• aktualisiert:

    BUNDORF

    Nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben

    Maximilian Freiherr Truchseß von Wetzhausen feiert am Montag, 3. September, seinen 90. Geburtstag. Foto: Beate Dahinten

    Heimatverbunden, belesen, zukunftsorientiert, zufrieden mit sich und seinem Leben – so zeigt sich Maximilian Freiherr Truchseß von Wetzhausen zu seinem 90. Geburtstag. „Wenn Sie mich fragen, was hätte geändert werden sollen, fällt mir nix ein. Ich bereue nichts und habe auch nicht das Gefühl, dass ich etwas verpasst habe.“

    Dabei hatte der Jubilar, geboren am 3. September 1928 in Bamberg als zweites von sieben Kindern, auch manche Herausforderung zu bestehen – Adelstitel hin, Schloss her. Die Bedrückung der Familie in der NS-Zeit zum Beispiel. Vater Dietrich, ein Offizier, war auf Distanz zu den Nazis gegangen und saß wegen der Mitwisserschaft von den Vorbereitungen auf das Hitlerattentat von August 1944 bis April 1945 im Gefängnis. Mutter Hedwig war „eine überzeugte Antifaschistin“, berichtet ihr Sohn. „In diesem Geist bin ich aufgewachsen, das hat mich geprägt.“ Die Familie ging aber nicht in den aktiven Widerstand. „Unsere Mutter hat uns gelehrt, dass man das Maul halten muss, wenn man überleben will.“

    Wirtschaftliche Not erlebt

    Während des Krieges und in den Jahren danach bekam auch die Familie Truchseß die wirtschaftliche Not zu spüren. Und als gut zwei Jahrzehnte später Maximilian Truchseß die Verantwortung für Schloss Bundorf mit dem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb sowie für die Bettenburg übernahm, lasteten eine Million Mark Schulden auf dem Familienbesitz. „Das war kee G'schäft“, sagt er auf gut Fränkisch, mit Verweis auf zwei Schlösser, die zu unterhalten waren, und auf die schlechte Bodenqualität, aufgrund derer „die Landwirtschaft hier oben nicht gesegnet“ sei.

    Die Bewirtschaftung des ab Ende der 60er Jahre viehlosen Betriebes bedeutete also eine Herausforderung – und Maximilian Truchseß nahm sie an: „Man kann nicht erwarten, dass man einen fertigen Krug bekommt. Man erhält Töpferscheibe und Lehm, um was draus zu machen.“ Als Eigentümer eines solchen Besitzes sei man kein Verwalter, sondern Unternehmer, betont Truchseß, und das lag ihm offensichtlich.

    Gab es unternehmerische Vorbilder? Er nennt seine Mutter, die während der Gefangenschaft ihres Mannes den Betrieb geführt hatte, und ihren Vater Siegfried von Rotenhan (Rentweinsdorf). Zudem war Maximilian Truchseß dank seiner land- und forstwirtschaftlichen Ausbildung gut auf seinen Beruf vorbereitet: drei Jahre Lehre, einjähriges Praktikum auf einem großen Gut in Niedersachsen, Winterschule in Haßfurt und vier Semester höhere Landbauschule in Osnabrück.

    Auch wenn er sich ursprünglich andere Berufe hätte vorstellen können – den Betrieb übernommen zu haben, erwies sich als richtig: „Ich hätte mich geohrfeigt, wenn ich es nicht gemacht hätte. Es hat Spaß gemacht, der Betrieb ist gut gelaufen, es war alles im Griff.“ Und das Ziel, den Besitz schuldenfrei weiterzugeben, hat er ebenfalls erreicht.

