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    HAßFURT

    Meinung: Die Stromtrasse P44 ist weg, Fragezeichen bleiben

    Es wird weiterhin nur eine geben – eine Höchstspannungsleitung und zwar die 380-KV-Trasse im Maintal. Die geplante Hochspannungsleitung P44 ist von der Energiepolitik bleibt dem Landkreis Haßberge damit ebenso erspart wie möglichen anderen Regionen im Planungskorridor. Foto: René Ruprecht

    Da ist mal eine Überraschung. Und für den Landkreis Haßberge eine gute obendrein. Die „Stromautobahn“ P44 wird nun doch nicht gebaut. Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, hat die Höchstspannungsleitung vom thüringischen Schalkau bis nach Grafenrheinfeld jetzt in Einklang mit seinen Länderkollegen in Thüringen, Hessen und Bayern aus dem Netzausbauplan gestrichen. Das ist eine wunderbare Nachricht für alle besorgten Haßbergler, die befürchten mussten, dass alsbald neben der 380-Kilovolt-Freileitung im Maintal eine weitere gewaltige Stromtrasse die Heimat brutal zerschneidet.

    Es ist aber auch eine Nachricht, die nachdenklich macht. Wieso in aller Welt ist die P44 plötzlich überflüssig? Neben dem Südlink galt die „Thüringer Strombrücke“ doch als weitere unerlässliche Stromautobahn, um Energie aus Windparks in Norddeutschland in den Süden der Republik zu befördern. Damit auch dort die Wende zu atomenergiefreiem Strom gelingt.

    Südostlink übernimmt...

    Der über die jüngste Entwicklung höchst erfreue Stimmkreisabgeordnete Steffen Vogel verriet dieser Redaktion am Dienstag den Grund für den plötzlichen Trassen-Tod: Die technische Entwicklung mache auch vor der Strombranche nicht halt. Die Leitungen von morgen können viel mehr Energie transportieren als gestern gedacht. Und genau das sei bei der geplanten Erdkabelleitung Südostlink zwischen Magdeburg und Landshut der Fall, betonte Vogel. Ihre Kapazität wird verdoppelt, das reicht offenbar allemal, um von P44 die Finger zu lassen.

    Und was ist mit der dezentralen Energieversorgung?

    Das klingt sehr schön. Und freilich dürfen sich jetzt alle Bürgerinitiativen, Lokalpolitiker und Abgeordneten in denen von der geplanten Trassenführung betroffenen Regionen, die gegen P44 gekämpft haben, über ihren Erfolg freuen. Aber es bleibt das Stirnrunzeln zurück, wie durchdacht eigentlich die Energiewende, mithin die nationale Stromversorgung ist, wenn mir-nichts-dir-nichts die einen Hauptleitungen aufgepimpt und die anderen einfach gestrichen werden können. Und was wird eigentlich aus dem Leitbild der dezentralen Energiegewinnung, sprich der Selbstversorgung der Regionen mit einem jeweils an die örtlichen Gegebenheiten angepassten Mix aus regenerativen Energien? Auch der Wegfall „Thüringer Strombrücke“ ändert nichts daran, dass Bayern an der norddeutschen Steckdose hängt, statt intelligent nach Autarkie zu streben – eine Situation, die sich noch verschärfen wird, wenn immer mehr Elektroautos im Freistaat fahren.

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