• aktualisiert:

    BREITBRUNN

    Lassen Mobilfunkstrahlen Bäume sterben?

    Sie stehen überall und es sollen noch mehr werden, um ein wirklich lückenloses Netz zu schaffen: Mobilfunkmasten. Sie sorgen dafür, dass wir an den meisten Orten störungsfrei mit dem Handy telefonieren können. Allerdings gibt es noch Lücken – beispielsweise in Breitbrunn.

    170 von rund 700 Breitbrunnern finden das auch gut so, denn sie treibt die Angst um, dass die Sender gesundheitliche Schäden verursachen könnten. Die weißen Flächen in der Netzabdeckung der Mobilfunkanbieter sind die letzten Rückzugsgebiete für Menschen, die unter Elektrosensibilität beziehungsweise Elektrohypersensibilität leiden, war jüngst auf einer Versammlung zu dem Thema zu hören.

    Unterschriften gegen Sendemast

    Eine Anfrage der Telekom nach einem geeigneten Standort für einen Sendemast an die Gemeinde Breitbrunn veranlasste Christiane Zettelmeier, Unterschriften gegen die Aufstellung eines Senders zu sammeln, und eine Informationsveranstaltung zu diesem Thema zu organisieren.

    Mobilfunksender strahlen zwar nicht direkt an unserem Ohr, wie ein Handy, aber sie strahlen rund um die Uhr. Ob die permanente Bestrahlung eine Gefahr für den Menschen darstellt, möglicherweise sogar Krebs erregen kann, ist umstritten. Auch Bürgermeisterin Gertrud Bühl, die die Bürger von Breitbrunn im Amtsblatt Ende Juni von dem Ansinnen der Telekom, in der Gemeinde einen Sendemast zu platzieren, informiert hat, möchte den Mast nicht unbedingt direkt im Ort haben. Sie hat auch keine gemeindeeigenen Gebäude oder Flächen angeboten.

    Inwieweit Baumschäden und gesundheitliche Beschwerden auf die hochfrequenten elektromagnetischen Felder – also Mobilfunkstrahlung – zurückzuführen sind, könne sie aber nicht beurteilen, stellt Bühl fest. Was sie wisse, sei, dass die Bäume grundsätzlich wegen des Klimawandels und vor allem derzeit unter der großen Trockenheit leiden.

    Veränderungen festgestellt

    Der Vortrag der Medizinerin Dr. Cornelia Waldmann-Selsam im Gemeindezentrum in Breitbrunn am Donnerstag vergangener Woche, sollte die Breitbrunner jedenfalls aufrütteln. Die Ärztin, befasst sich seit geraumer Zeit mit dem Thema. Anlässlich ärztlicher Hausbesuche bei erkrankten Anwohnern von Mobilfunksendeanlagen sei ihr aufgefallen, dass häufig gleichzeitig mit den Krankheitssymptomen der Menschen auch Veränderungen an den Bäumen im Umkreis feststellbar waren. Diese wiesen laut Waldmann-Selsam auf schädliche Einflüsse durch Mobilfunksendeanlagen hin.

    Zwischen den Jahren 2007 und 2013 wurde der Zustand der Bäume an 620 Mobilfunkstandorten dokumentiert. Im Strahlungsfeld der Sendeanlagen wurde das Auftreten von Baumschäden beobachtet. Im Funkschatten von Gebäuden oder anderen Bäumen blieben die Bäume gesund, beobachtete Waldmann-Selsam.

    Ab dem Jahr 2006 wurde der Zustand einzelner Bäume fotografisch festgehalten. An einem Teil der Standorte wurden zudem Hochfrequenzimmissionsmessungen durchgeführt, führte die Ärztin aus. Ein Großteil ihrer Untersuchungen bezog sich auf den Bamberger Raum. Ihre Bilddokumentationen zeigten aber auch Beispiele aus dem Haßbergkreis. Besonders auffällig nannte sie hier Baumschäden in Haßfurt: im Umgriff des Bahnhofs, der Ritterkapelle, der Post und des Marktplatzes. Zudem wies sie auf spezifische Baumschäden in Zeil und Ebrach hin, also auf Schäden, die ihrer Meinung nach durch Mobilfunksender verursacht werden.