    Unternehmerischer Erfolg

    Den unternehmerischen Erfolg verdankt Baron Max, wie er auch genannt wird, nicht zuletzt seiner Frau Uta, geborene von Rosen, die alles mitgetragen hat. 1960 hatten die beiden in Stockholm geheiratet. Durch die Arbeitsteilung – sie kümmerte sich um das Haus, die fünf Kinder, und den Garten – hatte er den Rücken frei, auch für eine ganze Reihe von Ämtern: unter anderem war Truchseß Gründungsmitglied und langjähriger Vorsitzender des Maschinenrings, der Einkaufsgenossenschaft und der Forstbetriebsgemeinschaft, gehörte 40 Jahre lang dem obersten Jagdbeirat in Bayern an und engagierte sich als Kreisrat (25 Jahre) und Gemeinderat (30 Jahre) in der Kommunalpolitik.

    Womit wir bei der starken Verbundenheit zur Heimat wären. „Wir leben gerne hier“, betont Maximilian Truchseß. Warum? „Ganz klar: Es ist meine Heimat, hier bin ich verwurzelt. Ich könnt' mir nichts Schöneres denken.“ Es ziehe ihn weder an den Strand noch auf die Gipfel. „Ich kenn' die Leut, die Leut kennen mich.“ Und: „Ich weiß, wo mein Herrgott ist“, sagt er mit Blick auf die Kapelle im Schloss und die von seinen Vorfahren gestiftete Kirche in Manau. „Ich habe das Glück nicht woanders gesucht, ich habe es hier gefunden, in Bundorf und auf der Bettenburg.“

    Für dieses Glück braucht es nicht viel. „Als ich hier angefangen habe, hat oft die Wurst auf's Brot gefehlt und das Fleisch im Essen. Wir haben oft gefroren und hatten kein fließendes Wasser, sondern es musste herbeigetragen werden. Das war armselig. Aber deswegen hat man auch gelebt.“

    Heutige Annehmlichkeiten wie zum Beispiel die Zentralheizung genießt das Ehepaar Truchseß, „aber wir sind nicht davon abhängig.“ Als „große Wohltat“ empfindet der Jubilar „die Stabilität eines Lebens an einem Ort, seit 90 Jahren.“

    Leidenschaft für die Jagd

    „Man weiß, wo am Sonntag die Kirche ist, dass man am Morgen auf den Hof geht – nur aus Interesse – und man hat sein gewohntes Bett.“ Seine Frau ist ebenfalls dankbar, „an einem Ort sein zu können“, musste sie doch als Kind Vertreibung und Flucht erleben.

    Hobbys hat Maximilian Truchseß keine, sagt er. Mit seiner Leidenschaft für die Jagd verfolgt er ganz pragmatisch das Ziel, den Wald zu schützen. In den Wald geht er noch immer, und auch bei der Fahrt durch fremde Wälder betrachtet er die Bäume dann mit den Augen des Fachmanns. Nun ist es aber auch nicht so, dass er sich gar kein Vergnügen gönnt. „Ich hab gerne getanzt und leidenschaftlich gerne diskutiert, bin ein großer Freund von Geselligkeit, und lese sehr viel. Wenn ich einen Moment Zeit erwisch', wird sofort gelesen.“ Darauf übrigens möchte er nicht verzichten. „Sollte ich einmal nicht mehr lesen können, bräuchte ich viele interessante Gesprächspartner, damit mir mein Leben noch gefällt.“

    Geistig rege geht Maximilian Truchseß in sein neues Lebensjahrzehnt – und fern jeder Nostalgie: „Ich lebe im Jetzt und Heute, meine Gedanken sind auf das Morgen ausgerichtet, auch in der Familie, im Betrieb, in der Gemeinde. Mich interessiert: Wie geht's weiter?

    Er verfolgt das Zeitgeschehen nicht nur, sondern setzt sich auch mit allem auseinander. Aber jetzt wird erst mal groß gefeiert, richtig groß. „Ich bin der älteste Truchseß seit 1255, also seit die Truchseß von Wetzhausen nachweisbar sind; da kann man schon mal feiern. Worauf will ich denn noch warten?“

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!