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    HASSFURT

    Ohne Urteil und Auflagen eingestellt

    Kaum eine Meldung kommt in einem Polizeibericht häufiger vor und in manchen Großstädten ist diese Straftat mittlerweile eine Art Volkssport geworden: Die Rede ist vom Fahrraddiebstahl. Aber die Aufklärungsquote ist sehr gering und so landen die Diebe eher selten auf der Anklagebank des Amtsgerichts.

    Einem 31-jährigen Koch wurde genau dieses Delikt vorgeworfen. Die Gerichtsverhandlung endete mit einem für den ledigen Mann sehr erfreulichen Ergebnis: Das Verfahren wurde ohne Urteil oder Auflagen eingestellt.

    Wie Staatsanwalt Herold in seiner Anklageschrift vortrug, ereignete sich der Diebstahl in der Nacht vom 29. auf den 30. April dieses Jahres. Der Eigentümer hatte abends sein Zweirad im Keller eines Anwesens in der Kreisstadt unverschlossen abgestellt. Als er am nächsten Morgen seinen Drahtesel wieder rausholen wollte, war er weg. Der Wert des Rades lag bei etwa 300 Euro.

    Am 27. Juni erhielt der Angeklagte Post vom Staatsanwalt. Laut Strafbefehl sollte er wegen Diebstahls eine Geldstrafe von 900 Euro zahlen. Dagegen legte er wenige Tage später Einspruch ein. Aus diesem Grund kam es zu der öffentlichen Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht der Kreisstadt.

    „Es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass die Staatsanwaltschaft die Sache wegen Hehlerei nochmals aufgreift“
    Ilona Conver, Amtsrichterin

    Glaubhaft schilderte der Angeklagte auf Nachfrage von Amtsrichterin Ilona Conver die Umstände, wie er zu dem Gefährt gekommen war. Ein alter Bekannter habe ihm seit längerer Zeit schon 150 Euro geschuldet und trotz mehrmaliger Nachfrage seine Schulden nicht zurückbezahlt. Anfang Mai sei dieser Schuldner dann bei ihm aufgetaucht und habe ihm als Pfand das Fahrrad gegeben.

    Der Koch sei nach eigener Aussage froh gewesen, dass er von seinem alten Kumpel überhaupt etwas bekommen konnte, und habe das Rad an sich genommen. Er habe das verliehene Geld nicht einfach abschreiben wollen, meinte er vor Gericht, und ergänzte: „150 Euro sind schließlich 150 Euro.“

    Der Staatsanwalt wollte von dem Beschuldigten wissen, ob er geglaubt habe, dass sein Kumpan das Fahrrad rechtmäßig erworben habe. „Wenn ich ehrlich bin, eigentlich nicht“, antwortete der Angeschuldigte offenherzig. Die Frage des Juristen zielte darauf ab, ob der Angeklagte daran gedacht haben könnte, dass es sich um Hehlerware handelte. In diesem Fall hätte er sich zwar nicht des Diebstahls, aber sehr wohl der Hehlerei schuldig gemacht.

    Wer nämlich gestohlene Ware erwirbt – oder wie in diesem Fall annimmt –, macht sich nach deutschem Recht als Hehler strafbar. Die Juristen gehen bei solchen Delikten davon aus, dass es nicht einmal unbedingt erforderlich ist, dass ein Käufer oder Erwerber sicher weiß, dass es sich um Hehlerware handelt – es reicht schon, wenn er diesen Umstand vermutet und billigend in Kauf nimmt.

    Der Vorwurf des Diebstahls jedenfalls war vom Tisch. Von daher verfügte das Hohe Gericht die folgenlose Einstellung des Verfahrens.

    „Es ist allerdings nicht ganz ausgeschlossen, dass die Staatsanwaltschaft die Sache wegen Hehlerei nochmals aufgreift“, sagte die Vorsitzende abschließend.

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