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    Zell

    So haben die Fundtiere in Zell die "stade Zeit" überstanden

    Die Türen blieben geschlossen, doch drinnen ging die Arbeit weiter: So haben Mitarbeiter und Bewohner des Tierheims in Zell Weihnachten und Silvester überstanden.
    Tierheim-Chefin Britta Merkel kümmert sich unter anderem um die Hunde Einstein (links) und Silas. Letzterer kam am 28. Dezember ins Tierheim, nachdem die Halter nicht mit ihm zurechtkamen.
    Tierheim-Chefin Britta Merkel kümmert sich unter anderem um die Hunde Einstein (links) und Silas. Letzterer kam am 28. Dezember ins Tierheim, nachdem die Halter nicht mit ihm zurechtkamen. Foto: Peter Schmieder

    Seit dieser Woche ist das Tierheim in Zell wieder geöffnet, nachdem die Pforte über die Weihnachtsferien erst einmal zu blieb. Doch auch wenn in der "staden Zeit" keine Besucher willkommen waren und damit die Vermittlung von Abgabe- und Fundtieren in ein neues Zuhause eine Pause machte, ging das Leben der Tiere drinnen weiter. Dabei galt es auch, Silvester zu überstehen – für Zwei- und Vierbeiner oft eine kritische Zeit.

    "Wir haben einige Pensionstiere – sogar mehr als Fund- und Abgabetiere", berichtet Britta Merkel, Vorsitzende der Tierschutzinitiative Haßberge. Der Verein betreibt das Tierheim des Landkreises, seit dieses gebaut wurde. Denn das Tierheim betreut nicht nur heimatlose Tiere, Merkel und ihre ehrenamtlichen Kollegen übernehmen auch die Pflege von Haustieren, während Herrchen und Frauchen im Urlaub sind; vorausgesetzt, es sind noch Plätze frei und die Tierhalter haben sich rechtzeitig um einen Pensionsplatz gekümmert.

    Hunderte von Tieren beschlagnahmt

    Im Vergleich zu den letzten Jahren sei es zum Jahreswechsel 2019/2020 "echt ruhig" gewesen, sagt Merkel. Dennoch: Ein paar Tiere, um die sich die Tierschützer nun kümmern müssen, haben auch in diesem Jahr in der Weihnachtszeit ihr Zuhause verloren, auch wenn es nur wenige waren.

    So beschlagnahmten Behörden im Landkreis Rhön-Grabfeld am 19. Dezember zahlreiche arme Kreaturen und fragten auch bei Tierheimen in der Nachbarschaft an, ob diese einige davon  übernehmen könnten. So kamen nach einem Fall von Animal Hoarding – die krankhafte Sucht, Tiere zu sammeln, auch wenn man sie nicht angemessen versorgen kann – 15 Katzen und ein Pferd zur Tierschutzinitiative Haßberge. Weitere 100 Katzen, drei Hunde und zahlreiche Vögel fanden Quartier in anderen Tierheimen. Während die Katzen im Zeller Tierheim unterkamen, nahm Britta Merkel das Pferd bei sich in Oberschwappach auf, wo sie sich bereits um ein anderes Pferd kümmert.

    "Jeder kann alles kaufen"

    Ein weiterer Bewohner im Tierheim ist seit kurzem Silas, der am 28. Dezember nach Zell kam. Das fünf Monate alte Hund war nur wenige Tage bei seinen Besitzern, die ihn auf Ebay Kleinanzeigen gekauft hatten und dabei wohl seine Bedürfnisse völlig falsch eingeschätzt hatten. "Jeder kann sich alles kaufen", kritisiert die Tierheim-Chefin das Online-Auktionshaus. Viele Tierheime vermitteln um Weihnachten herum keine Tiere mehr, weil sie verhindern wollen, dass sie aus einer Laune heraus und ohne reifliche Überlegung zu Weihnachten verschenkt werden. Aber was bringt das, wenn sich Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Papageien, Schlangen und sogar Pferde bequem online kaufen lassen?

