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    HAßFURT

    Kommentar: Warum ist die Kreisstadt digital abgehängt?

    Kommentar: Warum ist die Kreisstadt digital abgehängt?
    Ein Mitarbeiter einer Erdbaufirma bündelt Glasfaser-Leerrohre. Darauf müssen etliche Internet-User in Haßfurt wohl noch eine Zeitlang warten. Foto: Guido Kirchner

    Eine Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zeigt, dass es mit der Digitalisierung in Deutschland nicht so gut läuft, wie viele sich erhofft hatten. Wenn das Land nicht von der internationalen Entwicklung abgehängt werden soll, müssen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik schnell handeln.

    Zu einem ähnlichen Schluss kommt die Zukunftsstudie „Digitalisierung – Achillesferse der deutschen Wirtschaft?“ des Münchner Kreises, einer gemeinnützigen, internationalen Vereinigung, in der Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vertreten sind. Die dort veröffentlichten Ergebnisse sind bedenklich. Deutschland habe es jahrelang versäumt, sich rechtzeitig um wichtige Zukunftsthemen zu kümmern.

    Etwas anders sieht es das Bundeswirtschaftsministerium: „Der digitale Wandel ist in vollem Gange“, heißt es auf dessen Homepage. Und: „Diesen Wandel wollen wir als Chance begreifen, mehr Wohlstand und mehr Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger zu schaffen, und ihn gleichzeitig sozialverträglich und im Einklang mit unseren Grundwerten gestalten.“

    Klingt gut. Nur leider sind nicht alle in dieser digitalisierten Welt angekommen, wie es das Ministerium behauptet. Dieser Tage erst wieder meldete sich ein Leser aus Kleinaugsfeld in der Redaktion, der notgedrungen über den Provider „Schnell-im-Netz“ mit Internet versorgt wird. „Eine Weile war es jetzt ja mal ganz brauchbar, seit drei Tagen gibt es jeden Abend wieder massive Performance-Einbrüche des so genannten 100 Mbit Anschlusses“, schreibt er. Da nützt das modernste Smart-TV-Fernsehgerät, der rasanteste Computer nicht viel, wenn aufgrund einer Versorgungsschwäche Netflix hängt, keine Mediathek mehr funktioniert und kein Download mit mehr als 10 bis 20 Mbit möglich ist.

    Der Kleinaugsfelder – oder sollte man besser sagen der Kleineleitungsaugsfelder – ist das Opfer eines kleinen, aber folgenschweren Fehlers der Telekom. Die war sich vor Jahren bei der Vergabe der Lizenzen für die Versorgung zu sicher, das große Ganze in Haßfurt automatisch zu bekommen. Und so gelang es Schnell-im-Netz, sich drei Bereiche für Internet per Richtfunk über einen Sender auf dem Zabelstein zu schnappen, nämlich ein Stück Wülflingen, Prappach und eben Kleinaugsfeld – mit allen Einschränkungen, die es nun mal gibt, wenn man keine Auswahl zwischen verschiedenen Anbietern hat und zudem auf eine Firma angewiesen ist, die nicht weiß, wie es in den genannten Gebieten für sie weitergehen soll. Die Geschäftsbedingungen der Bundesnetzagentur machten das möglich.

    Inzwischen hat nämlich eben diese Bundesnetzagentur entschieden, dass die Firma Schnell-im-Netz schnell aus dem Netz sein sollte, denn sie hat nicht nur ihre zeitlichen Verpflichtungen, den Ausbau ihres Netzes angehend, nicht eingehalten, sondern die Agentur zudem falsch informiert. Das hat eigentlich das Aus zur Folge. Und die Telekom steht für diesen Fall auch schon Gewehr bei Fuß – zumindest was Prappach angeht – und möchte dort den Anschluss ans Internet per schnellem Glasfaserkabel sicherstellen, damit der erwähnte Rückstand auf den Rest der Welt nicht mehr gar so groß ausfällt.

    Allein der Rechtsstaat ermöglicht es dem Delinquenten, sich vermeintlicher behördlicher Willkür juristisch zu widersetzen. Deshalb liegt die ganze Angelegenheit seit langer Zeit beim Verwaltungsgericht und erst wenn dieses das Aus von Schnell–im-Netz bestätigt, kann und will die Telekom aktiv werden. Und bis das geschieht, bleiben zumindest Teile der Kreisstadt weiter von der internationalen digitalen Entwicklung abgehängt.

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