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    Leserforum: Zeil kann sich nicht am Allianzbad beteiligen

    Das Zeiler Hallenbad ist geschlossen. Foto: Johanna Heim

    Ein Hallenbad in Eltmann ist vielleicht wünschenswert. Es stellt sich jedoch die dringende Frage, wer dies bauen sollte.

    Sieht man sich die Finanzlage der Stadt Zeil an, so weist der Haushaltsplan für 2019 einen Schuldenstand von 6 Millionen aus. Allein in diesem Jahr sind für die Zurückzahlung 737 000 Euro aufzuwenden. Es gehen also fast die ganzen Gewerbesteuereinnahmen von ca. 1 Million Euro für den Schuldendienst drauf.

    Die Stadt Eltmann hingegen hat fast fünfmal so viel Gewerbesteuereinnahmen (ca. 4,8 Millionen Euro) und einen Schuldenstand von nur 2,3 Millionen Euro.

    Außerdem bekommt Zeil Stabilisierungshilfe vom Freistaat in Millionen-Höhe, um seine eigentlichen Aufgaben bestreiten zu können. Ohne diese Hilfe wären zum Beispiel die Ausbesserungsarbeiten an den maroden Straßen nicht möglich gewesen und Zeil schon quasi „bankrott“. Um die Stabilisierungshilfe zu bekommen, war Zeil gezwungen, sein Hallenbad zu schließen (selbstverständlich hätte es auch saniert werden müssen). Sollen auch noch die Bibliothek und die Grünschnittdeponie, beides freiwillige Leistungen der Stadt, geschlossen werden?

    Zeil hat einen großen Sanierungsstau. Der Putz am Rathaus bröckelt und muss mit Netzen stabilisiert werden. Es fehlt das Geld für die Sanierung des Rathauses, unter anderem Schaffung eines behindertengerechten Zugangs sowie des Brandschutzes. Die Mehrzweckhalle hat Sanierungsbedarf, das Caritashaus für Kindergartenplätze muss saniert werden. Die maroden Straßen müssten ausgebessert werden und die Sanierungskosten der Umgehungsstraße, falls von der Stadt zu tragen, sind überhaupt nicht absehbar. Vielleicht sollte man auch den Breitensport (vor allem auch für die Kinder) unterstützen, so zum Beispiel den Turnverein für seine Sanierung der maroden Umkleidekabinen und Duschen.

    Man könnte die Liste noch lange fortsetzen.

    Wie man unter diesen Voraussetzungen auf die Idee kommen kann, dass Zeil ausgerechnet ein Hallen- und Freizeitbad in der Stadt Eltmann mit bezahlen sollte, ist völlig unverständlich.

    Neben der Beteiligung an den Erstellungskosten wäre man natürlich auch an den Unterhaltskosten beteiligt. Außerdem müssten die Zeiler Schüler mit dem Bus nach Eltmann gefahren werden, was ebenfalls erhebliche Kosten für die Stadt verursachen würde.

    Solidarität ist recht und gut. Wenn die Gemeinden, die nun dieses Allianzbad bauen wollen, in den vergangenen Jahren mit der Stadt Zeil solidarisch gewesen wären und einen Teil der Kosten mit übernommen hätten, hätte es sicherlich nicht zur Schließung kommen müssen.

    Darauf angesprochen, erklärten die Gemeindeoberhäupter, dass sie dies ihren Bürgern nicht zumuten könnten. Kann man das nun den Zeilern zumuten? Um unter anderem den Schulsport zu sichern, unterhält der Landkreis Haßberge im nördlichen Landkreis die Hallenbäder in Ebern und Hofheim. Die Stadt Haßfurt wird insoweit von der „Welle“ versorgt. (Nebenbei: die Stadt Haßfurt hat Gewerbesteuereinnahmen von 18 Millionen bei nur 4 Millionen Schulden).

    Es wäre also eine Aufgabe des Landkreises, zur Schaffung möglichst gleicher Verhältnisse im Kreis auch den südlichen Landkreis entsprechend zu versorgen und das Hallenbad in Eltmann zu bauen. Auch so wäre Zeil solidarisch dabei. Immerhin hat Zeil jährlich 2,4 Millionen Euro Kreisumlage an den Landkreis zu zahlen.

    Da Zeil anders als Eltmann (kreiseigene Turnhalle) keine Kreiseinrichtung hat, ist dies wohl solidarisch genug, zumal Eltmann nur die gleiche Kreisumlage bezahlt.

    Zeil hat jahrelang um sein Hallenbad, welches zu 70 Prozent von Bürgern der umliegenden Gemeinden besucht wurde, gekämpft, um nicht zuletzt auch den Kindern aus dem ganzen Landkreis das Schwimmen-Erlernen zu ermöglichen. Insoweit war Zeil also immer solidarisch.

    Um der Stadt Zeil die Beteiligung an diesem „Allianzbad“ zu versagen, sollte ein Bürgerbegehren gestartet werden mit dem Ziel, einen Bürgerentscheid über diese Frage herbeizuführen.

    Günter Schuster

    Zeil

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    Bearbeitet von Beate Hußlein

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