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    Haßfurt

    Kreis Haßerge: Vorbildlich in Sachen Mülltrennung

    Die Abfallwirtschaft ist zwar kein Wettbewerb, dennoch liegt der Landkreis Haßberge unter den Gebietskörperschaften bayernweit mit 86,6 Kilogramm auf einem guten vierten Platz beim Hausmüllaufkommen. Nur in den Landkreisen Aschaffenburg, Kitzingen und Landsberg/Lech fällt weniger Hausmüll pro Bürger im Jahr an. Foto: Tonya Schulz

    Wilfried Neubauer, Leiter der Abfallwirtschaft des Landkreises Haßberge, ist spendabel. Er verteilt in der Sitzung des Kreis-Umwelt- und Werkausschusses ein dickes Lob an die Bürger des Landkreises, die mit ihrem Bewusstsein für Mülltrennung dafür gesorgt haben, dass der Landkreis unter den bayerischen Gebietskörperschaften mit 86,6 Kilogramm am viertwenigsten Hausmüllanfall pro Person aufweist. Besser schneiden bayernweit nur die Landkreise Aschaffenburg (56,8, mit Verwiegung), der Landkreis Kitzingen (68,5, Identsystem) und der Landkreis Landsberg am Lech (80,9, Identsystem) ab. Zum Vergleich: Der Landkreis Schweinfurt produziert 89,8 Kilogramm Hausmüll pro Bürger, der Landkreis Würzburg gar 112,8 Kilogramm, die Stadt München 215,4 und die Stadt Schweinfurt 226 Kilogramm pro Bürger jährlich.

    Neubauer führt dies nicht zuletzt darauf zurück, dass "Abfallvermeidung und Abfallverwertung im Landkreis Haßberge nicht nur Schlagworte sind. Unser erklärtes Ziel", so Neubauer, "ist, die Haus- und Sperrmüllmenge so weit wie möglich zu reduzieren und die Wertstofferfassung auf einem hohen Niveau zu halten. Darauf sind alle abfallwirtschaftlichen Maßnahmen ausgerichtet." Die Hausmüllmenge entspreche in etwa den Vorjahreswerten, die Sperrmüllentsorgung werde von den Bürgern gut angenommen. Die Biomüllerfasung bewege sich auf einem hohen Niveau. "Die Mülldeponie Wonfurt ist so eingerichtet, dass sie auch mittelfristig Entsorgungssicherheit in Bezug auf Inertabfälle gewährleisten kann."

    Elektronik für die Mülltonne

    Als "Schönhtsfehler" bezeichnete es Neubauer, dass nur 20 der 26 Gemeinden die gemeindlichen abfallwirtschaftlichen Aufgaben auf den Landkreis rückübertragen hätten. Spätestens bei der Einführung des Identsystems seien diese Gemeinden "abgekoppelt". Das Identsystem bedeutet, dass die Restmüll, die Biomüll und die Altpapiertonne mit Chips - sogenannten Transpondern - ausgerüstet werden. Mit diesem Ident-System werden die Leerungen der drei genannten Tonnen elektronisch gezählt. Diese fließen dann in die Berechnung der Abfallgebühr mit ein.

    Unerklärlich war es für Wilfried Neubauer, dass die Spannweiten der einwohnerbezogenen Werte im Landkreis recht hoch seien. So liege die Gemeinde Gädheim bei nur 62,0 Kilogramm Hausmüll-Aufkommen pro Einwohner und Untermerzbach bilde mit 102,2 Kilogramm das andere Extrem. Hier sieht der Werkleiter Handlungsbedarf. Er schlug vor, eine Restmüll-Analyse durchzuführen, deren Kosten die Gemeinde jedoch zur Hälfte zu tragen habe.

    Künftig mehr Leichtverpackungen?

    Während die Zahlen beim Hausmüll in den letzten Jahren weitgehend unverändert geblieben seien, werde es im Bereich DSD-Leichtverpackungen zu Veränderungen durch die Einführung der Gelben Tonne kommen. Derzeit liege der Landkreis Haßberge bei rund 15 Kilogramm pro Einwohner. In Bayern sei der Durchschnitt bei 20,8 Kilogramm. Neubauer rechnet damit, dass nach Einführung der Gelben Tonne das Aufkommen an Leichtverpackungen pro Bürger sich bei 20 bis 25 Kilogramm im Jahr einpendeln werde. Die Abfallwirtschaft werde die Veränderungen jedenfalls zeitnah überprüfen.

