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    LANDKREIS HAßBERGE

    Künstlerschicksal: In Ebern verschmäht, in München geehrt

    Der Maler Gerhard Rießbeck wird den Kunstpreis der Evangelischen Landeskirche in Bayern erhalten. Bei einem Festakt am 25. Oktober in München soll Rießbeck den renommierten Preis, der alle drei bis fünf Jahre von einer Fachjury vergeben wird, entgegennehmen. Foto: Gerhard Rießbeck

    Der Maler Gerhard Rießbeck wird den Kunstpreis der Evangelischen Landeskirche in Bayern erhalten. Das geht aus einer Einladung zur Preisverleihung hervor. Beim Festakt am 25. Oktober in München soll Rießbeck den renommierten Preis, der alle drei bis fünf Jahre von einer Fachjury vergeben wird, entgegennehmen.

    Die Polarregionen unserer Erde faszinieren Rießbeck in besonderer Weise. Nach zahlreichen Exkursionen in Gegenden, die landläufig als eisig bezeichnet werden, verarbeitet er die Erlebnisse in seinem mittelfränkischen Atelier. Dabei entstehen Gemälde, die zum Teil mehrere Quadratmeter groß sind. Er malt unendlich erscheinende Landschaften aus Wasser und Eis, hält surrealistische Stimmungen fest und stellt die ursprüngliche Natur der Arktis und Antarktis mit seinen Mitteln dar. Wiederholt erlebte er in der Realität vor Ort, was den Erfolg seines künstlerischen Schaffens begründet.

    Die Arbeiten des 55-Jährigen sind in der Vergangenheit verschiedentlich gelobt und mit Preisen bedacht worden. Rießbeck wurde aber auch mit Desinteresse und Kritik konfrontiert, wie etwa vor knapp sechs Jahren, als seine Kirchenkunst in der Eberner Christuskirche äußerst umstritten war und entfernt werden musste.

    Was war passiert? Rießbeck hatte den Auftrag erhalten, für die Christuskirche ein Kunstwerk zum Thema „Leiden und Sterben Jesu nach dem Lukasevangelium“ zu schaffen. Den Rahmen bildete die Aktion „12 (W)Orte“, initiiert durch die evangelische Landesbischöfin Dorothea Greiner in Bayreuth. Innerhalb der Kirchengemeinde in Ebern wurde diskutiert, ob man der Kunst Rießbecks in der architektonisch schlicht gehaltenen Kirche eine Chance geben wolle. Sein bunter Entwurf, eine gut zwei Meter im Durchschnitt messende Scheibe an der Decke sowie an den Wänden platzierte Luftballons, sorgten für Zündstoff.

    Demokratisch gegen die Kunst

    Um es vorweg zu nehmen: am Ende stimmte die Gemeinde demokratisch gegen diese Kunst in ihrer Kirche. Die Auseinandersetzung mit dem Künstler, dem biblischen Text und dem Kunstwerk, dem Rießbeck den Namen „Dornenkrone mit Luftballons“ gegeben hatte, begann am Tag seiner Vorstellung in Ebern. „Der Kreuzigungstext ist eine schwere Last für mich als Künstler“, hatte Rießbeck gesagt. Zugleich bezeichnete er den Auftrag als „eine tolle Aufgabe und eine sehr große Chance“. Einzelne Gemeindeglieder trugen von Beginn an ihre Ansichten vor, und der Tenor „Wozu brauchen wir das?“ war unschwer zu erkennen. Von „Die Kirche soll in ihrem Inneren so bleiben wie sie ist“ bis zu „Ich bin neugierig darauf“ gingen die Meinungen auseinander. Als Platz für seine Kunstinstallation hatte Rießbeck die Kuppel der Kirche gewählt. Im Frühjahr 2014 präsentierte er das fertige Modell: bunte Luftballons, eine schwebende Dornenkrone und ein offener Himmel, in den die Ballons entflogen.

    Für den Festgottesdienst zum Reformationsfest 2014 hatte man Rießbeck als Festredner eingeladen, wohl in der Annahme, sein Kunstwerk würde Anklang finden. Allerdings hatte sich die Gemeinde kurz zuvor beim Gemeindefest gegen das Kunstwerk entschieden. So blieb dem Künstler nur, den Ebernern seine Enttäuschung mitzuteilen. Der Traum war zerplatzt, wie Luftballons, die zu hoch in den Himmel aufsteigen.

