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    Haßfurt

    Mit dem Wasserstoffbus nach Haßfurt zum Einkaufen?

    Wasserstoff ist die Zukunft. Haßfurt hat beizeiten auf diese Technologie gesetzt. Was läge da näher als die Einführung eines Wasserstoffbusses als ÖPNV-Ergänzung.
    Ein Brennstoffzellen-Hybridbus der Stuttgarter Straßenbahnen AG fährt im Probebetrieb in Stuttgart. Ein Wasserstoffbus für die Anbindung der Haßfurter Stadtteile an die Innenstadt oder das Gewerbegebiet Godelstatt würde zwar eine Nummer kleiner ausfallen, aber der Kreisstadt als "Smart Green City", die selbst über ihre Power-to-Gas-Anlage Wasserstoff herstellt, gut zu Gesicht stehen. Foto: Marijan Murat

    Anfang September durfte sich Bürgermeister Günther Werner freuen. Die Stadt Haßfurt bekam vom Bundesinnenministerium eine Zusage für Fördergelder im Rahmen des Modellprojektes "Smart City". Ein Zuschuss in Höhe von 11,362 Millionen Euro tut jeder Kommune gut. So kann die Kreisstadt ihre Modell-Vorhaben mit 65 Prozent Förderung umsetzen. Um sich für das Projekt „Smart Cities“ zu bewerben, hatte die Kreisstadt ein Strategiepapier vorgelegt und darin als Alleinstellungsmerkmal das Ziel einer „Smart Green City“ ausgegeben, da sie sich bereits auf dem besten Weg dahin befindet. Im Jahre 2018 hat das Stadtwerk Haßfurt bereits 87 Millionen Kilowatt an grünem Strom aus Windkraft, Photovoltaik, mit der Biogasanlage und durch Kraft-Wärme-Kopplungen erzeugt. Außerdem läuft das Wasserstoff-Blockheizkraftwerk.

    „Grüner“ Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft

    Zu den Schlüsseltechnologien für ein integriertes, klimafreundliches Energiesystem einer "Smart Green City" zählen digitale Lösungen sowie Energiespeicher zur Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Mobilität und zur bedarfsgerechten Steuerung der Energieflüsse. Insbesondere „grüner“ Wasserstoff gilt aufgrund seiner vielfältigen Einsatzmöglichkeiten als Energieträger der Zukunft. Als Speichermedium von überschüssigem Ökostrom oder als Kraftstoff für Brennstoffzellen ebnet regenerativ erzeugter Wasserstoff den Weg für eine CO2-neutrale Mobilität und Energieversorgung. 

    Andere Personenströme als in der Großstadt

    Während Haßfurt in der Entwicklung zu einer 100-prozentigen Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien über alle Energiesektoren hinweg bundesweit eine Vorreiterrolle einnimmt, hinkt der Öffentliche Personen Nahverkehr (ÖPNV) etwas hinter dieser Entwicklung einher. Was in einer Kleinstadt aber nicht verwundert, "da die Personenströme hier völlig anderer Natur sind als in einer Großstadt", so Stadtwerk-Geschäftsführer Norbert Zösch  im Gespräch mit dieser Redaktion. Zösch erinnert in dem Zusammenhang an eine Lösung, die der Landkreis Bamberg seinen Bürgern abiete. Der Landkreis habe dort jeder Kommune ein Elektrofahrzeug BMW i3 zur Verfügung gestellt. Da ein privater Pkw im Schnitt 23 Stunden pro Tag ungenutzt herumstehe, bieten die Regionalwerke Bamberg ein kostengünstiges und unkompliziertes Carsharing für Bürger des Landkreises Bamberg an: Mit Handy und Kundenkarte können die flotten Elektroautos mit 280 Kilometer Reichweite auch kurzfristig reserviert und flexibel genutzt werden. An 17 Standorten in den Gemeinden des Landkreises geparkt, stehen sie den Bürgern 24 Stunden pro Tag zur Verfügung.

    Bürgermeister Günther Werner (rechts) und Norbert Zösch, Geschäftsführer des Stadtwerks Haßfurt, machen sich stark für den Bau einer Wasserstoff-Tankstelle in der Kreisstadt. Dazu müssen weitere Fördertöpfe aufgetan werden. Foto: Wolfgang Sandler

    Das könne der Landkreis Haßberge verständlicherweise nicht leisten. Das Modell kommunaler Wasserstoffbus als Ergänzung zum bestehenden Mobnilitätskonzept, so Zösch, steht und fällt aber natürlich mit der Einrichtung einer Wasserstofftankstelle. "Wenn man hier eine 65-prozentige Förderung erhalten könnte", so der Stadtwerk-Chef, "wäre der Stadtrat wohl eher bereit, grünes Licht zu geben." Und Bürgermeister Werner ergänzt, dass eine solche Tankstelle derzeit immerhin 1,5 Millionen Euro kostet. Haßfurt ist über den Landkreis Haßberge an die ÖPNV-Netze in Nürnberg und Würzburg angeschlossen. Es nütze demzufolge natürlich wenig, wenn dann nur in Haßfurt eine Wasserstofftankstelle existiere, die Busse in Nürnberg oder Würzburg aber nicht aufgetankt werden könnten. 