    Eine große Flut an Tieren, die zu Weihnachten verschenkt und kurz danach schon wieder ins Tierheim gebracht wurden, ist in Zell ausgeblieben. Dennoch gibt Britta Merkel ein paar Tipps, die Erwachsene berücksichtigen sollten, wenn Kinder sich ein Haustier wünschen. "Den Eltern muss klar sein, dass sie mit dran bleiben müssen", sagt sie. So sind die Erziehungsberechtigten mit in der Pflicht, wenn der Nachwuchs das Interesse an den Tieren verliert. Außerdem solle sich jeder, der sich ein Haustier anschafft, auch überlegen, wie alt die Tiere werden können und ob es die eigene Lebenssituation auch in ein paar Jahren noch zulässt, sich um einen tierischen Mitbewohner zu kümmern.

    Ratten als Haustiere für Kinder?

    Und was ist das ideale Tier, um die Kleinen an die Verantwortung für Haustiere heranzuführen? "Ich finde ja für Kinder Ratten gut", sagt Merkel. Die lassen sich handzahm machen, sind nicht so scheu wie beispielsweise Meerschweinchen oder Kaninchen und haben außerdem eine geringere Lebenserwartung als diese – gute Voraussetzungen also, um mit relativ geringem Risiko einmal auszutesten, ob ein Kind in der Lage ist, die Verantwortung zu übernehmen. Weiter empfiehlt sie in solchen Fällen, im Tierheim vorbeizukommen, um sich beraten zu lassen. Es gibt beispielsweise die Möglichkeit, mit Hunden aus dem Tierheim Gassi zu gehen, und auch Fachliteratur könne Kinder erst einmal auf die Anschaffung eines Haustiers vorbereiten.

    Derzeit beherbergt das Tierheim gut 30 Katzen, zehn Hunde, elf Kaninchen, neun Ratten und vier Igel. Britta Merkel ist zuversichtlich, viele der Bewohner schnell vermitteln zu können; mit wenigen Ausnahmen: "Sowohl auf der Hundeseite als auch auf der Katzenseite gibt es je ein Zimmer mit Dauergästen." Sprich: Mit Tieren, die sich entweder aufgrund von Krankheiten oder aufgrund ihres aggressiven Verhaltens nicht mehr vermitteln lassen und wohl den Rest ihres Lebens im Tierheim verbringen werden.

    Donnerschlag und grelle Lichter

    Den Jahreswechsel haben die Tiere in Zell laut Britta Merkel recht gut überstanden. Oft kommen in der Silvesternacht Fundtiere – vor allem Hunde – in die Tierheime, nachdem sie vom Lärm verstört weggelaufen sind. In diesem Jahr gab es im Landkreis Haßberge zum Jahreswechsel nur einen Fundhund, der aber beim Finder bleiben konnte, bis der Halter ausfindig gemacht war.

    In dieser Nacht zum 1. Januar haben die Mitarbeiter im Tierheim ausnahmsweise das Licht angelassen, um zu verhindern, dass die Vierbeiner das helle Blitzlichtgewitter des Feuerwerks zu deutlich wahrnehmen. Außerdem sind die Zimmer kameraüberwacht, so dass die Tierschützer mitverfolgen konnten, ob eines der Tiere mit Panikattacken auf die lauten Knallgeräusche reagiert.

    So berichtet Merkel, die Katzen seien "völlig entspannt" gewesen, während das Pferd, das sie in Oberschwappach betreut, regelrecht "durchgedreht" sei. Ein großes Lob hat die Tierheim-Leiterin daher für den Obi-Markt in Haßfurt übrig. Dieser hatte 2019 erstmals auf den Verkauf von Böllern verzichtet und sich dabei auf Umwelt- und Tierschutz berufen. "Es ist super, dass mal einer anfängt, ein Zeichen zu setzen", sagt sie.

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