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    KIRCHLAUTER

    Kommentar: Ehrenamtlicher Bürgermeister in Vollzeit

    Kommentar: Ehrenamtlicher Bürgermeister in Vollzeit
    Karl-Heinz Kandler ist bereit, sowohl als neben- wie auch als hauptberuflicher Bürgermeister von Kirchlauter weiterzumachen. Foto: Günther Geiling

    Ab Mai wird die Gemeinde Kirchlauter wieder von einem ehrenamtlichen Bürgermeister geführt. Der Gemeinderat machte sich die Entscheidung nicht leicht, sie fiel mit der knappsten Mehrheit von 7 zu 6 Stimmen. Die Frage ist nicht neu, stellt sich immer wieder – nicht nur in Kirchlauter: Ist das Amt des Bürgermeisters auch in kleinen Orten ein Vollzeit-Job und kann das von Ehrenamtlichen überhaupt geleistet werden? Immer öfter haben Parteien und Gruppierungen Probleme, Kandidaten zu finden, die bereit sind, die Bürden eines solchen Ehrenamtes auf sich zu nehmen.

    Kirchlauter war immer schon ein spezieller Fall. Da beim einst ehrenamtlichen Gemeindeoberhaupt Peter Kirchner ein Interessenskonflikt mit seinem Brötchengeber im Hauptberuf drohte, machte ihn der Gemeinderat zum Hauptamtlichen. Dies wurde bei seinen Nachfolgern so beibehalten – nicht ohne ständiges Aufwärmen der Diskussionen.

    Die Unterschiede zwischen der Aufwandsentschädigung für das Ehrenamt und dem Gehalt für den Hauptamtlichen sind nach Abzügen nicht so gewaltig. Der wesentliche Unterschied besteht in der beamtenrechtlichen Versorgung, die rund 26 000 Euro im Jahr kostet. Das ist eine ganze Menge, andererseits ist die Gemeinde nahezu schuldenfrei. So groß kann die Belastung in den vergangenen 23 hauptamtlichen Jahren also nicht gewesen sein.

    Dem steht die Einsatzfähigkeit des Hauptamtlichen gegenüber. Gemeinderätin Eva Maria Schmitt will finanzielle Vorteile bei Zuschüssen entdeckt haben, „wenn ein Bürgermeister vor Ort war“, der immer kann, wenn er gebraucht wird. Da ist der Mehraufwand für das Hauptamt schnell wieder hereingeholt.

    Die Entscheidung von Kirchlauter ist verständlich, wenn man bedenkt, dass Bürgermeister Kandler ohnehin bald das Rentenalter erreicht hat, also locker den Job mit hoher Aufwandsentschädigung quasi „nebenberuflich in Vollzeit“ ausführen kann. Er hat ja dann ohnehin genug Zeit. Die Frage ist, ob dieser Beschluss für die Zukunft das richtige Signal aussendet. Die Aufgaben werden nicht geringer, die Kommunen stehen immer stärker auch in Konkurrenz um notwendige Fördergelder. Nur wer „Gewehr bei Fuß“ stehen kann, bekommt oftmals den Zuschlag.

    Wie sagt CSU-Gemeinderat Robert Muckelbauer: „Diese Entscheidung darf nicht zu einem Spielball von Periode zu Periode werden.“ Eine Planungssicherheit für Bürgermeister ist mit diesem Beschluss ad absurdum geführt. So machen es sich Gemeinden nicht leichter, künftig einen guten Bürgermeister zu bekommen.

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