    "Wenn ein solcher Bus nicht autonom fahren soll, braucht man zwei bis drei Fahrer, um den Betrieb sicherzustellen."
    Günther Werner, Bürgermeister

    "Außerdem", ergänzt Bürgermeister Günther Werner, "kann die Stadt Haßfurt alleine so ein Projekt nicht stemmen. Dazu muss der Landkreis mit ins Boot." Das Hauptproblem sieht Bürgermeister Werner jedoch nicht in der Höhe der Investition, die ein Wasserstoffbus mit sich bringt, sondern in den Personalkosten. "Wenn ein solcher Bus nicht autonom fahren soll, was nach derzeitiger Gesetzeslage nicht möglich ist, braucht man zwei bis drei Fahrer, um den Betrieb sicherzustellen." Um weitere Fördergelder für eine Wasserstofftankstelle zu bekommen, hatte sich die Stadt Haßfurt außerdem zusammen mit 84 anderen Kommunen bundesweit auch um die Fördermaßnahme "HyLand - Wasserstoffregionen in Deutschland" des Bundesverkehrsministeriums beworben. "Heuer sind wir nicht berücksichtigt worden", so Günther Werner. Diesmal war es  ein Ziel der Auswahl, ein breites Spektrum von kommunalen Ausgangssituationen abzustimmen. Es wurde aber signalisiert, so Werner, dass sich Haßfurt durchaus wieder bewerben könne.

    "Wir wollen lieber heute als morgen klimafreundlich unterwegs sein."
    Andreas Scheuer, Bundesverkehrsminister

    Bundes-Verkehrsminister Andreas Scheuer lässt auf der zu dem Projekt seines Ministeriums gehörenden Webseite keinen Zweifel an der Bedeutung von Wasserstoff als moderner Energieträger:"Wir wollen lieber heute als morgen klimafreundlich unterwegs sein. Wasserstoff-Mobilität erfüllt genau das: Tanken in drei Minuten mit einer Reichweite von 500 bis 700 Kilometern. Wichtig ist jetzt, dass ausreichend Tankstellen bundesweit verfügbar sind. Deshalb unterstützen wir neun Regionen bei der Konzeptentwicklung und beim Aufbau eines Akteurs-Netzwerk vor Ort. Nur mit diesen Vorbildregionen schaffen wir, dass bald bundesweit grüner Wasserstoff im Tank ist." Dabei wäre eine Tankstelle für Lkw und Busse in Haßfurt bereits möglich. "Denn 200 Bar könnten wir jetzt schon bieten. Für Pkw werden aber 600 Bar benötigt", so Werner. Dafür benötigte man dann doch die teure Tankstelle.

    Fahrplan oder Ruf-App?

    Bei aller Euphorie über die Fortschritte in der Wasserstofftechnologie vermisst Norbert Zösch hier ein Gesamtkonzept für die Nutzung im ÖPNV. Dabei besitze Wasserstoff seiner Ansicht nach gerade auf der Langstrecke oder in Lastwagen, Bussen, eventuell auch in Schiffen deutliche Vorteile aufgrund seiner besseren Speichermöglichkeit als Strom. Im Nahverkehr hingegen sieht Zösch Vorteile beim Elektrofahrzeug. Daneben gebe es verschiedene Modelle, hier einen kommunalen ÖPNV als Ergänzung zu den großen Systemen zu installieren. Lässt man einen solchen Kleinbus nach einem festen Fahrplan kursieren oder per Ruf-App individuell je nach Bedarf steuern?

    Die ideale Ergänzung des lokalen Verkehrs

    Norbert Zösch sieht trotz aller Anlaufschwierigkeiten für einen wasserstoffangetriebenen Kleinbus "zur Ergänzung des lokalen Verkehrs" dennoch eine Zukunft. "Er wird kommen", so der Stadtwerk-Chef. Die Frage wird sein, in welcher Form so ein Bus auf welcher Strecke verkehren wird. Vielleicht gibt es dann ja aber auch eine App, die verschiedene Faktoren wie Zeit, Geld und die ideale Route selbst hier auf dem Land auf einen gemeinsamen Nenner bringt.

    Wasserstoff ist sauber, sicher und nahezu unbegrenzt verfügbar. Tatsächlich ist es das häufigste chemische Element im Universum. Das bedeutet, dass sich Wasserstoff aufgrund seines derart reichen Vorkommens stets auch lokal gewinnen lässt. Als Kraftstoffquelle ist die Energieumwandlung von Wasserstoff zwei- bis dreimal effizienter als bei herkömmlichen Motoren, das heißt es kann mit weniger Kraftstoff eine weitere Strecke gefahren werden. Zudem fällt als Abfallprodukt lediglich Wasser an. Wasserstoffbetriebene Fahrzeuge emittieren kein CO2 und auch keine anderen schädlichen Gase wie flüchtige organische Verbindungen, Kohlenmonoxid und Stickoxide. Foto: Getty Images/iStockphoto

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