• aktualisiert:

    EICHELSDORF

    Siebener laden zum Grenzgang ein

    Wenn sich jemand in dem kleinen Hofheimer Stadtteil Eichelsdorf auskennt, dann ist es Lieselotte Sörgel-Füglein. Sie weiß nicht nur über die Geschichte des Dorfes Bescheid, sondern bewahrt sie auch, lässt sie aufleben und gibt sie an nachfolgende Generationen weiter. Ein Stück Dorfgeschichte findet am Sonntag, 13. April, statt und wird sicherlich von vielen Dorfbewohnern wahrgenommen werden. Die Eichelsdorfer wollen auf den Grenzen ihres Dorfes einmal um die Gemeinde wandern.
    Schon im Jahre 1620 gab es einen Grenzgang. Davon zeugt ein altes Dokument, das Lieselotte Sörgel-Füglein fand. Beim Grenzgang am 13. April wird sie über Eichelsdorfer Grenzepisoden berichten. Foto: FOTO German Schneider

    Rund sechs Stunden soll die Wanderung über Stock und Stein, durch Flur und Wald dauern: Begleitet mit Episoden an verschiedenen Stellen, eben von Lieselotte Sörgel-Füglein. Mit dem „Stauchen“ von Jugendlichen, die sich damit die Grenzen ihres Dorfes einprägen sollen. Mit Überraschungen für Kinder, die Grenzsteine suchen und Verläufe finden dürfen. Mit Vesper und Mittagsrast an Stellen, an denen man weit ins Land schauen kann. Mit dem Erfahren, wo Eichelsdorf seine Grenzen hat.

    Lieselotte Sörgel-Füglein hat schon eine Rarität gefunden. Eingebunden in ein altes Gebetbuch aus dem 17. Jahrhundert fand sie das Protokoll einer Flurumgehung. In der Schrift sind Wege und Grenzverläufe beschrieben. Detailliert ist vermerkt, dass der „Schultheiß Paulus Hain mit Söhnlein Michael, der Müller Raphael Bauer mit Söhnlein Veit, Jörg Zapf mit Söhnlein Hans, der Witwer Schnetder mit Söhnlein Michael und der Holzknecht Jörg Hertl“ die Grenzen am 17. Juni 1620 abliefen. Frauen waren nicht dabei, offizielle Anlässe waren Sache der Mannsleute. Dass damals die „Söhnlein“ mitlaufen durften, zeigt, dass das Interesse vorhanden war, der Jugend einprägsam die Dorfgrenzen aufzuzeigen.

    Das Protokoll von damals blieb einzigartig. Weitere Aufzeichnungen gab es nicht mehr. Allerdings erinnert sich Lieselotte Sörgel-Füglein an einen Grenzgang, der in den 30er Jahren stattgefunden hatte. Unter der Leitung des Lehrers Rudolf Grell waren damals die Einwohner von Eichelsdorf ums Dorf gezogen. Was der Dorfhistorikerin am meisten im Gedächtnis blieb? „Es gab für die Kinder und Jugendlichen einen Weck und eine Limo – wahre kulinarische Köstlichkeiten der damaligen Zeit.“

    Auch über den Hintergrund des „Stauchens“ kann Lieselotte Sörgel-Füglein aufklären. Damit sollen dem Kind und dem Jugendlichen eindringlich die wichtigsten Eckpunkte zweier oder gar dreier Grenzen aufgezeigt werden. Die körperlichen symbolischen Züchtigungen und die nachfolgende Belohnung sollen lebenslang wirken.

    Was führt nun zum Grenzgang 2008? Die Antwort geben die sechs Eichelsdorfer Siebener Reinhold Schlund, Udo Kaiser, Klaus Bergmann, Eberhard Kirchner, Manfred Geier und Armin Kaiser, die bei einer Begehung der zerklüfteten Eichelsdorfer Grenzen die Idee hatten, den Grenzverlauf auch anderen Einwohnern aufzuzeigen. Schließlich ist der Grenzverlauf ein Abbild von Hochzeiten, Erbauseinandersetzungen, Bischöfen, Kleinstaaterei, Zeitepochen und in neuester Zeit von Flurbereinigungen.

    Gerade an den Haßberghängen oberhalb von Eichelsdorf geht es rauf und runter, von rechts nach links und manchmal im großen Bogen wieder zurück. Berggängig sollten da die Teilnehmer am Flurgang schon sein.

    Los geht es am Sonntag, 13. April, um 9 Uhr an der Gastwirtschaft „Zu den Haßbergen“. Die erste Rast ist dann gegen 10.30 Uhr eingeplant. Am Schützenhaus, das ziemlich grenznah liegt, soll zwischen 12 und 13 Uhr die Mittagsrast erfolgen. Wer nicht die ganze Strecke laufen will, kann dort bei der Veranstaltung aus- oder einsteigen. Die Rückkehr ins Dorf mit einem Einkehrschwung ins Gasthaus „Zu den Haßbergen“ soll zwischen 15 und 16 Uhr erfolgen.

    Drei Dinge sind wichtig: Für Getränke und Verköstigung ist unterwegs gesorgt. Damit auch Bürger mitmachen können, die nicht so gut bei Fuß sind, gibt es extra einen „Grenzexpress“, der die Teilnehmer an die markanten Haltepunkte bringt. Zum Abschluss erhält jeder Grenzgänger eine kleine Überraschung. Teilnehmen können natürlich auch Bewohner der angrenzenden Gemeinden und aus dem ganzen Gebiet der Verwaltungsgemeinschaft Hofheim. Die Veranstaltung findet nur bei gutem Wetter statt, bei Regen und Schnee wird sie auf einen späteren Zeitpunkt verlegt.

     

    Damit die Organisation klappt, bitten die Grenzer Eichelsdorfs um Anmeldung im Gasthaus „Zu den Haßbergen“, Tel. (0 95 23) 65 42.

    Von unserem Mitarbeiter German Schneider

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!