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    HASSBERGKREIS

    Sie sind Spiegelbilder der Gesellschaft

    „Bei diesem Wettbewerb gibt es keine Verlierer“, sagte Landrat Wilhelm Schneider (links) und zeichnete die von der Jury als Sonderpreisträger bestimmten Gemeinden aus.
    „Bei diesem Wettbewerb gibt es keine Verlierer“, sagte Landrat Wilhelm Schneider (links) und zeichnete die von der Jury als Sonderpreisträger bestimmten Gemeinden aus. Foto: Sabine Meissner

    Der Memmelsdorfer Friedhof ist der schönste im gesamten Landkreis, es folgen der Salmsdorfer und der Sander Gottesacker: Beim Ehrenabend des Landkreises und des Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege haben die Sieger sowie alle übrigen Teilnehmer des Wettbewerbs „Unser Friedhof – Ort der Würde, Kultur und Natur“ am Donnerstagabend ihre Preise und Anerkennungen erhalten.  

    Bayernweit war zur Beteiligung am Friedhofswettbewerb aufgerufen worden. Im Heimatkreis ging die Initiative von den Kreisfachberatern Guntram Ulsamer und Johannes Bayer aus. Möglichst viele Kommunen und andere Friedhofsträger sowie Gartenbauvereine sollten gewonnen werden, ihre Friedhöfe von einer Jury im Kreismaßstab unter Augenschein nehmen zu lassen. Als Ende Mai die Bewerbungsfrist ablief, war klar, dass es eine schwierige Aufgabe für die fünfköpfige Jury sein werde, einen Ersten und zwei weitere Sieger zu küren, so wie es vom Bayerischen Landesverband für Gartenbau und Landespflege (BLV) mit der Ausschreibung vorgegeben war. 15 Friedhofsträger mit insgesamt 41 teilnehmenden Friedhöfen hatten sich im Heimatkreis beworben und mit gemeinsamen Aktionen ihre Friedhöfe schöner gemacht.

    Groß war die Runde der geladenen Gäste am Donnerstagabend. Bürgermeister, Mitarbeiter von kommunalen Verwaltungen und Kirchengemeinden, Ehrenamtliche und nicht zuletzt die Vertreter der Obst- und Gartenbauvereine, die sich um die Pflege und Gestaltung ihrer Friedhöfe kümmern, waren in das Landratsamt zur Prämierung gekommen. Alle wurden von Landrat Wilhelm Schneider im Sitzungssaal des Amtes herzlich begrüßt.

    Der Abend stand im Zeichen eines „wichtigen gesellschaftspolitischen Themas“, wie der Landrat formulierte. „Es geht um den Friedhof, eine Einrichtung im Dorf oder in der Stadt, die für viele ein Stück Heimat ist“, sagte Schneider. Er dankte den Teilnehmern aus dem gesamten Heimatkreis und kündigte an: „Bei der Prämierung heute wird es keine Verlierer geben.“ Damit bezog er sich auf die Prognose, die Fachberater Guntram Ulsamer zu Beginn des Wettbewerbs gestellt hatte: „Gewinnen werden alle Teilnehmer, denn eine vorbildliche Friedhofsgestaltung kommt allen zugute.“

    Landrat Schneider ging in seiner Festansprache auf Umbrüche ein, die sich gegenwärtig in der Friedhofs- und Bestattungskultur vollziehen. „Vertrautes geht verloren, Neues entwickelt sich“, sagte er und bezeichnete die Situation als „Chance, den Friedhof als Spiegelbild unserer Gesellschaft neu zu definieren.“ Begräbnisstätten seien nach wie vor wichtige Orte des Erinnerns für Trauernde. Viele Menschen hätten aber eine große Distanz zum Ort Friedhof und betrachteten ihn nicht als Aufenthaltsort mit Sitzmöglichkeit zum Ruhen und Verweilen, sagte Schneider.