    Die Bilddokumentationen über mehrere Jahre sollten den Besuchern der Veranstaltung das Ausmaß der Schäden an den Bäumen deutlich machen. Diese waren laut den gezeigten Bildern, die auch durch Karten mit entsprechend eingezeichneten Sendemast-Standorten ergänzt waren, tatsächlich oft zunächst einseitig geschädigt – auf der Seite, die zum Sendemast hin zeigt.

    Die fortlaufenden Bilder zeigten, dass die Schäden nach einigen Jahren den ganzen Baum durchzogen. Etliche der von ihr dokumentierten Bäume mussten gefällt werden. Selbst im Bischofsheimer Forst ist sich die Ärztin sicher, dass anhand eines Luftbildes inzwischen Schäden am Baumbestand auszumachen sind.

    Eine Nachfrage dieser Redaktion bei dem für den Baumbestand in Haßfurt zuständigen Mitarbeiter der Stadt ergab, dass man sich bezüglich der von der Referentin aufgezeigten Bäume sicher ist, dass die Schäden mit den Mobilfunk-Sendemasten nicht in Zusammenhang stehen. Hierfür seien Klima- und Wettereinflüsse ebenso verantwortlich, wie Standortbedingungen. Für die Wasseraufnahme sei ein ausreichender, durchwurzelbarer Bodenkörper nötig; dieser sei in der Enge der Städte mit ihren Verkehrsräumen nicht immer gegeben. Bäume bräuchten für ihr Wachstum Mineralien und Spurenelemente, die nicht überall in gleicher Konzentration verfügbar sind, hieß es weiter.

    „Ungeeignete Indikatoren“

    Neben Stoffeinträgen, etwa Streusalz, gebe es natürliche Gegenspieler der Bäume, etwa einigen Insektenarten oder holzzersetzende Pilze, die nur auf eine Zutrittsmöglichkeit durch mechanische Verletzungen oder unsachgemäßen Schnitt warten. Überhaupt taugten Stadtbäume nicht im Geringsten als Indikatoren für die Schädlichkeit von Mobilfunkstrahlen, meinte der Stadt-Mitarbeiter weiter. Dafür seien sie zu kompliziert und zu vielen Faktoren ausgesetzt.

    Für jeden der, von Waldmann-Selsam fotografierten Haßfurter Bäume könne mindestens ein Grund für die Schädigung genannt werden, der um ein Vielfaches wahrscheinlicher sei, als Mobilfunkstrahlen, lautete die Stellungnahme der Stadt Haßfurt.

    Bemüht man das Internet, finden sich viele verschiedene Studien mit verschiedenen Schwerpunkten zum Thema „Mobilfunk und Strahlenbelastung“ finden. Studien, die die Unbedenklichkeit der Strahlung zeigen, sind in den Augen der einen Gefälligkeitsgutachten für die Industrie. Untersuchungen, die Gefahren nachweisen, gelten den anderen oft als blanke Panikmache.

    Unabhängige Studie gefordert

    Um Panikmache geht es Waldmann-Selsam aber nicht, wie sie betont. Ihr Ziel sei es, dass endlich eine unabhängige und umfassende Studie dazu durchgeführt wird. „Man kann diese deutlichen Anzeichen doch nicht einfach ignorieren. Den Hinweisen muss man doch nachgehen“, ereifert sie sich.

    Bisher seien allerdings alle diesbezüglichen Anfragen an die betreffenden Stellen entweder mit dem Vermerk, dass die Hinweise nicht ausreichten, abgelehnt worden, oder man habe gar keine Reaktion erhalten. „Jedenfalls wurden wegen dieser Gefährdung Ministerpräsident Markus Söder, Umweltminister Marcel Huber und der Präsident der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Olaf Schmidt, im Juni 2018 erneut angeschrieben“, berichtet Waldmann-Selsam.

    Bearbeitet von Stefanie/Rudi Brantner

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!