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    ZEIL

    Kommentar: Jetzt also doch kein Bad für Zeil?

    Kommentar: Wie kann der Bürger mitreden?
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    Neid ist eine Eigenschaft, die offenbar bei vielen Menschen sehr tief verankert ist. Besonders gut lässt sich das regelmäßig in Bürgerversammlungen beobachten: Grundsätzlich sind die Einwohner jedes Dorfs davon überzeugt, dass der Bürgermeister ihren Ort vernachlässigt und der Gemeinderat in allen anderen Ortsteilen wesentlich mehr investiert. Und diese Neiddebatten gibt es in allen möglichen Größenordungen: „Warum kriegt ein anderes Bundesland mehr Förderung?“ oder auch „Warum muss ein anderer EU-Staat weniger Flüchtlinge aufnehmen?“

    Dazu kommt die Angst, die eigene Heimat könnte einen Bedeutungsverlust erleiden, wenn es eine bestimmte Art von Einrichtung vor Ort nicht mehr gibt – selbst wenn es für den einzelnen Bürger gar keine direkten Folgen hat. Wie sonst lässt sich erklären, dass es sogar ein Bürgerbegehren dagegen gab, die Verwaltung der Sparkassen Schweinfurt und Ostunterfranken in Schweinfurt zusammenzulegen? Auch die Frage, welche Orte im Landkreis noch ein eigenes Krankenhaus haben, dürfte weniger mit den Anfahrtswegen und viel mehr mit einem Identitätsgefühl zu tun haben: „Warum haben die Haßfurter und die Eberner was, das es bei uns in Hofheim nicht mehr gibt?“ Die einzige Ausnahme war da wohl das Tierheim für den Landkreis, bei dem der Streit nicht darum ging, dass es jede Kommune haben wollte, sondern eher, dass es jede Kommune loswerden wollte.

    Die nächste Folge der Erfolgsserie „Streit um den richtigen Standort für eine gemeinsame Einrichtung“ startet gerade im Maintal. Nach der Schließung des Zeiler Hallenbades geht es nun darum, wo vor allem die Menschen aus dem östlichen Teil des Maintals im Landkreis Haßberge schwimmen gehen sollen. Klar ist, dass sich mehrere Kommunen zusammentun müssen, um die neue Einrichtung gemeinsam zu finanzieren. Noch im Mai 2018 hatte der Zeiler Bürgermeister Thomas Stadelmann öffentlich verkündet, der Standort müsse auch in diesem Fall Zeil bleiben– „anders wird es nicht gehen“. Auch der Eltmanner Bürgermeister Michael Ziegler hatte ihm beigepflichtet: „Das Zeiler Hallenbad gehört zu Zeil wie das Eltmanner Freibad zu Eltmann.“

    Und jetzt das: Ein Planungsbüro hat sämtliche Vor- und Nachteile verglichen, Kosten und Anfahrtswege durchgerechnet und ist zum Ergebnis gekommen: Der perfekte Standort für das neue Bad ist Eltmann. Die Idee: Das bestehende Freibad in Eltmann soll zum Kombi-Bad umgebaut werden, das sowohl einen Innen- als auch einen Außenbereich hat.

    Nun könnte man sagen: Naja, nur weil ein Planungsbüro das vorschlägt, muss es ja noch nicht gleich so umgesetzt werden. Aber seien wir ehrlich: Was bringt es, ein Gutachten in Auftrag zu geben, wenn man dann doch macht, was man will?

    Wer sich in Zeil umhört, der hört es schon an einigen Stellen brodeln. Klar, für viele Zeiler ist es eine Enttäuschung, nicht mehr der Schwimmbad-Standort zu sein. Aber ist es wirklich eine derartige Katastrophe, in Eltmann schwimmen zu gehen? Hauptsache, es gibt überhaupt eine Gelegenheit dazu! Aber um die zu schaffen, müssen die Kommunen nun zusammenarbeiten und eben auch kompromissbereit sein. Auch wenn das manchem Bürger nicht schmecken mag.

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