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    HAßFURT

    „Pipifax“ oder hochgefährlicher Stoff?

    Schon der Besitz einer kleinen Menge an Rauschgift kann großen Ärger verursachen. Das musste jetzt eine Altenpflegerin aus dem Haßbergkreis erfahren.

    Im Geldbeutel der 25-Jährigen fand die Polizei nämlich ein Tütchen mit brisantem Inhalt: 0,97 Gramm Crystal. Der Stoff ist in einschlägigen Kreisen als euphorisierende und stimulierende Droge beliebt. Das Haßfurter Amtsgericht verhängte gegen die nicht vorbestrafte Frau eine Geldstrafe von 150 Euro.

    Bei der Verhandlung ging es darum, was sich am 7. Juni 2018 kurz vor Mitternacht in Haßfurt ereignet hatte. Damals fuhr die Angeklagte mit ihrem Hyundai zu ihrem Wohnort im Maintal, obwohl sie durch den Konsum von Drogen benebelt war. Dafür kassierte sie inzwischen bereits ein Fahrverbot. Bei der Durchsuchung der Fahrerin kam dann noch das besagte Tütchen zum Vorschein. Und da die Strafverfolgungsbehörden – insbesondere im Freistaat Bayern – in Sachen Rauschgift eine Null-Toleranz-Linie verfolgen, landete die Sache nun vor Gericht.

    Private Schicksalsschläge

    Die Altenpflegerin schilderte auf der Anklagebank, dass das Jahr 2018 für sie sehr belastend gewesen sei. Die Trennung von ihrem Freund und der Tod ihres Vaters hätten sie tief getroffen. Auch derzeit sei sie wegen einer Depression in ärztlicher Behandlung. In Kürze werde sie eine Reha-Maßnahme antreten, um danach beruflich wieder voll einsteigen zu können. „Ich habe damals Scheiße gebaut, das wird aber nicht wieder vorkommen!“, sagte sie wörtlich.

    Über die juristische Bewertung der vorgefundenen Drogenmenge gingen die Ansichten von Staatsanwaltschaft und Verteidigung weit auseinander. Während Rechtsanwalt Joachim Voigt ironisch von einer „schwindelerregend hohen Menge“ und sogar einer „Furzmenge“ sprach, betonte Staatsanwalt Dr. Christoph Wedekind, dass es sich um einen „hochgefährlichen Stoff“ handele. Der Verteidiger konnte nur schwer nachvollziehen, dass man wegen einer solchen Lappalie die Mühlen der Justiz in Gang gesetzt hatte. Bei einer solchen Vorgehensweise sei es „kein Wunder, dass nichts vorangeht“, machte er seinem Ärger Luft. Amtsrichterin Ilona Conver versachlichte den Disput mit dem Hinweis, dass es sich bei dem Corpus Delicti um „eine einzige Konsumeinheit“ handelte.

    Der Staatsanwalt pochte darauf, dass es sich im vorliegenden Fall um eine strafbare Handlung gehandelt habe und forderte eine Geldstrafe von 375 Euro. Der Verteidiger unterstrich, dass seine Mandantin noch nie in ihrem Leben in Konflikt mit dem Gesetz gekommen sei. Er beantragte deshalb eine „Verwarnung mit Strafvorbehalt.“ Darunter versteht man nach deutschem Recht, dass ein Täter einerseits zwar verwarnt wird, andererseits aber eine festgelegte Geldstrafe nur dann fällig wird, falls die Person erneut straffällig wird.

    Da es sich laut der Vorsitzenden trotz der geringen Menge um „eine äußerst gefährliche Droge mit hohem Suchtpotenzial“ handele, ging sie nicht auf den Antrag des Rechtsanwalts ein. Stattdessen verhängte sie die Geldstrafe von zehn Tagessätzen a 15 Euro. Da sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung darauf verzichteten, Berufung gegen den Richterspruch einzulegen, wurde das Urteil noch im Gerichtssaal rechtskräftig. (mwa)

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