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    HAßFURT

    Kommentar: Schwangere können nichts für Gesundheitspolitik

    Es ist nicht alles Trump, was über den großen Teich von Amerika nach Europa schwappt. Seit Mai 2017 gibt es im Landkreis Haßberge eine sogenannte „Doula“. Wer diesen Begriff noch niemals gehört hat: Es spricht sich Duula und ist die Bezeichnung für eine Geburtsbegleiterin. Diese Doulas stehen werdenden Müttern und Vätern quasi als emotionale Rundumhilfen zur Verfügung. Die geburtserfahrenen Frauen bilden vor allem eine wichtige Vertrauensperson für die werdende Mutter, die sie durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett begleiten.

    Eine Geburtsbegleiterin ist keine Geburtshelferin, will sie auch gar nicht sein. Die medizinische Verantwortung trägt nach wie vor die Hebamme beziehungsweise der Arzt. Allerdings ist die Hebamme im Kreißsaal zumeist eine andere als die, die sich vor und nach der Geburt um die Mutter sorgt. Gerade in einer emotional so aufgewühlten Situation wie bei einer Geburt ist vieles Kopfsache. Und da ist es gut, wenn frau einen fachkundigen Menschen ihres Vertrauens an ihrer Seite weiß.

    Doula und Hebamme sollten sich also hervorragend ergänzen. Was die eine nicht leisten kann, das erledigt die andere. So sieht normalerweise keine Konkurrenzsituation aus. Dennoch gibt es Hebammen, die der neuen Verstärkung skeptisch gegenüberstehen. Natürlich gibt es keinen Zweifel daran, wie wertvoll die Arbeit der Geburtsbegleiterinnen ist, doch manche Hebamme sieht die Privatisierung der Betreuung von werdenden Müttern als falsches Signal.

    Hebammen kämpfen seit Jahren um eine Verbesserung ihrer finanziellen Situation. Eigentlich sollte die Betreuung, die eine Doula anbietet, nach Ansicht vieler Hebammen eben durch die Hebammen jeder Frau zustehen. Auf gut deutsch: Bei Geburtshilfe sowie Vor- und Nachsorge herrscht nicht zuletzt aufgrund miserabler Bezahlung enormer Hebammenmangel. Frauen müssen sich mittlerweile schon gleich nach dem positiven Schwangerschaftstest um eine Hebamme kümmern, die sie zu Hause betreut, sonst haben sie das Nachsehen.

    Da dies jedoch die Folge einer verfehlten Gesundheitspolitik ist, für die die schwangeren Frauen nichts können, ist die Betreuung der werdenden Mütter durch eine Doula zwar nicht die Ideallösung aus Sicht der Hebammen, entschärft aber die Situation der werdenden Mütter erheblich.

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