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    Knetzgau

    Kommentar: Räte, weicht die Regeln nicht auf, verteidigt sie!

    Wo die Gremien allzu schnell eine Auge zudrücken, kann die Demokratie an der Basis Schaden nehmen. Im Fall Westheim gäbe es eine Alternative.
    "Ätsch, ich darf höher hinausbauen als du..." Wenn in Baugebieten die Spielregeln nicht für alle gelten, stellt sich schnell das Gefühl der Ungerechtigkeit ein.  Foto: Carmen Schmitt

    Mal ist es die Form der Fenster oder die Neigung des Daches. Ein anderes Mal sind es die Ausmaße des Carports oder der Abstand des Wohnhauses zum Nachbargrundstück. Immer wieder setzen Bauherrn darauf, dass bei ihnen ein oder zwei Augen zugedrückt werden, wenn es um die Spielregeln in ihrem Baugebiet geht. Und an Gründen, warum gerade sie die Ausnahme von der Regel sein sollen, mangelt es den Antragstellern nie.

    Gerade jetzt sind ideale Zeiten für dererlei Extrawürste. Es stehen Kommunalwahlen an, da sichert manches Ratsmitglied eher Unterstützung bei Sonderwünschen zu als kurz nach der Wahl. Da ist man nicht gerne der Spielverderber. Das allerdings könnte zu kurz gedacht sein. Denn nicht nur der Antragsteller schreitet zur Urne, sondern im Idealfall alle seine Nachbarn. Und die könnten ob der Extrawurst erzürnt sein.

    Welches neue Argument soll der Baubewerber haben?

    Eigennutz wollen wir dem Knetzgauer Gemeinderat aber ohnehin nicht unterstellen. Aber schon eine Haltung, die es hier wie anderswo zu überdenken gilt. In einem Siedlungsgebiet in Westheim dürfen alle Häuser nur zwei Stockwerke aufweisen. Plötzlich aber glaubt die Mehrheit am Ratstisch, für eine Person eine Ausnahme machen zu müssen. Zwei Geschosse oder drei: das ist ein gewaltiger Unterschied. Welche Argumente soll da der Bauherr geltend machen, die seine Nachbarschaft nicht auch in die Waagschale hätte werfen können?

    Besser Weg: Änderungen für alle überdenken

    Unsere Gemeinden sind die Keimzelle der Demokratie. Sie sind die Grundschule, in der die Bürger  die Lektion lernen müssen, dass Spielregeln auch für sie gelten, sie dafür aber im Gegenzug Gerechtigkeit ernten. Die Lokalpolitik hat entscheidend zum Fairplay beizutragen, wenn das Demokratieverständnis nicht schon an der Basis erschüttert werden soll. Das ist nicht nur schöne Theorie: Im besagten Westheimer Fall sollte nicht der Grill für eine Extrawurst angeschürt werden. Der richtige Weg wäre, sich Gedanken über Änderungen des Bebauungsplans zu machen, die dann für alle Betroffenen gelten.

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