• aktualisiert:

    Zeil

    Schwimmclub kritisiert Stillstand am Zeiler Hallenbad

    Trockenes Ende einer Ära: Das Wasser des Zeiler Hallenbades wurde bereits abgelassen. Foto: JOHANNA HEIM

    Mehr als ein Jahr ist der "Runde Tisch" zum Zeiler Hallenbad nun her: Im Mai 2018 hatten sich der Landrat Wilhelm Schneider, verschiedene Bürgermeister, Vertreter von Vereinen, die das Bad nutzen, die Landtagsabgeordneten Steffen Vogel (CSU) und Kathi Petersen (SPD) sowie der Büroleiter von Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) in Zeil der öffentlichen Diskussion gestellt. Julian Müller, der Vorsitzende des Schwimmclubs Haßberge, hatte zu dem Termin geladen und die Leute an einen Tisch gebracht. Und alle waren sich einig: Wenn sich die Stadt Zeil den Erhalt der Einrichtung nicht mehr leisten kann, dann muss eine andere Lösung her. Mittlerweile hat die Hoffnung, die damals beim Schwimmclub geweckt wurde, allerdings einen Dämpfer bekommen: Der Verein kritisiert in einer Pressemitteilung, "dass die Bereitwilligkeit der Lokalpolitiker, schnell Lösungen zu finden, in der Öffentlichkeit nicht ankommt".

    Auf Training angewiesen

    "Aktuell entsteht leider der Eindruck von Stillstand", wird der Schwimmclubvorsitzende in dem Schreiben zitiert. Die Weichen für ein neues Hallenbad müssten unverzüglich gestellt werden, fordert der Verein und rechnet vor, dass dem Schwimmclub mit der Schließung des Zeiler Bades zum 1. August künftig mindestens zwölf Stunden pro Woche fehlen werden. Die Zeiten für den Breitensport könnten weitestgehend über die Welle in Haßfurt abgefedert werden. "Es sind gerade unsere Kleinsten, unsere Wettkampfmannschaft, aber auch die Aquafitness-Kursteilnehmer, die unter der Schließung leiden müssen", beklagt Julian Müller.

    „Unsere Wettkampfschwimmer sind darauf angewiesen, regelmäßig zu trainieren“, so Müller. So musste der Verein die Trainingszeiten von sechs auf drei Tage pro Woche reduzieren. „Unter diesen Umständen wird es schwer, unser aktuell hervorragendes Niveau zu halten“, meint Müller und erinnert an die diesjährige Teilnahme von drei Schwimmern bei der Süddeutschen Meisterschaft, einem Teilnehmer bei der deutschen Meisterschaft und der Qualifikation von Martin Falk für die Ironman Weltmeisterschaft im Oktober.

    Stünde hier "Willkommen", wäre das die falsche Botschaft. Das Zeiler Hallenbad ist geschlossen. Foto: JOHANNA HEIM

    Probleme gebe es auch bei der Weiterführung der Aquafitnesskurse, hier sind rund 50 überwiegend ältere Teilnehmer betroffen. Der Vereinsvorsitzende erklärt, dass der Bedarf an Stunden nicht von den umliegenden Bädern gedeckt werden könne. Auch die VHS und die Rheuma-Liga müssen ihr Angebot wahrscheinlich kürzen oder ganz einstellen, teilt der Schwimmclub mit. „Für viele Teilnehmer war die Aquafitness die einzige Möglichkeit noch Sport zu treiben“, wird Trainerin Andrea Zehnder in der Pressemitteilung zitiert.

    Schwimmfähigkeit kann Leben retten

    Besonders schlimm sei allerdings, dass die Schwimmkurse für Kinder wegfallen. "Das Problem der Nichtschwimmer wird immer größer, fast die Hälfte aller Kinder auf weiterführenden Schulen können nicht sicher schwimmen", heißt es vom Schwimmclub.

    Wie wichtig es ist, schwimmen zu lernen, bestätigt auch Dominik Wohlleben, Ortsgruppenleiter der Haßfurter Wasserwacht, auf Nachfrage dieser Redaktion. "Es ist letztendlich lebensnotwendig", sagt er. Immerhin könne es ja doch vorkommen, dass Menschen ins Wasser fallen – dann kann die Fähigkeit zu schwimmen über Leben und Tod entscheiden. „Gerade in einer Region wie dem Maintal, mit dem Main und den vielen Baggerseen, ist die Schwimmfähigkeit eine überlebenswichtige Kenntnis“, betont auch Julian Müller.

    "Die Grundschulen wünschen sich, dass die Schüler schwimmen können, wenn sie eingeschult werden", sagt Wohlleben. Denn wenn im Sportunterricht Schwimmen an die Reihe kommt, kann der Lehrer nicht erst einer ganzen Klasse von 25 Kindern beibringen, sich über Wasser zu halten. Die Grundkenntnisse, auf die der Unterricht aufbaut, müssen vorhanden sein. Wenn immer weniger Kinder vor der Einschulung das Schwimmen lernen, finde der Schwimmunterricht in der Schule oft gar nicht mehr statt, erzählt Wohlleben. Gerüchteweise habe er auch schon von Fällen gehört, in denen dann mit den Kindern, die schwimmen können, Unterricht gemacht wird, während die Nichtschwimmer draußen sitzen bleiben müssen.

