die Wissenschaft“, wie es Greta Thunberg gern hätte, ist so unkonkret, dass es zwar jeder unterschreiben, aber keiner wirklich handeln würde.

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