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    KIRCHLAUTER

    Schlechte Honigernte trotz voller Waben

    Die Honigernte war in diesem Jahr bisher sehr gut. Am Lehrbienenstand in Kirchlauter schleuderten die Imker schon zwischen 30 und 40 Kilogramm pro Bienenvolk. „Was sich aber seit Juli zeigt, ist ein Ärgernis für jeden Imker“, sagt Peter Kirchner und zeigt kristallglitzernde Waben. Die Waben sind voll bis oben hin, aber der Honig bleibt in den Waben und will nicht raus. „Wir sprechen dabei von Melezitose- oder Zementhonig“, erklärt der Vorsitzende des Imkervereins Kirchlauter.

    Das Problem betrifft nur den Waldhonig, den es nur alle paar Jahre unter speziellen Voraussetzungen gibt. Anders als beim Blütenhonig, der aus dem Nektar von Blütenpflanzen gewonnen wird, sammeln und verarbeiten die Bienen für den Waldhonig die Ausscheidungen von Läusen auf Bäumen. Bei anhaltender Hitze bilden diese Läuse große Populationen.

    „Die Sommerernte ist nicht mehr zu retten!“
    Peter Kirchner, Imker

    Sie saugen die aufsteigenden Baumsäfte von Lärche oder Fichte aus den Siebröhren der Bäume, verbrauchen das Eiweiß und scheiden den in den Baumsäften reichlich enthaltenen Zucker wieder aus. Fehlt dann noch der Regen, der ansonsten von Zeit zu Zeit die Nadeln sauber und diesen süßen „Honigtau“ mit der Blattlaus vom Baum herunter spült, bekommt der Imker ein Problem. Denn den leicht zugänglichen „Honigtau“ sammeln die Bienen in rauen Mengen. Beim Verdauungsprozess wird daraus Dreifachzucker. Diese sogenannte Melezitose sorgt dafür, dass der Honig sehr rasch in den Waben im Bienenstock kristallisiert und diese verstopft. Deshalb spricht man vom „Zementhonig“, der geschmacklich zwar hervorragend ist, sich aber nur mit deutlich erhöhtem Aufwand und nur zu einem geringen Teil aus den Waben schleudern lässt. „Die Sommerernte ist nicht mehr zu retten“, sagt Peter Kirchner. Der Hobby-Imker stellte vor knapp zwei Wochen fest, dass sich „Zementhonig“ in den Waben befindet. Seitdem haben die Bienen die Honigräume damit voll getragen. Ein sicheres Zeichen für eine Melezitosetracht ist laut Kirchner die Gewichtszunahme der Waben. „44 Kilo haben zwei Zargen mit 19 Waben plötzlich gewogen, während zwei Zargen mit leeren Waben nur auf 20 Kilo kommen. Sie haben also die Differenz von 24 Kilo in zehn Tagen eingetragen“, rechnet der Imker vor. Dass er den an sich schmackhaften Honig nicht verwerten kann, demonstriert Peter Kirchner an seiner Honigschleuder. Nur ein Rinnsal“ an Honig läuft aus den eingehängten Waben heraus. „Ernte“ könne man dies gar nicht nennen. „Das ist eine Honigernte zum Vernichten“, bringt Kirchner das Ergebnis auf den Punkt. Seine Bienen haben sich also ganz umsonst abgemüht.

    Eine solche Missernte ließe sich nur dadurch verhindern, indem der Imker mit seinen Bienenvölkern auswandert. Und zwar dorthin, wo es keinen Wald gibt. So bleibt für die Imker am Ende viel Arbeit übrig. Denn was tun mit den Zementhonig-Waben? Die Waben wegzuwerfen, wie es manch entnervter Imker vielleicht schon getan habe, löst das Problem laut Kirchner nicht.

    „Melezitose führt zu Krankheiten und letztlich zu einer hohen Bienensterblichkeit“
    Peter Kirchner, Imker

    Den Melezitosehonig als Winterfutter für die Bienen einzusetzen, wäre eine Idee, doch vertragen die fleißigen Insekten die Melezitose nicht gut. „Melezitose führt zu Krankheiten und letztlich zu einer hohen Bienensterblichkeit“, weiß Kirchner. Die verstopften bebrüteten Waben könnten allerdings im nächsten Frühjahr zur Jungvolkbildung verwendet werden. Peter Kirchner wird also 48 Waben bis zum Frühjahr für diese Jungvolkbildung zurücklegen. Die bebrüteten Waben weicht er ein. Der Honig zieht sich dann mit Wasser voll und die Wabe lässt sich ausklopfen und zumindest wiederverwenden.

    Aber auch für die nicht bebrüteten Waben hat er zumindest eine teilweise Verwendung, denn sie bestehen ja aus Wachs und Honig. „Daraus mache ich Opa Peters Honig-Kaugummi und verschenke ihn an Kinder,“ sagt Peter Kirchner.

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