    Wenig Platz in anderen Bädern

    Auch Wohlleben sieht das Problem, das durch den Wegfall des Zeiler Hallenbades Gelegenheiten für den Schwimmunterricht verloren gehen – ebenso wie Trainingsmöglichkeiten für Wasserwacht, Vereine und Wettkampfschwimmer. "Es ist ja nicht so, dass die anderen Bäder große Leerstände haben."

    Der Knetzgauer Bürgermeister Stefan Paulus berichtet, das Knetzgauer Bad sei gut belegt, ein paar wenige freie Zeiten gebe es aber noch. Die Wasserwacht Sand-Zeil habe ihr Training schon von Zeil nach Knetzgau verlegt, das Bad wird ansonsten vorwiegend von Schulen und Vereinen genutzt, abends von 18 bis 20 Uhr ist es für die Allgemeinheit geöffnet. Paulus berichtet, zwei Doppelstunden könnten noch an Schulklassen vergeben werden, für Vereine wäre noch an drei Wochentagen die Zeit zwischen 21 und 22 Uhr zu haben. "Nachfrage ist auf jeden Fall da", sagt er und betont, dass es im Knetzgauer Bad nicht um "Spaßschwimmen" gehe, sondern vor allem um die Ausbildung für Rettungsschwimmer. Auch wenn noch ein paar Zeiten frei sind: Die große Zahl an Schwimmstunden, die in Zeil verlorengehen, können die umliegenden Bäder nicht abfangen.

    Nicht jedes Bad geeignet

    Dazu komme, dass nicht jedes Bad in der Umgebung für jede Art von Schwimmstunde geeignet ist. Beispielsweise habe die Welle in Haßfurt als reines Vereinsbad, das vor allem für Sportler ausgelegt ist, sehr kaltes Wasser. Das sei zwar kein Problem für trainierende Sportler. Doch für Kinder mit ihren kleinen Körpern, die leichter auskühlen, könne das schnell unangenehm oder sogar gefährlich werden.

    Das Hallenbad in Königsberg wiederum sei nicht gut für das Wettkampftraining geeignet, da das Becken zu klein ist. Damit sind die Bahnen zu kurz, um unter Realbedingungen zu trainieren, wobei Wohlleben zugibt, dass das schon "Jammern auf hohem Niveau" sei.

    Und wie aktiv bemühen sich die Politiker, eine Lösung zu finden? Tatsächlich ist es nach außen hin in den letzten Monaten ruhig um die Frage nach einem neuen Hallenbad geworden. Wirklich neue Erkenntnisse zum Vorgehen der politisch Verantwortlichen wurden seit dem Frühjahr 2018 nicht mehr nach außen getragen. Damals war die Errichtung eines Allianzbades im Gespräch. Das bedeutet: Wenn von mehreren benachbarten Kommunen nur eine ein Schwimmbad hat, profitieren auch die Einwohner der anderen Orte davon, weshalb sich auch diese Städte und Gemeinden an den Kosten für den Erhalt der Einrichtung beteiligen könnten.

    Standort weiterhin offen

    Die Bürgermeister von Sand und Eltmann haben bereits eine grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, mit Zeil zusammen ein Allianzbad zu bauen. Welche der drei Kommunen dann der Standort des neuen Bades wäre, ist allerdings noch offen. Der Haßfurter Bürgermeister Günther Werner sagte dagegen, er und seine Stadträte würden einer Beteiligung wohl nicht zustimmen.

    Nun erklärt der Zeiler Bürgermeister Thomas Stadelmann, seit Mitte August liege eine Standortanalyse vor, die eine Antwort auf die Frage geben soll, wo möglicherweise ein gemeinsames Bad entstehen könnte. Über diese will er nun erst einmal im kleinen Kreis mit den anderen Bürgermeistern sprechen, anschließend soll das Thema in der ILE-Sitzung auf die Tagesordnung kommen. Der nächste Sitzungstermin sei Anfang Oktober, Stadelmann könne sich aber auch vorstellen, dass es ein Extra-Treffen zu dem Thema gibt. "Die Frage ist: Wie können wir eine Lösung finden, die auch finanzierbar ist", sagt der Zeiler Bürgermeister.

    Ein Kritierium bei der Frage, in welcher der beteiligten Kommunen ein Allianzbad entstehen könnte, ist auch die Erreichbarkeit für die Schulen. Thomas Stadelmann ist sich auch darüber im Klaren, dass es bei einigen Zeilern nicht gut ankommt, wenn auch Eltmann und Sand als Standorte für das neue Bad diskutiert werden. "Natürlich ist das auch von Emotionen begleitet", erklärt er. "Wir haben 45 Jahre lang für die anderen ein Bad zur Verfügung gestellt."

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!