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    KREIS HAßBERGE

    Museumstag: Spannend, lehrreich, aber nicht immer gut besucht

    Mit ihrer historischen Feuerwehrspritze beteiligte sich die Feuerwehr Eltmann am Museumstag.
    Mit ihrer historischen Feuerwehrspritze beteiligte sich die Feuerwehr Eltmann am Museumstag. Foto: Sabine Weinbeer

    Den Internationalen Museumstag gibt es seit dem Jahr 1978. Immer am zweiten oder dritten Sonntag im Mai öffnen zu diesem Anlass verschiedene Museen ihre Pforten, um auf ihre Vielfalt und Bedeutung hinzuweisen. Auch im Landkreis Haßberge beteiligten sich in diesem Jahr wieder zahlreiche Einrichtungen. Der Internationale Museumstag stand diesmal unter dem Motto: „Museen – Zukunft lebendiger Traditionen“.

    In Eltmann eröffnet der Verein für Heimatgeschichte alljährlich die Museumssaison an diesem Tag. Das Museum in der Brunnenstraße bietet eine Reise in die Vergangenheit und Geschichte zum Anfassen, was viele Besucher gerne nutzten.

    Die Ansprechpartner vom Verein waren leicht zu erkennen, denn diesmal hatten sie sich historisch gewandet. So gab es Edeldamen, Marktfrauen, Edelmänner, Bogenschützen oder Kaufleute, die die Fragen der Gäste fachkundig beantworteten, aber auch Kaffee und Kuchen kredenzten oder Kinder schminkten.

    Ausnahmsweise gut besucht

    Museumsleiter Willi Lediger strahlte über das ganze Gesicht, denn das Interesse war groß. Das sei nicht immer so. Der Verein ist zwar auf anderen Gebieten der Geschichtsforschung sehr aktiv, der Besuch im Museum ließ die vergangenen Jahre aber stark nach. Deshalb, und weil den ehrenamtlichen Helfern die Sonntagnachmittage ohne Besucher zu entmutigend waren, gibt es derzeit Führungen im Museum nur nach Voranmeldung – „dann aber gerne und zu allen denkbaren Zeiten“, so Lediger. Anfragen können im ritz oder bei ihm selbst unter Tel. (0 95 22) 10 00 gestellt werden.

    Viele Gäste des Museumsfestes waren sehr überrascht, wie viele spannende Geschichten die Ausstellungsstücke im Museum zu erzählen haben. „Wie gibt es das, dass da so wenige kommen?“ fragte einer, um sich gleich darauf einzugestehen, dass er an diesem Tag auch zum ersten Mal im Museum war.

    Auch die Feuerwehr beteiligte sich mit einer Geräteschau am Marktplatz, wo mit Muskelkraft das Wasser für das Zielspritzen geliefert wurde.

    Der Bibelkeller in Haßfurt ist kein Museum im eigentlichen Sinn, dennoch beteiligte sich der Verein „Bibelwelten“ am Museumstag. Zur Freude der Verantwortlichen schaute erstmals auch Landrat Wilhelm Schneider vorbei. Wegen des Auferstehungsbildes von Lisa Wölfel, das kürzlich als Ergänzung der Dauerausstellung „Auf der Spur von Jesus“ vorgestellt wurde, sei er neugierig geworden auf den Bibelkeller, der direkt neben dem Landratsamt liegt. Vera Braun, die regelmäßig Gruppen durch die interaktive Ausstellung begleitet, und die Vorsitzende von Bibelwelten, Pfarrerin Doris Otminghaus, freuten sich über das Interesse des Landrats, der sich sehr beeindruckt zeigte – auch von der Begeisterung, mit der die ersten Kinder auf die Stadt-Rallye gingen.

    Angeklagt aus Neid und Hass

    Spannend, gruselig und lehrreich waren laut einer Pressemitteilung des „Zeiler Hexenturms“ die beiden ausgebuchten Kinderführungen im Dokumentationszentrum. Los ging es mit einem Einführungsvortrag von Monika Schraut. Als Mitarbeiterin im „Zeiler Hexenturm“ erläuterte sie den Kindern den Unterschied zwischen der Märchenhexe, der volkskundlichen Hexe und den Truden und Trudnern, die aus Angst, Neid und Hass als Hexen und Hexer angeklagt wurden.