    Ein Quorum hatte gefehlt

    Pfarrer Grosser in Ebern war traurig und meinte damals, einem großen Teil der Gemeinde sei „es“ offenbar egal. Ob er die Kunst oder die Kirche meinte, ist im Nachhinein nicht nachvollziehbar. Im Kirchenvorstand stellte man selbstkritisch fest, dass ein Quorum der Wahlbeteiligung hätte festgelegt werden müssen. Es hatten sich nur zehn Prozent aller Berechtigten an der Abstimmung beteiligt, was bedeutete: Von 125 gültigen Stimmen in der Wahlurne votierten 67 gegen Rießbecks Kunstwerk in der Eberner Kirche. Wenige hatten entschieden, aber das Wahlergebnis zählte. Der Künstler kommentierte damals: „Man darf über Kunst nicht basisdemokratisch abstimmen.“ Wäre immer so ein Abstimmungsmodus zum Tragen gekommen, „gäbe es weder eine Sixtinische Kapelle noch den Eiffelturm.“

    Meinungen waren geteilt

    Den Medien war zu gleicher Zeit zu entnehmen, dass Rießbecks Kunstwerk von außerhalb mehr Beachtung auf sich zog. Gruppen aus ganz Nordbayern besichtigten die Eberner Kirche und hinterließen überwiegend zustimmende Kommentare im Gästebuch. „Farbige Fröhlichkeit„ beschrieben die einen, die schöne Holzdecke sei verschandelt worden und „Luftballons haben in der Kirche überhaupt nichts zu suchen“, die anderen.

    Den Künstler Rießbeck demotivierte diese Erfahrung offenbar nicht. Immer wieder beschäftigte er sich mit der Frage, wie der Mensch unter arktischen Bedingungen mit der rauen Natur zurecht kommen kann. Seine Bilder zeigen häufig dick eingehüllte Menschen mit Kapuzen auf den Köpfen und Schutzbrillen im Gesicht. In Schweinfurt fanden seine Werke Anerkennung. „Eisfreund“ war der Titel einer 40 Kunstwerke umfassenden Ausstellung, die bis Februar dieses Jahres in der Kunsthalle der Stadt Schweinfurt zu sehen war.

    Rießbeck hatte die Bilder extra für diese Gelegenheit gemalt, darunter „Der Bilderträger“, eine über sieben Meter hohe Bildinstallation. Auch das Öl-auf-Leinwand-Bild „Eisfreund“ gehörte zu den Exponaten. Ein drei mal zwei Meter umfassendes Gemälde mit dem Titel „Großer Eisberg“ ist im Besitz der Kunsthalle Schweinfurt.

    Besondere Würdigung erhielten die Kunstwerke durch Dr. Ralf Frisch, Professor für Evangelische Theologie und Philosophie an der Evangelischen Hochschule Nürnberg, der Rießbecks Malerei auf der weißen Leinwand mit dem „Wandern in der Eiswüste“ verglich.

    Rießbeck stellte Zeugnisse seines Schaffens auch in Nürnberg, Bayreuth, Bamberg und zahlreichen weiteren Orten inner- und außerhalb Frankens aus. Mehrfach war er im Landkreis Haßberge an Ausstellungen beteiligt, wie etwa in der „Kunstmühle Mürsbach“ bei Ebern. „Reformation – und jetzt?“ lautete das Motto der Gruppenausstellung, bei der Rießbeck mit den Werken „Dom“, „Kirche“ und „Missionsstation“ vertreten war. Seine „Missionsstation“ solle provisorisch und fragil wirken, hatte er erklärt. Vielleicht schon vom nächsten Windstoß umgeblasen, verspreche sie wenig Schutz und sei dennoch eine bessere Behausung als der kahle Boden, in den sie eingegraben scheint. Derart überrascht der Künstler die Betrachter seiner Werke immer wieder und gibt sowohl Anlass zur Beachtung als auch zur Diskussion.

    Im Herbst 2019 wird Rießbeck gebührend geehrt: Die Verleihung des Kunstpreises der Evang. Landeskirche in Bayern an den Künstler aus Bad Windsheim findet am Freitag, 18. Oktober, ab 19 Uhr in der Rogate-Kirche in München/Laim bei einem Festakt statt. Ausgewählte Werke Rießbecks werden zu sehen sein. Begleitend wird ein Katalog erscheinen.

    Der Kunstpreis der Evang.-Luth. Kirche in Bayern wurde 1980 vom Landeskirchenrat eingerichtet. Er kann in den Disziplinen Malerei und Grafik, Bildhauerei, Gold- und Silberschmiedekunst, Glasmalerei und Textilgestaltung vergeben werden und ist dabei offen für alle Sparten künstlerischen Schaffens.

    Ausstellungstermine:

    • Samstag, 28. September, Bamberg, Villa Dessauer, 18 Uhr: Eröffnung der Ausstellung „Natur als Argument“;

    • Sonntag, 29. September, Museum Michael Morgner, Soest, 11 Uhr: Vernissage der Auswahlausstellung zum Morgner-Preis;

    • Donnerstag, 24. Oktober, München: Ausstellungseröffnung in der Galerie an der Pinakothek der Moderne.

    Gerhard Rießbeck wurde 1964 in Lichtenfels geboren. Seinen Lebens- und Schaffensmittelpunkt hat der Maler in Bad Windsheim. Von dort aus führten ihn Reisen nach Norwegen, Island, Grönland, Kamtschatka und Spitzbergen. Foto: Rießbeck

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