    „Sie als Friedhofsträger sind tätig geworden, haben durch erweiterte Angebote an Grabformen die Friedhöfe attraktiv gemacht und gezeigt, dass Friedhofskultur einen hohen Stellenwert hat“, wandte sich der Landrat an die Anwesenden und rief die Sieger zur Preisverleihung. Besonderen Dank sprach er den Gartenbauvereinen sowie den kirchlichen und öffentlichen Einrichtungen aus, die sich dem Erhalt und der Weiterentwicklung der Friedhofskultur widmen und Traditionen sowie künstlerische und handwerkliche Werte der Region bewahren.

    Er dankte den fünf Kommissionsmitgliedern mit einem Präsent für ihre Tätigkeit unter Einsatz ihres Fachwissens. Der Landrat dankte auch der örtlichen Presse für die intensive Begleitung des Wettbewerbs. Zahlreiche Berichterstattungen hätten dazu beigetragen, das Thema publik zu machen und die Menschen vor Ort zu sensibilisieren. Schneider äußerte Freude über die außerordentlich hohe Wettbewerbsbeteiligung.

    Zum Sieger im Heimatkreis hat die Jury den Friedhof Memmelsdorf in der Gemeinde Untermerzbach gekürt. Hier hat die Dorfgemeinschaft ihren Friedhof vorbildlich gestaltet. Die Preisverleihung an Bürgermeister Helmut Dietz fand (wie berichtet) bereits im September durch Staatsministerin Ulrike Scharf in Triesdorf statt.

    Die 2. und 3. Sieger sind der Friedhof Salmsdorf in der Gemeinde Rentweinsdorf und der Friedhof von Sand. Die Verantwortlichen der drei prämierten Friedhöfe sowie elf Sonderpreisträger erhielten je eine Urkunde, einen Rosenstamm und eine mit dem Motto des Wettbewerbs gravierte Sandsteinplatte sowie den Gruß des Landkreises an alle Mitstreiter.

    Verlierer gab es nicht beim Wettbewerb, aber Enttäuschungen, die gab es durchaus. Im Gespräch nach der Preisverleihung bekannten Rosemarie und Rainer Brand aus Uchenhofen: „Die Bürger unserer Ortschaft sind schon ein bisschen enttäuscht, dass wir nicht unter die ersten zehn Plätze gekommen sind.“ Das Ehepaar, das sich auf dem evangelischen Friedhof liebevoll kümmert, meinte, das Soldatengrab auf ihrem schönen Friedhof und die alte Steintafel von 1818 mit der Inschrift „Hier wechselt Zeit mit Ewigkeit“ seien bestimmt nicht berücksichtigt worden.

    So wie die Brands, sind auf vielen Gottesäckern Menschen bemüht, den Empfindungen der Trauernden gerecht zu werden, den christlichen Gedanken zu pflegen und dabei lebendige Friedhöfe zu gestalten, die den örtlichen Besonderheiten entsprechen. Rudi Ruß aus Sand hatte mehr Glück als die Brands aus Uchenhofen, denn er gehörte zur Delegation der Drittplatzierten.

    Mit 15 Schülern der 3. und 4. Klasse habe er die Leute vom Bauhof und vom Gartenverein unterstützt, um den Friedhof für den Wettbewerb besonders schmuck zu machen. „Wir haben ganz kleine Kiesel auf den Wegen und Freiflächen“, erzählte er, „da muss regelmäßig das Unkraut herausgezupft werden.“ Die Kinder hätten dabei geholfen und sich nun sehr gefreut, als sie erfuhren, dass der Sander Friedhof zu den Preisträgern gehört.

    Die Wettbewerbsjury hat bei ihren Rundgängen und in Gesprächen mit Beteiligten vor Ort erfahren, wie sehr man sich um Dinge, wie Ruheplätze zur Besinnung, attraktive Gemeinschaftseinrichtungen, Pflege historischer Substanz unter Anerkennung moderner Bestattungswünsche oder naturnaher Gestaltung der Gottesäcker bemüht. Das sei der eigentliche Gewinn für alle Beteiligten, betonte Ulsamer. Dekan Jürgen Blechschmidt beleuchtete das Thema Friedhof abschließend aus christlicher Sicht. Die Schüler Noa Schnaus und Jakob König von der Dr.-Auguste-Kirchner-Realschule umrahmten die Feier musikalisch.

