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    HAßFURT

    „Rallyefahrer“ vor dem Amtsgericht

    Als Rallyefahrer fühlte sich wohl am 6. September vergangenen Jahres gegen 21 Uhr abends ein 18-Jähriger aus dem Landkreis, als er mit einem geliehenen VW Golf in Haßfurt den Tränkberg in Richtung Hafen hinunter bretterte. Im Hafen warteten bereits seine Kumpels, die seine Fahrkünste bestaunen wollten. Doch in einer Kurve kam sein Wagen ins Schleudern und driftete auf zwei Fußgänger zu, die ihren Hund ausführten. Nur durch einen Sprung auf die Seite konnten sie sich in Sicherheit bringen und einen Aufprall verhindern.

    „Ich stech dich ab“

    Der 18-Jährige kam mit seinem Fahrzeug zum Stehen. Als einer der beiden fast überfahrenen Fußgänger ihn zur Rede stellen wollte, wurde er auch noch von dem 18-Jährigen mit den Worten bedroht: „Ich stech Dich ab du Hurensohn.“

    Das war dem Fußgänger zu viel. Er zeigte den Möchtegern-Rennfahrer an, mit der Folge, dass der heute 19-Jährige am Montag – nicht zum ersten Mal – auf der Anklagebank des Amtsgerichts Platz nehmen musste. Richter Martin Kober verurteilte ihn nach Jugendrecht zu einer Geldauflage von 1500 Euro, zahlbar an den Jugendhilfefonds Haßberge. Außerdem verhängte Kober eine Fahrsperre von weiteren vier Monaten.

    Kurve unterschätzt

    Vor Gericht räumte der Angeklagte sein Fehlverhalten über seinen Anwalt Willy Marquardt weitgehend ein. Er sei mit dem Auto nicht vertraut gewesen, habe die Kurve „unterschätzt“ und nicht damit gerechnet, dass um diese Uhrzeit noch Fußgänger unterwegs sind.

    Der fast überfahrene Mann habe die Beifahrertür aufgerissen und ihn angeschrien. Er habe Angst bekommen und sich zu der Bedrohung hinreißen lassen, die er jedoch nicht ernst gemeint habe. Anschließend habe er auf das Eintreffen der Polizei gewartet. Seinen Führerschein sei er seitdem los, weshalb er eine Stelle als Filialleiter nicht annehmen konnte und nun wieder als normaler Verkäufer arbeiten müsse.

    Mehrfach vorbestraft

    Es ist nicht das erste Verkehrsdelikt des Angeklagten. Bereits im Jahr 2015, mit 15 Jahren, wurde er wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt. Außerdem stehen Körperverletzung und unerlaubter Waffenbesitz in seinem Bundeszentralregisterauszug. Auch im Verkehrszentralregister ist er geführt, weil er in der Ortsdurchfahrt von Theres mit 75 Stundenkilometern geblitzt wurde.

    Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich bezeichnete seinen „Klienten“ als „draufgängerischen Hasardeur“, der durch die Trennung der Eltern keine leichte Kindheit hatte. Das Hafengebiet sei als Rennstrecke bekannt. Die Straße sei aber inzwischen durch den Einbau von Bodenschwellen entschärft worden, sagte Heinrich und forderte eine Bestrafung nach Jugendstrafrecht, was der Staatsanwalt jedoch nicht mitmachen wollte. „Die Sicherheit des Straßenverkehrs ist nicht disponibel“, meinte er und forderte eine Geldstrafe nach Erwachsenenstrafrecht in Höhe von 95 Tagessätzen zu 30 Euro, also 2850 Euro, plus einer Führerscheinsperrfrist von weiteren fünf Monaten.

    Jugendtypisches Verhalten

    Verteidiger Willy Marquardt betonte das jugendtypische Verhalten seines Mandanten, der der „Meute“ auf dem Parkplatz seine Fahrkünste demonstrieren wollte. Der Führerschein sei schon sieben Monate weg, verbunden mit privaten und beruflichen Einschnitten. Eine Geldauflage mit einem dreimonatigen Fahrverbot sei daher ausreichend.

    Der Vorsitzende beließ es bei einer Geldauflage nach Jugendstrafrecht. Er empfahl dem Angeklagten, beim nächsten Mal auf eine Rennstrecke auszuweichen, wenn ihn der Bleifuß juckt. Der Verurteilte nahm das Urteil an. Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab. (msch)

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