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    RENTWEINSDORF

    Lkw-Fahrer wegen vier Mordversuchen angeklagt

    Eine der spektakulärsten Verfolgungsjagden quer durch Franken hat ihr Nachspiel vor Gericht: Im Drogenrausch floh im Januar ein LKW-Fahrer mit seinem Scania vor einer Kontrolle. Er rammte Streifenwagen, walzte andere Autos nieder, die ihm im Weg standen – ehe ein Hubschrauber ihn stoppte. Nun ist der Fahrer wegen vierfachen Mordversuchs angeklagt.

    Erster Auftrag für neuen Arbeitgeber

    Es war der zweite Arbeitstag und der erste Auftrag für seinen neuen Arbeitgeber, den der 38-Jährige offenbar gleich gründlich vermasselte: Er sollte – wie die Polizei später herausfand – mit einer Scania-Zugmaschine für die Spedition aus dem niedersächsischen Verden einen Container mit verpackten Maschinenteilen aus Oberösterreich nach Hamburg bringen.

    Nicht zu stoppen

    Aber auf der A 73 bei Erlangen bekamen es andere Verkehrsteilnehmer, deren Weg er kreuzte, nachts mit der Angst zu tun: Gegen 21 Uhr alarmierten sie die Polizei: Der Scania war nach einem Zusammenstoß mit Unfallflucht ohne Licht auf der Autobahn unterwegs und fuhr Schlangenlinien.

    Eine halbe Stunde später wollten ihn Polizisten stoppen. Doch die tonnenschwere Zugmaschine ließ sich nicht aufhalten. Er verließ die Autobahn und fuhr auf verschiedenen Bundesstraßen weiter. Von der Polizei in einer Sackgasse umstellt, wendete er und demolierte dabei parkende Autos und zwei Streifenwagen. Außerdem verletzte er mehrere Polizisten, einen davon schwer.

    Rücksichtslos freie Bahn verschafft

    Der 38-Jährige verschaffte sich rücksichtlos freie Bahn, indem er mit seinem Gespann gegen zum Teil noch besetzte Streifenwagen fuhr. Dann setzte er seine Flucht durch vier Landkreise fort, auf der Bundesstraße 4 über Mürsbach im Landkreis Bamberg und Rentweinsdorf im unterfränkischen Landkreis Haßberge, wo er durch seine Fahrt in Schlangenlinien weitere Verkehrsteilnehmer gefährdete. In der Nähe von Hafenpreppach steuerte er seinen Lastwagen auf der B 303 offenbar absichtlich gegen ein bereits stehendes Auto auf der Gegenfahrbahn, der Fahrer wurde glücklicherweise nur leicht verletzt.

    Verfolgungsjagd

    Nachdem er bei Weitramsdorf im Landkreis Coburg gegen eine Leitplanke geprallt war, fuhr das Gespann ohne Beleuchtung auf der B4 als Falschfahrer ein Stück in Richtung Untersiemau zurück. Mehrere Polizeifahrzeuge folgten dem Lastwagen ins Stadtgebiet Coburg.

    Hubschrauber blendete ihn

    Ein herbeigerufener Polizeihubschrauber konnte den Lkw-Fahrer gezielt mit einem Scheinwerfer blenden und zum Anhalten zwingen. Polizisten schlugen die Scheibe an der Beifahrerseite des Führerhauses ein, zerrten den Fahrer ins Freie und nahmen ihn fest.

    „Bei dem Mann handelt es sich um einen 38-Jährigen aus Schleswig-Holstein,“ sagte ein Polizeisprecher. „Nach bisherigen Erkenntnissen stand er unter dem Einfluss von Drogen.“ Fünf Personen wurden verletzt, der Sachschaden geht in den sechsstelligen Eurobereich.

    Der Mann soll in Coburg, wo er festgenommen wurde, vor Gericht kommen. Ein Termin steht noch nicht fest.

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