    Die Preisträger:

    • 1. Platz: Friedhof Memmelsdorf (Untermerzbach):„Ein Friedhof mit Zukunft“;

    • 2. Platz: Friedhof Salmsdorf (Rentweinsdorf): „Ein Idyll mit Geschichte“;

    • 3. Platz: Friedhof Sand: „Ein Friedhof als fester Bestandteil der Gemeinde“;

    • Sonderpreisträger: Friedhof Holzhausen, Stadt Königsberg, Haßfurt „Friedhof am Rödersgraben“, Friedhof Rottenstein, Gemeinde Aidhausen, Friedhof Ziegelanger, Stadt Zeil, Friedhof Sailershausen, Stadt Haßfurt, Friedhof Mechenried, Friedhof Burgpreppach, Friedhof Maroldsweisach, Friedhof Rentweinsdorf, Stadt Ebern, Gemeinde Gädheim.

    Spitzenplatz für Haßbergler

    Der Haßbergkreis hat mit 41 Friedhöfen zahlenmäßig den Spitzenplatz in ganz Bayern eingenommen. Auf Anfrage der Heimatzeitung vor der Veranstaltung gab Alexander Teichgreber vom BLV in München Auskunft:

    „Insgesamt haben 60 Kreisverbände Bayerns am Wettbewerb teilgenommen. Es gab Landkreise, die sich mit drei Friedhöfen beteiligten, andere mit mehr als 30 oder sogar über 40. Im zahlenmäßigen Durchschnitt waren das 15 Teilnehmer pro Landkreis. Dabei nahm der unterfränkische Landkreis Haßberge einen absoluten Spitzenplatz mit insgesamt 41 teilnehmenden Friedhöfen ein.“

    Die Jury im Heimatkreis:

    Pfarrer Gerd Greier, kath. Kirchengemeinde Hofheim; Pfarrer Peter Bauer, evang. Luth. Kirchengemeinde Burgpreppach; Wolfgang Aull, Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Haßberge; Kreisfachberater Johannes Bayer und Kreisfachberater Guntram Ulsamer.

    Die Bewertungskriterien:

    • Suche nach sichtbaren Wurzeln der Vergangenheit;

    • Anpassung an die Anforderungen der Gegenwart;

    • Ausrichtung auf erkennbare Trends der Zukunft;

    • Gestalt des Friedhofes, Art der Wege und Versiegelungsgrad, Materialwahl der Grabdenkmäler, Art der Gestaltung der Grabflächen;

    • Erhalt alter Grabdenkmäler und deren würdige Präsentation;

    • Grünstruktur im Friedhof, vorhandene und geplante Angebote, insbesondere pflegeleichte Grabarten.

    Friedhof ist Friedhof? Falsch: Wie sehr die Bestattungsriten von Kultur, Religion, Region und Zeit abhängen, mag dieses Foto mit Mumien der Chauchillas in Nazca (Peru) zeigen.
    Friedhof ist Friedhof? Falsch: Wie sehr die Bestattungsriten von Kultur, Religion, Region und Zeit abhängen, mag dieses Foto mit Mumien der Chauchillas in Nazca (Peru) zeigen. Foto: Nicolas Sage
    Ein Idyll mit Geschichte: Der Friedhof von Salmsdorf.
    Ein Idyll mit Geschichte: Der Friedhof von Salmsdorf. Foto: sme
    Der Sander Friedhof, fester Bestandteil der Gemeinde.
    Der Sander Friedhof, fester Bestandteil der Gemeinde. Foto: sme
    Ein Friedhof mit Zukunft – der Sieger heißt Memmelsdorf.
    Ein Friedhof mit Zukunft – der Sieger heißt Memmelsdorf. Foto: sme
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    Von unserer Mitarbeiterin Sabine Meissner

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