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    HASSBERGKREIS

    Sonnenfinsternis lässt das Stromnetz kalt

    Anstelle von Deutsch- und Englischunterricht stand für die 6. Klasse der Waldorfschule Haßfurt mit Klassleiterin Heike Spitznagel eine „Sofi-Wanderung“ durch die Haßfurter Innenstadt, am Main entlang bis zum Hafen auf dem Programm. Die Schüler betrachteten abwechselnd mit zwei Schutzbrillen die partielle Sonnenfinsternis in der Kreisstadt. Foto: René Ruprecht

    Ein doppeltes astronomisches Ereignis fand am Freitag statt: Der Frühling verabschiedete offiziell den Winter und der Mond schob sich vor die Sonne. Eine totale Sonnenfinsternis, wie sie in Süddeutschland zuletzt vor 16 Jahren zu beobachten war, gab es diesmal im Nordatlantik über den Färöer-Inseln zu bestaunen.

    Doch auch die partielle Sonnenfinsternis, die von Deutschland aus zu beobachten war, lockte viele Menschen, ihre Augen in den Himmel zu richten. Im Landkreis Haßberge verdeckte der Mond gegen 10.38 Uhr etwa 73 Prozent der Sonne, was dank wolkenlosem Himmel und mit „Sofi“-Brille ausgerüstet bestens zu sehen war. Das nutzte unter anderem die 6. Klasse der Waldorfschule Haßfurt für eine Exkursion. Die Klasse von Heike Spitznagel tauschte Deutsch- und Englischunterricht für eine „Sofi“-Wanderung durch die Haßfurter Innenstadt, am Main entlang bis zum Hafen, wo die Schüler abwechselnd mit zwei Schutzbrillen die partielle Sonnenfinsternis beobachteten.

    Die Befürchtung, dass das deutsche Energienetz durch Stromschwankungen zusammenbrechen könnte, hatte sich dank der Vorkehrmaßnahmen der Netzbetreiber als unbegründet erwiesen. Auch für das Stadtwerk Haßfurt verlief der Freitagvormittag ohne besondere Vorkommnisse. Die Einspeisewerte der Fotovoltaikanlagen reduzierten sich wie erwartet zu Beginn der partiellen Sonnenfinsternis. Eine „schleichende“ Verminderung bis zum Höhepunkt der „Sofi“ wurde registriert, die Anlagen lieferten am Höhepunkt des Spektakels bis zu zwei Drittel weniger Energie. Mathias Rottmann, Leitstellenleiter des Technischen Büros der Stadtwerke Haßfurt, brachte trotz der Sonnenfinsternis einen „ganz normalen Arbeitstag“ hinter sich. „Wir hatten keine negativen Auswirkungen für unser Gesamtnetz. Wenn heftige Gewitterzellen über Haßfurt herziehen, dann haben wir ungefähr die gleichen Werte – je nach Stärke sogar weniger“, erklärte Rottmann. Wie an Tagen, an denen die Sonne witterungsbedingt nur wenig Energie liefert, wurden automatisch andere Energiequellen herangezogen, um den Strombedarf im Netz zu decken. Der Regelmechanismus funktioniert im Sekundentakt. Im Prinzip sei die Sonnenfinsternis wie ein Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Sturmböen bekämen Windrädern wesentlich schlechter als eine Sonnenfinsternis den Fotovoltaikanlagen. „Ich persönlich habe gedacht, dass es draußen dunkler wird“, gab der Leitstellenleiter zu.

    „Für unseren Netzbereich wird es sicherlich keine Probleme geben“, hatte Stadtwerkchef Norbert Zösch schon einen Tag vor dem Ereignis vorhergesagt. Die größere Gefahr sah Zösch darin, dass „die Menschen ohne Augenschutz in die Sonne reinschauen. Für uns als Stromversorger ist es eine Erfahrung für die Zukunft“.

    Das Stadtwerk Haßfurt kann mit seinen Fotovoltaikanlagen an Spitzentagen mit der Mittagssonne bis zu zehn Megawatt Leistung erzielen, das Versorgungsgebiet verbraucht zwischen elf und 15 Megawatt. Neben der Sonnenenergie, die bis zu 80 Prozent des Stromverbrauchs deckt, greift das Stadtwerk auch auf Windenergie, Bioheizkraftanlagen und konventionelle Energieerzeugung zurück. In Haßfurt sind fünf Prozent der Dächer mit Solarzellen bestückt, somit „ist noch sehr viel Potenzial für die Nutzung der Sonnenergie vorhanden“, sagt Zösch.

    Von unserem Mitarbeiter René Ruprecht

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