    Dann besuchten die Kinder das Obergeschoss des Dokumentationszentrums, wo sie das Tagebuch von Johann Langhans kennenlernten, der seine schrecklichen Erlebnisse aufgeschrieben hatte. Das Verlies im Hexenturm war die nächste Station, was den Kindern klar machen sollte, dass solche Dinge nie wieder geschehen dürfen. Mit etlichen neuen Ideen, wie man üble Nachrede, Mobbing und unfaires Handeln verhindern kann, verließen die Kinder den Hexenturm.

    Gegenüber, im Keller der ehemaligen Zehntscheune, lauschten die Kinder dann der spannenden Geschichte von der kleinen Hexe Sophie. Der Zeiler Rainer Baumgärtner hat sie verfasst. Lilly und Leo Dellert lasen sie zusammen mit dem Autor vor. Sein Anliegen war es, die Kinder zu ermutigen, trotz Angst auf ihr Gespür zu vertrauen und zu wissen, dass es zu allen Zeiten auch Menschen mit Herz und Mitgefühl geben wird.

    In Königsberg hatte die Regiomontanusausstellung in der ehemaligen Neuapostolischen Kirche am Salzmarkt geöffnet. Allerdings fanden nur wenige Besucher den Weg in die Ausstellung, die in vielen Bildern, Schriftstücken und Objekten das Leben des berühmtesten Sohnes der Stadt zeigt. Johannes Müller, der später latinisiert Regiomontanus genannt wurde, wurde 1436 in Königsberg geboren und starb 1476 in Rom. Dort ist er auf dem Deutschen Friedhof begraben. Regiomontanus gilt als ein Wegbereiter des neuen Weltbildes. Auch Besucher aus dem Nürnberger Raum zeigten sich beeindruckt von der Ausstellung.

    Aus der Geschichte der Feuerwehr

    Auch das Feuerwehrmuseum in Mechenried öffnete zum Museumstag seine Pforten. Reiner Schuster führte die Besucher durch die umfangreiche Sammlung im Obergeschoss der denkmalgeschützten Alten Schule des Riedbacher Ortsteiles. Schwerpunkt ist die Präsentation von rund 150 historischen Feuerwehrhelmen, von der Kaiserzeit bis zur Neuzeit. Neben historischen Feuerwehrutensilien wird auch der technische Wandel bei der Brandbekämpfung bis zur Neuzeit vermittelt.

    Im Riedbacher Ortsteil Kleinsteinach war zum Museumstag neben dem Museum jüdische Lebenswege auch das Kommunikationsmuseum geöffnet und verzeichnete regen Zulauf. Zusammen mit dem bereits verstorbenen Heinz Schüll hatte Wolfgang Theißen das Museum vor über 20 Jahren ins Leben gerufen. Radiobastler Schüll hatte seine Sammlung von frühzeitlichen Radiogeräten zur Verfügung gestellt. Weiter zeigt das Museum die Entwicklung der Radiotechnik von den Anfängen bis zum „Volksempfänger“ der Nazi-Zeit, im Volksmund auch „Goebbels-Schnauze“ genannt.

    Neben den Röhrenradios deutscher Hersteller aus der Wirtschaftswunderzeit umfasst die Gerätesammlung auch die moderneren tragbaren Transistorradios, angefangen von den 1960er bis zu den 1990er Jahre. Zudem steht ein Querschnitt von verschiedenen Diabild- und Tonfilmprojektoren in den Regalen, ebenso wie Telefone aus verschiedenen Zeiten.

    Monika Schraut erläutert den aufmerksamen Kindern die Abläufe im ehemaligen Hexenverlies.
    Monika Schraut erläutert den aufmerksamen Kindern die Abläufe im ehemaligen Hexenverlies. Foto: Rainer Baumgärtner
    In Königsberg hatte am Museumstag die Regiomontanusausstellung in der ehemaligen Neuapostolischen Kirche geöffnet.
    In Königsberg hatte am Museumstag die Regiomontanusausstellung in der ehemaligen Neuapostolischen Kirche geöffnet. Foto: Gerold Snater
    Schwerpunkt des Feuerwehrmuseums in Mechenried ist die Präsentation von rund 150 historischen Feuerwehrhelmen.
    Schwerpunkt des Feuerwehrmuseums in Mechenried ist die Präsentation von rund 150 historischen Feuerwehrhelmen. Foto: Ulrich Kind
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