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    Haßfurt

    Schlemmer: Insolvenzverwalter zeigt sich optimistisch

    Der Automobilzulieferer bestätigt, dass der Insolvenzantrag auch den Standort Haßfurt betrifft. Was bedeutet das für die mehr als 200 Mitarbeiter vor Ort?
    Die Firma Schlemmer, die auch einen Sitz in Haßfurt hat, bestätigt, dass sie einen Insolvenzantrag gestellt hat. Foto: René Ruprecht

    Am 18. Dezember 2019 hat die Firma Schlemmer beim Amtsgericht München einen Insolvenzantrag gestellt. Ende letzter Woche bestätigten die zuständigen Justizbehörden gegenüber Journalisten, dass der Antrag eingegangen sei, woraufhin verschiedene Medien über die Insolvenz berichteten. Am Dienstag hat sich der betroffene Automobilzulieferer selbst in einer Pressemitteilung zur aktuellen Situation geäußert. Am Produktionsstandort in Haßfurt sind gut 200 Mitarbeiter beschäftigt.

    Schlemmer sei in den vergangenen Jahren stark gewachsen, heißt es in dem Schreiben. Gerade das Wachstum am amerikanischen Markt hätte das Unternehmen dabei finanziell stark beansprucht. Daher habe sich Schlemmer in den vergangenen Monaten zum Ziel gesetzt, "die Organisationsstrukturen entsprechend anzupassen und eine Finanzierung aufzubauen, die den aktuellen Geschäftsumfang abdecken kann".

    Strukturierter Investorenprozess

    Allerdings sei es dem Unternehmen nicht möglich gewesen, Finanzierungsgespräche dazu erfolgreich zu Ende zu führen. Die Gründe dafür liegen laut Pressemitteilung in der konjunkturellen Lage und den Umsatzeinbußen, die diese mit sich bringt.

    In dem Schreiben wird allerdings deutlich, dass die Verantwortlichen bei Schlemmer optimistisch sind, die angeschlagene Firma retten zu können. "Durch die insolvenzrechtlichen Mittel und Wege sollen die Geschäftsprozesse geschützt und die Fortführung des Unternehmens ermöglicht werden", heißt es dort. Die Firma werde in den nächsten Wochen einen strukturierten Investorenprozess aufsetzen.

    Noch hat das Gericht nicht darüber entschieden, ob aufgrund des Antrags ein Insolvenzverfahren eröffnet wird. Die Aufgabe als vorläufiger Insolvenzverwalter übernimmt Rechtsanwalt Dr. Hubert Ampferl von der Nürnberger Kanzlei Dr. Beck & Partner.

    Zukunftsträchtige Technik

    In der Pressemitteilung weist Schlemmer auch darauf hin, dass das Unternehmen mit Blick auf die Zukunft der Automobilindustrie auf einem guten Weg sei: Mit Produkten wie Batteriegehäusen und Lösungen zur Sensorreinigung arbeite Schlemmer an Produkten, die gerade mit E-Mobilität und autonomem Fahren an Bedeutung gewinnen könnten. Daher seien auch die Geschäftsführung von Schlemmer sowie Insolvenzverwalter Ampferl zuversichtlich, das Unternehmen mit neuem Investor fortführen zu können.

    Neben dem Unternehmenssitz Aschheim und dem Standort in Münchingen sei auch der Produktionsstandort Haßfurt von dem Antrag betroffen. Der Haßfurter Bürgermeister Günther Werner sagt, die Stadt müsse nun mit dem Betriebsleiter und dem Insolvenzverwalter sprechen. "Wir sind bemüht, dass möglichst wenige Arbeitsplätze verloren gehen", sagt Werner. Zumal es sich um einen Standort handelt, an dem produziert werde, es also Wertschöpfung gebe. "Ich bin guter Dinge", sagt der Bürgermeister. Der zuständige Insolvenzverwalter habe einen guten Ruf.

    Die Mitarbeiter der betroffenen Standorte seien bereits an dem Tag, an dem das Verfahren beantragt wurde, in Mitarbeiterversammlungen über die Situation informiert worden. Die Insolvenz habe dabei keine Auswirkungen auf die Arbeitsplätze. "Kündigungen sind zum aktuellen Zeitpunkt nicht geplant", heißt es in der Pressemitteilung. Auch die Fortzahlung der Löhne sei gesichert, der Geschäftsbetrieb soll reibungslos weiterlaufen.

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