    Erfreulich sei auch die Entwicklung des Sperrmüll-Aufkommens. Die häufigste Variante der Entsorgung stelle hier das Wertstoffhof-System dar. Im Berichtsjahr 2018 seien 2853,7 Tonnen Sperrmüll auf den Wertstoffhöfen im Landkreis abgegeben worden. Die Abholung von Sperrmüll verlaufe über ein Abrufsystem und erfolge innerhalb von sechs Wochen nach Eingang der Abholungsanforderung. Die Gesamtabrufe hätten im Berichtsjahr 1579 Tonnen betragen. Das entspreche einer Steigerung von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Neubauer lobte den angenehmen Nebeneffekt des Abrufsystems: Dadurch würden keine Verunreinigung von Siedlungsstraßen im Landkreis mehr stattfinden. 

    An den Restmüll-, Bio- und Altpapiertonnen im Landkreis Haßberge wird ein Chip angebracht. Ab 1. Januar 2020 wird das sogenannte Identsystem seinen Dienst aufnehmen. Foto: Klaus Gimmler
    Ident-System
    Der Landkreis Haßberge führt ab dem 1. Januar 2020 ein Erkennungssystem für Müllgefäße, das sogenannte "Ident-System", ein. Montageteams fahren seit März bis voraussichtlich Ende September (Schulferien sind hiervon ausgenommen) systematisch jedes Grundstück an, das an die Abfallentsorgung des Landkreises angeschlossen ist, und statten die Müllgefäße mit dem Chip-System aus. Hierzu wird den Grundstückseigentümern bzw. Hausverwaltungen ein Termin zugewiesen und im Vorfeld schriftlich mitgeteilt. Das Ident-System führt zu keiner finanziellen Mehrbelastung für den Bürger. Damit die Nachrüstung der Müllgefäße gelingt, ist die Kooperation der Grundstückseigentümer und Hausverwaltungen ungemein wichtig.
    Das Ident-System ist ein System zur Erkennung und Verwaltung von Abfallbehältern. Mittels eines Transponders, welcher unterhalb des Behälterrandes eingesetzt wird, kann jedes Müllgefäß eindeutig einem Grundstück zugeordnet werden. Künftig wird die Entleerung aller registrierten Abfallbehälter automatisch erfasst. Der Transponder hat die Form eines schwarzen Kunststoffpucks und ungefähr die Größe einer Zwei-Euro-Münze. Auf jedem Transponder ist eine weltweit einmalige Transpondernummer unveränderbar abgespeichert. Um nun jeden Behälter eindeutig seinem Transponder zuweisen zu können, wird ein Strichcode verwendet. Dieser befindet sich auf einem Etikett, das ebenfalls im Zuge der Nachrüstung an jeden Behälter angebracht wird. Die Behälternummer ist in diesem Strichcode verschlüsselt. Transpondernummer und Strichcode werden miteinander verknüpft oder - wie es auch genannt wird  - "verheiratet". Alle Müllfahrzeuge werden in Zukunft im Landkreis mit Transponder-Lesegeräten ausgestattet sein. Dieses Gerät scannt vor Beginn jeder Leerung, ob das Müllgefäß mit unserem Ident-System ausgestattet und durch den Abfallwirtschaftsbetrieb freigegeben ist. Eine Verwiegung der Müllgefäße findet nicht statt und ist auch nicht vorgesehen.
    Das Ident-System wird ab dem 1. Januar 2020 aktiviert. Es ändert sich bei der Müllabfuhr nichts. Lediglich die Erfassung von Müllbehältern wird mit diesem System sichergestellt. Sollte ein Behälter nicht gechippt sein, wird er ab dem Aktivierungszeitpunkt nicht mehr geleert. Hierüber erhält der Abfallwirtschaftsbetrieb umgehend über das Ident-System eine Benachrichtigung und setzt sich daraufhin mit dem Grundstückseigentümer bzw. der Hausverwaltung in Verbindung.
    Quelle: Abfallwirtschaft des Landkreises Haßberge

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