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    ZEIL

    Schließung von Bädern macht Wasserwacht Sorgen

    Mehr als 2000 Kinder haben in den letzten Jahren im Zeiler Hallenbad durch Kursangebote der BRK-Wasserwacht-Ortsgruppe Sand/Zeil das Schwimmen gelernt. Foto: Johannes Rennert/BRK-Wasserwacht

    Sommerhitze in Deutschland – und alle wollen baden gehen. Doch viele Schwimmbäder sind marode, Frei- und Hallenbäder werden geschlossen. Der Grund: Schwimmbäder sind fast immer ein Verlustgeschäft. Viele müssten saniert werden, doch vielerorts fehlen das Geld oder der Wille zur Investition, teilt BRK-Pressesprecher Michael Will für die Wasserwacht im Landkreis Haßberge mit.

    Die Bäderschließungen haben Auswirkungen auf den Schwimmunterricht, der oft ausfällt, und verärgern die Bürger. „ZDFzoom“-Reporter Norman Laryea begibt sich auf Spurensuche und will herausfinden, welche Konsequenzen es hat, wenn immer mehr Schwimmbäder schließen.

    In Zeil am Main hat das Hallenbad seine Pforten für immer geschlossen. Die technische Anlage unter dem Wasserbecken bereitete zu große Probleme. Rohre waren marode, die Filteranlage drohte, den Geist aufzugeben. Eine teure Sanierung konnte sich die Kommune nicht leisten.

    Schulschwimmen? Fehlanzeige!

    Untersuchungen zeigen: Fast 60 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer mehr, Schulschwimmen findet vielfach nicht mehr statt. Etwa 25 Prozent der Grundschulen in Deutschland haben keinen Zugang mehr zu einem Schwimmbad, heißt es weiter in der Verlautbarung des BRK. Schwimmbäder erfüllen dazu eine wichtige soziale Aufgabe in unserer Gesellschaft: In Frankfurt am Main erklärt Soziologin Claudia Neu: „Was an diesen öffentlichen Orten wichtig ist, ist, dass auch Menschen zusammenkommen, die nur wenig miteinander zu tun haben.“ Deshalb sei es wichtig, sich nicht nur zu fragen, was es kostet, sondern auch, was es uns wert ist, einen sozialen Ort wie ein Schwimmbad zu erhalten.

    Denn ob jung oder alt, arm oder reich, Arbeiter oder Akademiker, sie alle treffen im Schwimmbad aufeinander. Vielerorts versuchen Bürger, diesen Treffpunkt zu retten. Sie übernehmen die Schwimmbäder und betreiben diese als sogenanntes Bürgerbad. Ehrenamtliche Helfer engagieren sich, mähen Rasen, sitzen an der Kasse, reparieren die Technik und reinigen die Becken. Neben dem Eintrittsgeld wird der Betrieb über Spenden und Mitgliedschaften finanziert. Laut Netzwerk Bürgerbad gibt es in Deutschland rund 500 Bäder, die sich in Bürger- oder Vereinshand befinden, so die Mitteilung von Michael Will. Doch könne das allein wirklich die Lösung für Deutschlands Schwimmbadkrise sein?

    Was bedeutet es für Kinder vor Ort, wenn Schwimmbäder geschlossen werden müssen, was sagt dazu das Bayerische Rote Kreuz und die BRK-Wasserwacht als Anbieter von Schwimmkursen. Dazu hat Norman Laryea vom ZDF auch beim Roten Kreuz nachgefragt und im Zeiler Hallenbad Michael Will interviewt. Das BRK bedauert die Schließung des Zeiler Hallenbades, geht damit doch die Möglichkeit verloren, vor Ort für Kinder Schwimmkurse anzubieten. Ebenso können die ehrenamtlichen Wasserretter nicht mehr in ihrem bisherigen Hallenbad trainieren. Die Bestrebungen zur Errichtung eines sogenannten Allianz-Hallenbades in Zusammenarbeit mehrerer Kommunen sehe der BRK-Kreisverband Haßberge positiv. Die tatsächlichen Entwicklungen dahingehend blieben abzuwarten.

    Für die Wasserwacht-Ortsgruppe Sand/Zeil um Johannes Rennert, Technischer Leiter im Wasserwacht-Bezirk Unterfranken, ist die Schließung des Zeiler Hallenbades eine bedauerliche Entwicklung. Kinderschwimmkurse können hier nicht mehr stattfinden. Andere Hallenbäder seien eine halbe Stunde Fahrzeit entfernt und natürlich auch voll ausgelastet. „Wir haben pro Jahr zwei Kinderschwimmkurse mit je rund 25 Mädchen und Jungen durchgeführt und waren immer zwei Jahre im Voraus ausgebucht“, fasst Rennert die Situation zusammen.

    Die Ortsgruppe Sand/Zeil weiß aktuell noch nicht, wo sie mit ihrer Jugend zum Hallenbadtraining unterkommt. „Falls wir überhaupt etwas finden“, fügt er hinzu. Zur Folge hat dies, dass man künftig weniger Kinder in der Wasserwacht haben werde und somit irgendwann auch die Einsatzkräfte wegbrechen. „Unsere Jugendlichen sind die Einsatzkräfte von morgen, die sich ehrenamtlich für die Gesellschaft engagieren können.“

    Ohne Nachwuchs werde es auf lange Sicht keine Einsatzkräfte mehr geben, die entsprechend in den Freibädern und Hallenbädern im Landkreis Badeaufsicht übernehmen. Ebenso bestehe die Gefahr, dass Wachstationen wie beispielsweise am Sander Baggersee irgendwann nicht mehr besetzt werden könnten.

    Hier sieht Rennert Auswirkungen und Gefahren auf die Bevölkerung zukommen. Im Landkreis Haßberge habe man ohnehin schon wenige Hallenbäder und die wenigen würden noch weniger. Um vernünftig schwimmen zu lernen, trainieren zu können, sei eine Beckenlänge von 25 Metern notwendig. Für die rund 85 000 Einwohner der Haßberge stünden gerade noch drei öffentliche Hallenbäder in Ebern, Hofheim und Knetzgau zur Verfügung. (wos)

    Die Reportage von Norman Laryea ist bis auf Weiteres in der ZDF-Mediathek zu sehen: www.zdf.de

    Bearbeitet von Wolfgang Sandler

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