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    BAMBERG

    Marihuana in Zeil und Ebelsbach an Minderjährige verkauft

    Dass die deutsche Justiz bei Cannabis-Missbrauch – anders als in Afghanistan – hart durchgreift, musste am Montag ein 21-jähriger Afghane am eigenen Leib erfahren. Weil er im Raum Zeil und Ebelsbach Marihuana im größeren Stil auch an Minderjährige verkauft hat, verurteilte das Landgericht den Auszubildenden aus dem Maintal am zweiten Verhandlungstag zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und zwei Monaten. Gleichzeitig wurde die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet, weil der Angeklagte laut Gutachten „psychisch abhängig“ von der Droge ist.

    Wie bereits berichtet, legte die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten insgesamt sieben Anklagepunkte zur Last. In einem Fall soll der 21-Jährige in Begleitung zweier minderjähriger Mädchen in Nürnberg 1000 Gramm Marihuana gekauft haben. 500 Gramm davon verkaufte er dann einem Abnehmer im Landkreis für 2300 Euro. Einem damals 13-jährigen Schüler verkaufte er laut Anklage in mindestens 17 Fällen jeweils ein bis zwei Gramm Marihuana in der Nähe eines Supermarktes in Zeil, wobei dem Angeklagten das Alter seines Kunden laut Anklage bekannt war.

    Am 2. Juli vergangenen Jahres verkaufte er auf dem Parkplatz eines Zeiler Supermarktes zehn Gramm Marihuana. Dabei half ihm eine damals 16-Jährige, die das Rauschgift in einem Tütchen in ihrem Büstenhalter transportierte und es auf Aufforderung des Angeklagten herauszog und dem Käufer übergab. Der Angeklagte benutzte die 16-Jährige als Transportmittel für das „Gras“, damit es bei einer etwaigen Personenkontrolle nicht gefunden wird.

    Bei mindestens zwei weiteren Gelegenheiten engagierte der Angeklagte eine damals 17-Jährige, um für ihn kleinere Mengen Marihuana in ihrem BH zu transportieren.

    Vor Gericht räumte der Angeklagte den Großteil der Vorwürfe ein, bestritt aber, das wahre Alter seines 13-jährigen Kunden gekannt zu haben. Er habe ihn auf 17 bis 18 Jahre alt geschätzt und ihm höchstens drei bis vier Mal etwas verkauft.

    Anders lautete die Aussage des heute Vierzehnjährigen vor Gericht. Der Angeklagte habe ihm mehr als 20 Mal Marihuana verkauft, sagte er. Der Angeklagte habe irgendwann gewusst, dass er erst 13 Jahre alt war. Trotzdem habe er ihm auch dann noch „Gras“ verkauft und teilweise zusammen mit ihm geraucht, sagte der 14-Jährige.

    Die damals 17-jährige Komplizin machte als Beschuldigte von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, weshalb das Gericht den Vorwurf 28 gemeinsamer Verkaufsaktionen einstellte, weil er ohne die Aussage der Zeugin nicht zu beweisen war.

    Auf die Schliche kam die Polizei dem Angeklagten durch einen seiner Mitbewohner, der sich von „Cannabis-Runden“ und dem Qualm von Joints in der gemeinsam bewohnten Wohnung gestört fühlte und am 1. Mai vergangenen Jahres die Polizei anrief.

    Nach Deutschland sei der Angeklagte im Jahr 2015 über die Balkan-Route geflüchtet, weil er die Zusammenarbeit mit den Taliban verweigert habe und daher von ihnen mit dem Tod bedroht worden sei. Er habe sich bislang nichts zu Schulden kommen lassen, was ihm der Staatsanwalt in seinem Plädoyer zugute hielt.

    Negativ ins Gewicht fielen jedoch die große Anzahl an Delikten in kurzer Zeit sowie der Verkauf von Drogen an Minderjährige, weshalb der Anklagevertreter eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren forderte.

    Verteidiger Thomas Drehsen hielt vier Jahre Haft für ausreichend. Sein Mandant habe das Alter seines damals 13-jährigen „Kunden“ nicht wissen können, warf er ein. Zudem habe er Namen von Hintermännern genannt und wolle das Drogenkapitel in seinem Leben beenden.

    Der Angeklagte sagte, er schäme sich für den „größten Fehler meines Lebens“ und darüber, seine Betreuer, die als Zuschauer den Prozess verfolgten, enttäuscht zu haben.

    Richter Markus Reznik sagte in seiner Urteilsbegründung, es habe der Strafkammer missfallen, dass der Angeklagte sein Gastrecht missbraucht und Drogen im Umfeld von Kindern und Jugendlichen verkauft habe. Cannabis gelte in Deutschland als eine Droge, im Gegensatz zu Afghanistan, wo es wie Tabak konsumiert werde. 5630 Euro aus den Drogengeschäften würden als „Wertersatz“ eingezogen. Das Urteil ist rechtskräftig. (msch)

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